Weidlinger läuft ÖLV-Rekord im Marathon:
Oberösterreicher schlägt Bestzeit aus 1986

Eineinhalb Minuten schneller als Tiroler Hartmann

Günther Weidlinger hat in Frankfurt unerwartet einen tollen neuen österreichischen Rekord im Marathon-Lauf aufgestellt. Der 31-jährige Oberösterreicher lief in seinem erst zweiten Rennen über die 42,195 Kilometer 2:10:47 Stunden und unterbot den 23 Jahre alten Rekord des Tirolers Gerhard Hartmann (2:12:22) um mehr als eineinhalb Minuten und wurde als Zehnter bester Europäer. Der Tagessieg ging in neuer Streckenrekordzeit von 2:06:14 an Gilbert Kirwa (KEN), der heuer auch in Wien gewonnen hatte.

Weidlinger läuft ÖLV-Rekord im Marathon:
Oberösterreicher schlägt Bestzeit aus 1986 © Bild: APA/Fohringer

Bei seinem Debüt im April in der Bundeshauptstadt hatte Weidlinger die ÖLV-Rekordmarke noch um 17 Sekunden verpasst. Diesmal lieferte er nach nur neunwöchiger Vorbereitungszeit aufgrund einer langen Verletzungspause im Sommer bei perfekten äußeren Bedingungen (14 Grad, Windstille) eine Leistung ab, die sich der ÖLV-Rekordhalter über mehrere Stadiondistanzen und im Halbmarathon bereits bei seinem Debüt in Wien vorgenommen hatte.

Das entspannte Herangehen, ohne Druck von außen, sei mit Ausschlag gebend für den nicht erwarteten Rekordlauf gewesen, sagte Weidlinger. "Ich bin entspannt an die Sache herangegangen, aber damit habe ich nicht gerechnet. 2:12:22 war mein Traum, aber es ist heute so gut gegangen, einfach fantastisch", erklärte Weidlinger freudestrahlend kurz nach dem Zieleinlauf.

Schnellere zweite Rennhälfte
Begleitet von einigen kenianischen Tempomachern passierte der Oberösterreicher die Halbmarathonmarke in 1:05:37 und legte dann sogar noch eine schnellere zweite Rennhälfte nach. "Eigentlich sind wir es zu schnell angegangen, aber ich bin sehr gut durchgelaufen", sagte Weidlinger. Ab Kilometer 24, als sich der letzte Tempomacher verabschiedet hatte, sei er auf sich allein gestellt gewesen. "Fünf Kilometer vor dem Ziel hab' ich gewusst, dass ich es schaffen kann, den Rekord zu holen", sagte der mehrfache WM- und EM-Teilnehmer über 3.000 m Hindernis, der im Vorjahr auf die Straße gewechselt war.

Im Finish konnte Weidlinger noch zulegen und lief etwa den vorletzten Kilometer in 3:01 Minuten. Der tolle Endspurt sicherte Weidlinger im Weltkassefeld (sechs Läufer unter 2:10 Stunden) noch einen Top-Ten-Platz. "Vor allem die letzten Kilometer waren schön zu laufen, es war einfach ein geiles Gefühl", betonte der ÖLV-Rekordler.

Verletzung ausgeblieben
Nach dem Vienna City Marathon hatte Weidlinger im Frühsommer eine hartnäckige Verletzung, die sich nach mehreren Fehldiagnosen als eine Muskelansatzentzündung im Becken herausgestellt hatte, zu einer mehrwöchigen Pause gezwungen. Anders als in Wien, wo er bis zwei Kilometer vor dem Ziel auch noch auf Rekordkurs gelegen war, kam diesmal der Einbruch trotz der kurzen Vorbereitungszeit nicht. "Ich hatte schon ein wenig Angst, dass es wieder passieren könnte. Es hat zwar sehr wehgetan, aber ich hab' das Tempo super durchgehalten", meinte der Oberösterreicher, der sich bis vor zwei Wochen im Höhentraining in St. Moritz vorbereitet hatte.

Mit dieser Leistung unterbot Weidlinger nicht nur das ÖLV-Limit von 2:16 für die Europameisterschaften in Barcelona, das er vorsichtig als sein Hauptziel für Frankfurt ausgegeben hatte, deutlich, sondern etablierte sich wie zuvor auf der Bahn auch im Marathon mitten in der europäischen Spitze. "Die Norm hab ich locker unterboten, für die EM sieht es ganz gut aus, mit 2:10:47 kann man sich sehen lassen", betonte Weidlinger, der sich auf Platz neun der europäischen Jahresbestenliste schob. (apa/red)