Wechsel im Inhalt, Kontinuität im Stil:
Präsidentschaftskandidat Obama im Porträt

Schwerpunkte: Irak, Krankenversicherung, Energie Demokrat verlässt sich auf einen kleinen Machtzirkel

Wechsel im Inhalt, Kontinuität im Stil:
Präsidentschaftskandidat Obama im Porträt © Bild: APA/EPA/Thew

Barack Obama redet gerne über den Wechsel, den die USA brauchen und den er bringen will. Doch sollte er der nächste Präsident werden, würde es im Weißen Haus im Stil - wenn auch nicht bei den Inhalten - ähnlich zugehen wie unter seinem Amtsvorgänger George W. Bush.

Disziplin, Effizienz, Verschwiegenheit: Das sind Kennzeichen von Obamas Wahlkampf - und auch für die Art, wie das Weiße Haus unter Bush geführt wurde. Obama erwartet von seinen Mitarbeitern, dass sie loyal und verschwiegen sind. Kommt es zu Differenzen über Strategie, Inhalt oder Personalfragen, wird das hinter verschlossenen Türen geregelt.

Bush und Obama stehen nach Worten von Princeton-Historiker Julian Zelizer zwar für eine ganz unterschiedliche Politik. Aber Obama "führt seinen Wahlkampf mit der gleichen Art von methodischer Effizienz und Abgeschlossenheit, wie das Weiße Haus unter Bush gemanagt wurde".

Delegieren
Obama lässt sich nach Worten seines langjährigen Freundes Senator Dick Durbin von seinen Mitarbeitern auch Unangenehmes sagen. Und er geht nicht auf sie los, wenn sie Fehler machen. Seine Art, den Wahlkampf zu führen, lässt vermuten, dass er als Präsident eher zum Delegieren von Aufgaben neigen wird, als dass er alles bis ins kleinste Detail selbst regeln will.

Kleiner Machtzirkel
Dabei verlässt sich der Newcomer, der gerade erst vor vier Jahren in den US-Senat gewählt wurde, am liebsten auf den kleinen und von außen kaum zu durchdringenden Machtzirkel, den er um sich aufgebaut hat. Wie sein Wahlkampf gezeigt hat, war das eine erfolgreiche Formel. Dieses Vorgehen kann aber auch den Zorn von Unzufriedenen in seiner Partei hervorrufen, die das "Team Obama" als isoliert kritisieren. Genährt wurde diese Kritik von Obamas Entscheidung, seine Wahlkampfzentrale weit von Washington entfernt in seiner Heimat Chicago aufzubauen.

Sollte der Senator aus Illinois zum 44. Präsident gewählt werden, dann wären seine beiden Töchter Malia und Sasha mit zehn und sieben Jahren die jüngsten Bewohnerinnen des Weißen Hauses seit Amy Carter, die beim Amtsantritt ihres Vaters Jimmy 1977 neun Jahre alt war.

Begnadeter Redner
Anders als bei Bush wird es bei Obama keine Witze über Wortverdrehungen geben. Obama gilt als begnadeter Redner. Auch politisch wird es gewaltige Unterschiede zu den vergangenen acht Jahren geben. Obama hat drei Schwerpunkte genannt, die er in den ersten 100 Tagen im Amt in Angriff nehmen wird: der Rückzug der amerikanischen Truppen aus dem Irak, einen Plan für eine alle Bürger umfassende Krankenversicherung und ein weitreichendes energiepolitisches Konzept. Längerfristig will er sich um eine Reform der Einwanderung kümmern, eine Konferenz zur Entwicklung des ländlichen Raumes einberufen und einige von Bushs Anordnungen überprüfen und gegebenenfalls rückgängig, vor allem bei den Themen Guantanamo und Abhören.

Ende des Irak-Krieges
Angesichts der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise wird ein Präsident Barack Obama einiges, was auf seiner Tagesordnung steht, aufschieben müssen. Als Politiker, der seinen Aufstieg seinem "Nein" zum Irak-Krieg zu verdanken hat, wird es aber eine Priorität geben, die nicht nur seine ersten 100 Tage im Amt bestimmen wird, sondern schon den allerersten Tag: der Krieg im Irak. Die Stabschefs werden sich nach Obamas Worten gleich nach Vereidigung im Oval Office wiederfinden und von ihm einen neuen Befehl erhalten: "Beendet diesen Krieg, mit Verantwortung und Bedacht, aber entschlossen."

Obama hat als Präsident viel vor. Um seine Ziele zu verwirklichen, muss er von Anfang an viel Zeit darauf verwenden, Brücken zum Kongress zu bauen. Dabei wird erwartet, dass es seiner Demokratischen Partei gelingt, bei den anstehenden Wahlen die Zahl ihrer Mandate im Senat und Repräsentantenhaus auszubauen. Das würde ihm das Regieren leichter machen als seinem republikanischen Rivalen John McCain. Aber - und das zeigt die Erfahrung: Wenn die Demokraten den Kongress kontrollieren, heißt das nicht automatisch, dass Obama bekommen wird, was er will.
(apa/red)