Was ist bloß faul im Staate KiK? Auch bei
Läden in Österreich "nicht alles in Ordnung"

31. August: Diskonter gerät ins Fadenkreuz der Kritik Das sagen Mitarbeiter & Gewerkschafter Proyer dazu

Was ist bloß faul im Staate KiK? Auch bei
Läden in Österreich "nicht alles in Ordnung" © Bild: APA/Artinger

An miese Schlagzeilen dürfte sich der Textildiskonter KiK mittlerweile gewöhnt haben. Bespitzelung der Mitarbeiter, Diskontgehälter für die Angestellten im deutschen Ladengeschäft, skandalöse Arbeitsbedingungen bei den Zulieferbetrieben in Asien bringen den Konzern im August nicht nur in Deutschland ins Kreuzfeuer der Kritik. In Österreich ist man noch mit der Beseitigung des eigenen Scherbenhaufens beschäftigt - und der Suche nach fairen Arbeitsbedingungen.

"Diese Probleme kennen wir nicht", ist das erste, was einer Wiener KiK-Mitarbeiterin im August zu den Enthüllungen über den deutschen Mutterkonzern einfällt. "Ich bin seit acht Jahren dabei - das wäre ich nicht, wenn es mir bei KiK nicht gefallen würde", so die Angestellte im Gespräch mit NEWS.at.

Die Dame hat offenbar Glück gehabt. Denn erst drei Jahre ist es her, dass sich die KiK-Geschäftsführung mit Zähnen und Klauen gegen die Installation eines Betriebsrates wehrte - und es auf einen offenen Konflikt mit der Gewerkschaft GPA-djp ankommen ließ. Der ist inzwischen beigelegt. Aber gilt das auch für die Missstände, die Mitarbeiter und Gewerkschafter damals beklagten? Werden inzwischen faire Gehälter ausgezahlt und dem Privatleben der Mitarbeiter Respekt gezollt?

"Nachdem der Betriebsrat gewählt werden konnte, hat sich die Situation für die Beschäftigten bei der Arbeitszeit und der Entlohnung wesentlich gebessert", bestätigt Karl Proyer, stellvertretender Bundesgeschäftsführer der GPA-djp, gegenüber NEWS.at. "Es gibt nun einen direkten Draht zwischen Gewerkschaft, Betriebsrat und KiK-Geschäftsführung. Das funktioniert im Großen und Ganzen recht gut."

Nicht alles in Ordnung
Dass das System KiK, das offenbar auch auf einer Gängelung und Überwachung der Mitarbeiter basiert, seit Beilegung des Arbeitskonfliktes nicht mehr zur Anwendung kommt, ist dennoch unwahrscheinlich. Zwar können Beschäftigte bei Beschwerden auf klare Strukturen des Betriebsrates und der Gewerkschaft zurückgreifen und auch eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen wurde erzielt - "In Ordnung ist aber noch nicht alles", bedauert Proyer.

In Österreich muss KiK dank des Kollektivvertrages anders als in Deutschland höhere Löhne bezahlen - gerecht sind diese allerdings nur bedingt. "Wenn man sich die Gewinne von KiK anschaut, könnte schon ein größeres Stück vom Kuchen für die Beschäftigten abfallen", wünscht sich Proyer. Denn während die Geschäftsführung einen aggressiven Expansionskurs fährt, bleibt von den steigenden Umsätzen in der Tasche der einfachen Mitarbeiter wenig übrig. Das Kommentar einer KiK-Verkäuferin: "Dazu dürfen wir nix sagen."

Ein Maulkorb von oben? Ungewöhnlich reserviert gibt sich nämlich auch plötzlich ein Filialleiter in Wien, als er auf die Bespitzelungsfälle in Deutschland angesprochen wird: "Überwachung gibt es keine. Sonst würde ich ja davon wissen." Weiß seine Kollegin aus einer anderen Wiener Filiale etwa mehr? Ihr Blick geht nach der Frage zumindest erst zu ihrer Vorgesetzten. Es könnte ja doch eine Kontrolle sein.

Kik will Image aufpolieren
Anfang November kündigt Kik an, sein Filialnetz in Europa weiter zu vergrößern und mit einer neuen Unternehmensstrategie sein ramponiertes Image aufpolieren. Zum neuen Konzept zählt eine freundlichere Gestaltung der Filialen und erstmals ein Nachhaltigkeitsbericht. Bereits vor Ort bei den Herstellern in Asien will Kik die Produktionsbedingungen nun auf soziale und ökologische Standards überprüfen. Zum 1. Oktober hat der Diskonter zudem den Mindestlohn auf 7,50 Euro angehoben.

Kik beschäftigt in Europa rund 18.000 Menschen, davon 15.000 in Deutschland. Kik ist in Österreich mit 250 Filialen vertreten. Weiters betreibt der Diskonter Geschäfte in Tschechien, Slowenien, Ungarn und der Slowakei.

Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr 1,63 Mrd. Euro und soll 2010 in ähnlicher Höhe ausfallen. Kik schreibe dabei schwarze Zahlen, erklärte das Unternehmen.

(mei/apa)