Webber stellt sich auf harte Konkurrenz ein:
Teamkollege Vettel wird Routinier fordern

21-jähriger Deutscher will mit Red Bull Titel holen Chef Didi Mateschitz wird beim Spaß-Faktor sparen

Webber stellt sich auf harte Konkurrenz ein:
Teamkollege Vettel wird Routinier fordern © Bild: APA/dpa

Für Mark Webber wird die kommende Formel-1-Saison kein Honigschlecken. Hatte es der Australier 2008 noch mit dem alternden David Coulthard zu tun, so kämpft er heuer ausgerechnet mit dem erfolgshungrigen Jung-Star Sebastian Vettel um die Vorherrschaft bei Red Bull. Kein Wunder, dass Webber nun nach seinen ersten erfolgreichen Testfahrten im nagelneuen RB5 in Jerez de la Frontera erleichtert ist: Der im November bei einem Verkehrsunfall erlittene offene Schien- und Wadenbeinbruch ist abgeklungen und steht seinem Formel1-Comeback nicht mehr im Wege.

Für Webber geht es 2009 deshalb um sehr viel, weil er mit dem jungen Deutschen Sebastian Vettel einen der stärksten und aufstrebendsten Teamkollegen überhaupt hat. Der 21-jährige Vettel ist seit seinem Vorjahres-Sieg im Red-Bull-Schwesternteam Toro Rosso der jüngste GP-Sieger aller Zeiten. "An meinem Job ändert das aber nichts", sagte Webber, der infolge seines Bruches zumindest noch Schmerzmittel nehmen muss. "Ich will immer möglichst weit vorne sein."

In dieselbe Kerbe schlug Vettel, der an der Rennstrecke seine immer zahlreicheren Medientermine abarbeitete. Der Hesse wird als künftiger Weltmeister gehandelt, und Vettel machte auch kein Geheimnis daraus, dass das auf längere Sicht gesehen sein erklärtes Ziel ist. Am liebsten sei ihm, würde das schon mit Red Bull Racing gelingen, betonte Vettel in Südspanien, wo er derzeit ebenfalls das neue Auto des in England ansässigen Teams testet, das in österreichischem Besitz ist und das seit 2006 auch mit österreichischer Lizenz (Teamchef Christian Horner: "Wir können alle die Hymne!") fährt.

Den wieder aus der Feder von Star-Designer Adrian Newey stammenden, neuen RB5 einzuschätzen, sei noch etwas zu früh, betonten beide Piloten in Spanien. Dort testen diese Woche neben den beiden Red-Bull-Teams auch McLaren, Renault und Williams während Ferrari, BMW und Toyota in Bahrain üben. "Es hat sich zumindest gleich gut angefühlt", sagte Vettel am Mittwoch.

Übungsfahrten enorm wichtig
Die Übungsfahrten vor der Saison sind so wichtig wie nie, weil während der erst am 29. März in Australien beginnenden Saison Tests aus Kostengründen erstmals verboten sind. Dazu kommt, dass wegen der umfassendsten Regeländerungen seit Jahrzehnten fast alle Rennställe bei Null beginnen mussten und die Fahrzeuge einen gewöhnungsbedürftigen "Look" haben. "Zumindest ist unser Auto eines der Schöneren", sagte Vettel, und Webber, der wegen der Feuerkatastrophe in seiner Heimat sehr leidet ("Eine Riesen-Tragödie!") ergänzte: "Mit diesen Regeln ein schönes Auto zu bauen, ist gar nicht so einfach."

Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz vergewisserte sich persönlich vom Fortschritt seiner Teams. Zusammen mit dem früheren Toro-Rosso-Mitbesitzer Gerhard Berger ("Ich bin nur als Fan mit!") war Mateschitz in seiner privaten Falcon nach Spanien geflogen und formulierte dabei de Saisonziele. "Ich glaube, dass wir wieder ein sehr gutes Auto mit einem sehr guten Motor haben. Wir wollen im Mittelfeld vorne sein und an die zwei bis drei Top-Teams anschließen", sagte Mateschitz. "Alles, was schlechter als ein vierter oder fünfter Platz ist, entspricht nicht den Zielsetzungen von Red Bull Racing."

Toro Rosso bringt sich in Stellung
Beim Schwesternteam Toro Rosso müsse man natürlich bescheidenere Maßstäbe anlegen, auch wenn das zum Verkauf stehende Team, in dem Vettel im Vorjahr den ersten Red-Bull-Sieg gefeiert hat, bereits ab Saisonbeginn über das gleiche Chassis verfügen wird. Derzeit testet der Schweizer Neo-Pilot Sebastien Buemi (Mateschitz: "Er ist nicht gut, er ist sehr gut!") in Spanien noch das weitgehend alte Modell und war deshalb meist der klar schnellste Pilot. Nachdem der Franzose Sebastien Bourdais als zweiter Fahrer bestätigt worden ist, hat der Japaner Takuma Sato die derzeit besten Chancen auf den Job als Red-Bull-Ersatzfahrer.

Insgesamt seien die drastischen Sparmaßnahmen auch eine absolute Chance. Speziell privaten Teams wie Red Bull könne das helfen, ist Mateschitz überzeugt. Bei beiden Teams hat man dadurch die Budgets drastisch reduzieren können. Es wird im Fahrerlager auch kein Red Bulletin mehr geben, und auch die Ära der Formula-Unas ist vorbei.

Einsparungen am "Spaß-Faktor" sind für Mateschitz kein Problem. "Schlecht wäre es hingegen, an etwas zu sparen, das das Auto langsamer macht", erklärte der 64-jährige Steirer. Red Bull verwendet traditionell 35 bis 40 Prozent des Umsatzes für das Marketing und finanziert so auch die Formel 1. Mateschitz: "Wenn wir da zehn Prozent einsparen, haben wir noch immer mehr als viele andere!"
(apa/red)