Wegen Sicherheitsbedenken gestoppt: Zwei schwedische Atomreaktoren sind vom Netz

Schwierigkeiten im Akw Forsmark hören nicht auf

Zwei Reaktoren des schwedischen Atomkraftwerks Forsmark sind wegen Bedenken an der Betriebssicherheit gestoppt worden. Block eins war vom Netz gegangen, nachdem die Materialanalyse einer Gummidichtung Mängel ergeben hatte. Danach entschied die Kraftwerksleitung im Zusammenwirken mit der staatlichen Atomsicherheitsbehörde SKI, den ähnlich gebauten Block zwei ebenfalls herunter zu fahren, um die Dichtungen zu überprüfen.

Dem Sprecher des 200 Kilometer nördlich von Stockholm gelegenen Atomkraftwerks, Claes-Inge Andersson zufolge, ist der modernere dritte Reaktor in Forsmark von den Problemen nicht betroffen, da dieser anders konstruiert sei. Wann die beiden abgestellten Blöcke wieder in Betrieb gehen können, ist vorerst offen. Seitens der Atomsicherheitsbehörde hieß es, die Dichtungen der beiden abgeschalteten Blöcke seien schon alt und offenbar nicht mehr elastisch genug. Dadurch ließe sich bei einen möglichen Unfall ausgetretenen Dampf schwieriger kontrollieren.

Am 25. Juli vergangenen Jahres hatte sich in Forsmark ein allgemein als ernst eingestufter Zwischenfall ereignet. Nach einem Kurzschluss waren mehrere Dieselaggregate für die Erzeugung von Notstrom für das Kühlsystem nicht automatisch angesprungen. Nach Ansicht einiger Experten hätte der Fehler schlimmstenfalls zu einer Kernschmelze führen können. Forsmark eins und zwei standen daraufhin zwei Monate still.

Auch danach war es zu weiteren unvorhergesehenen Abschaltungen in Schwedens Atomkraftwerken gekommen. Zuletzt musste das Atomkraftwerk Ringhals 1 Ende Jänner wegen eines Fehlers im Kühlwasserkreislauf angehalten werden. Ebenfalls vergangene Woche wurde ein interner Bericht bekannt, wonach in Schwedens Atomanlagen ein "längerfristiger Verfall der Sicherheitskultur" festgestellt wurde. So wurden mehrfach Angestellte nach Hause geschickt, weil sie alkoholisiert waren.

Schweden betreibt insgesamt zehn Atomreaktoren an den Standorten Forsmark, Oskarshamn (beide an der Ostseeküste, je drei Blöcke) und Ringhals (Westküste, vier Blöcke). Rund die Hälfte des schwedischen Stroms stammt aus der Atomkraft. In den kommenden Jahren sind an mehreren der Reaktoren leistungssteigernde Umbaumaßnahmen geplant. Vorerst plant Schweden keine neuen Atomkraftwerke zu errichten.

(apa/red)