Theaterkritik von

Weibliche "Orestie" am Burgtheater

Regisseur Antú Romero Nunes lässt Aischylos von einem hervorragenden Damen-Ensemble spielen. Das funktioniert perfekt, möglicherweise zu perfekt.

Theaterkritik - Weibliche "Orestie" am Burgtheater © Bild: Reinhard Maximilian Werner

Bei Aischylos hätte es das nicht gegeben: Theater wurde in Griechenland ausschließlich von Männern gespielt. Der 1982 in Tübingen geborene Antú Romero Nunes kehrt die Tradition um und zeigt ein präzise gefertigtes Schauspiel nach den klassischen Regeln der Antike.

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Erzählt wird die Geschichte der Atriden. Agamemnon hat seine Tochter Iphigenie geopfert, um den Krieg gegen Troja zu gewinnen. Das verzeiht ihm Ehefrau und Mutter Klytemnestra nicht. Sie bringt ihn um, als er aus dem Krieg heimkehrt und übernimmt mit ihrem Geliebten Aigisthos den Thron. Den Vater rächt Sohn Orest und bringt Mutter und Stiefvater um. Sie alle aber sind Opfer ihres Urahns Tantalos, der seinen Sohn den Göttern zum Verzehr angeboten hat, um deren Allwissenheit zu prüfen. Nach Orests Vatermord flieht Orest vor den Rachegöttinnen, den Erinyen zu Pallas Athene, denn er hofft auch Gerechtigkeit.

© Reinhard Maximilian Werner

Antú Romero Nunes kommt mit einer leeren Bühne aus, die Matthias Koch nur mit einer Schräge, oder nach Bedarf mit einem Laufsteg versieht. Grandiose Bilder werden mit Licht und Regenfontänen erzeugt. Wenn aus diesem Hintergrund die golden gewandete Pallas Athene steigt, möchte man sich in einem Bild Gustav Klimts wähnen, wären nur nicht Victoria Behrs entstellende Kostüme, die alle Darstellerinnen bis zu Unkenntlichkeit mit dickem Kleister verschmiert und in Fetzen hüllt. Unkenntlich waren die Gesichter auch in der Antike, wo man mit Masken agierte. Dennoch kostet die Ausstattung Nunes’ hervorragender Arbeit nicht wenig Kraft. Diese geht vor allem von Peter Steins klarer, leicht verständlicher Übersetzung aus. Regisseur und die exzellent geführten Darstellerinnen vertrauen diesem Text. So klar und deutlich wurde an der Burg schon lange nicht mehr artikuliert.

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Aus dem sehr guten Ensemble ragt vor allem Caroline Peter als Klytemnestra hervor. Barbara Petritsch (Aigisthos/Amme), Sarah Viktoria Frick (Elektra), Aenne Schwarz (Orest), Maria Happel (Agamemnon) leisten beste Arbeit. Irina Sulaver komplettiert als Pallas Athene. Alle Darstellerinnen, Caroline Peters ausgenommen, nehmen aus dem Chor ihre Rollen an. Das funktioniert so friktionsfrei wie die gesamte Produktion. Thomas Kürstner und Sebastian Vogel sorgen fürs Musikalische. Auch das fügt sich ins Geschehen einer Inszenierung, deren Perfektion jede Strahlkraft verdeckt.

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