Weidlinger bei Bekele-Sieg Zaungast auf der Laufbahn: Platz 27 über 10.000 Meter

Für den Oberösterreicher ging die Post zu früh ab Pechvogel war beinahe wieder in Sturz verwickelt

Weidlinger bei Bekele-Sieg Zaungast auf der Laufbahn: Platz 27 über 10.000 Meter © Bild: APA

Der 30-jährige Günther Weidlinger hat im von den Afrikanern dominierten olympischen 10.000-m-Lauf in Peking als 27. in 28:14,38 Minuten eine solide Vorstellung abgeliefert. Planmäßig hatte sich Topfavorit Kenenisa Bekele, der Athen-Titelgewinner und Weltrekordler, die Goldmedaille geholt, der Äthiopier setzte sich in 27:01,17 vor seinem Landsmann Sileshi Sihine (27:02,77) und dem Kenianer Micah Kogo (27:04,11) durch. Atlanta- und Sydney-Goldmedaillengewinner Haile Gebrselassie wurde Sechster.

Bekele war einfach nur "happy", sein zweites Olympiagold gewonnen zu haben. Dass es weit nicht für einen neuen Weltrekord gereicht hat, verschmerzte er: "Ich habe mein Bestes versucht, ich konnte nicht schneller laufen." Mit dem großen Gebreslassie wollte er nicht verglichen werden. "Da muss ich noch viele Jahre laufen und gewinnen, damit ich das tun könnte." Seit 1992 waren bei Olympischen Spielen die Medaillenplätze über 10.000 m stets an afrikanische Läufer gegangen.

Trotz Übermacht in seinem ersten großen 10.000-m-Rennen gut geschlagen hat sich Weidlinger. "Es war ein solider, aber nicht überragend guter Lauf. Die Tempoverschärfung ist ein wenig zu früh für mich gekommen, da habe ich nicht mitkönnen. Ich bin eher ein Spätstarter, ich brauche, fünf, sechs, sieben, acht Runden, bis ich ins Rennen gekommen bin. Und der Zielsprint war irrsinnig schlecht, da bin ich noch von ein, zwei Leuten überholt worden, das darf einfach nicht passieren. Es war taktisch ein schlechter Zug, dass ich 250 vor dem Ziel vorgegangen bin, ich hätte warten können auf die letzten 100", nahm sich der frühere österreichische Hürdenläufer hart in die Kritik.

In letzter Runde überrundet
Die Überrundung durch das Spitzenfeld passierte genau eine Runde vor dem Ziel. "Da kannst nix machen, wenn du gute Beine hast, kannst versuchen, noch einmal mitzugehen, aber die hast meistens nicht. Es war imposant, mit welchem Tempo die vorbeigezogen sind, da sieht man erst, um wieviel besser die Afrikaner sind", verbeugte sich der Europäer verbal vor der Weltklasse." Das Teilnehmerfeld war 39 Läufer stark, da war es vorhersehbar, dass die Topleute früh das Tempo anziehen werden. "Am Anfang sind gleich einmal zwei gestürzt. Keiner wollte sich auf eine Rempelei einlassen", wusste Weidlinger, der in seiner Karriere oft genug in Stürze verwickelt war.

Für den Oberösterreicher Weidlinger war es die dritte Teilnahme im Zeichen der Fünf Ringe, 2000 in Sydney war er über 3.000 m Hindernis 8. geworden, 2004 in Athen über 5.000 m 20. und 2012 in London will er im Marathon an den Start gehen. "Es kann sein, dass ich bei der WM in Berlin nächstes Jahr noch mal die 10.000 m laufe. Mal schauen, wie der erste Marathon verläuft, dann sehen wir weiter." Den Rennausgang am Sonntag bei leicht windigen, aber sonst klimatisch perfekten Bedingungen hatte er fast exakt vorhergesagt, nur hatte Weidlinger auch Gebrselassie unter den Top Vier erwartet: "Er hat sicher nicht mehr den Spurt wie früher. Es war aber schön, mit ihm zu laufen."

(apa/red)