Was trennt und was verbindet die Schweiz und Österreich? Vor allem Habsburg und EU

Heute existieren intensive bilaterale Beziehungen Fussball: Vorläufig letztes Match gewinnt Österreich

Die Verbindungen zwischen der Schweiz und Österreich haben seit fast 1.000 Jahren einen ganz konkreten Namen: Habsburg. Die Stammburg jenes Herrschergeschlechts, das in Österreich bis 1918 das Sagen hatte, steht im Kanton Aargau. Heute sind die bilateralen Beziehungen intensiv. Davon zeugen über 80 Verträge, aber auch gemeinsame Projekte wie die Fußball-EURO 2008. Wichtigster Unterschied: Österreich ist seit 1995 EU-Mitglied, die Schweiz gibt sich eigenbrötlerisch und ist mit der Union bisher nur durch bilaterale Verträge verbunden.

Die Habsburg entstand um 1020. Der Legende nach hieß sie anfangs Habichtsburg. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass sie nach dem altdeutschen Wort 'hab'/'haw' für "Flussübergang" benannt wurde. Ursprünglich bewachte die Burg eine Furt. Die Habsburger beherrschten einst große Teile der Schweiz und erhielten 1282 die Länder Österreich und Steiermark.

Durch die Bildung der Eidgenossenschaft (1291) wurden sie jedoch nach und nach verdrängt. Ihre Heere steckten schwere Schlappen (Morgarten 1315, Sempach 1386, Näfels 1388) ein. Im 15. Jahrhundert gaben sie die schweizerischen Besitzungen auf. Die Habsburg ging 1415 an die Eidgenossen. 1803 wurde sie dem Kanton Aargau zugeeignet.

Seit dem 18. und 19. Jahrhundert gedeihen die Wirtschaftsbeziehungen. Einzelne Schweizer, vordringlich Uhrmacher aus Genf, ließen sich als Unternehmer in Österreich nieder. Im 20. Jahrhundert blieb die neutrale Schweiz sowohl vom Ersten als auch vom Zweiten Weltkriegen verschont. Inmitten der europäischen Zerstörung blühte hier der Wohlstand, der aber auch karitativ genutzt wurde: 1919 und 1945 wurden kriegsgebeutelte Kinder aus Österreich aufgenommen.

Die österreichische Neutralität stärkt seit 1955 die politischen Bande, die EFTA seit 1960 die wirtschaftlichen. Seit dem Beitritt Österreichs zur EU streben schweizerische Betriebe verstärkt ökonomischen Einfluss in Österreich an. Die Schweiz ist für Österreich ein bedeutender Wirtschaftspartner. Die österreichischen Exporte (Möbel, Kunststoff, Papier, Pappe...) lagen laut Österreichischer Wirtschaftskammer (WKO) zuletzt bei 4,4 Milliarden Euro, die Importe (Pharma, Arzneien, Uhren, nichtmonetäres Gold...) machten rund 3,5 Milliarden Euro aus.

Für grenzüberschreitenden Unmut sorgte zuletzt allenfalls ein im Kanton Zürich geplantes unterirdisches Endlager für radioaktive Abfälle. Der von der Schweiz in Erwägung gezogene Standort Benken im Zürcher Weinland ist nur rund 100 Kilometer von der Grenze zu Vorarlberg entfernt. Das Land Vorarlberg lehnt die Pläne daher ab. Von Schweizer Seite wird aber versichert, dass Vorarlberg und Österreich bezüglich des umstrittenen Projekts "volles Mitspracherecht" haben werden.

Stellung des Präsidenten unterschiedlich
Wie Österreich hat auch die Schweiz einen Bundespräsidenten. Allerdings ist der Stellenwert dieses Amtes und das Procedere seiner Bestellung ein völlig unterschiedliches. Während in Österreich das Staatsoberhaupt alle sechs Jahre vom Volk gewählt wird, wechselt das Amt des Bundespräsidenten in der Schweiz jährlich nach einem Rochade-Prinzip.

Das 1848 geschaffene Regierungssystem wird nämlich von stark plebiszitären und föderalistischen Spielregeln bestimmt. Der aus sieben Mitgliedern bestehende Bundesrat (Regierung) ist als Kollegialorgan sowohl die vollziehende Gewalt als auch Staatsoberhaupt. Der Bundespräsident der Eidgenossenschaft nimmt die Funktionen des Staatsoberhauptes als Vorsitzender des Gesamtkollegiums wahr. Er übt gleichzeitig sein Regierungsamt an der Spitze eines Fachressorts aus.

Das mit dem Regierungsvorsitz verknüpfte Präsidentenamt wechselt jährlich zwischen den sieben Bundesräten nach dem Anciennitätsprinzip. Der Präsident ist "primus inter pares" (Erster unter Gleichgestellten). 2007 hat Außenministerin Micheline Calmy-Rey (Sozialdemokraten/SP) das Amt inne.

Die Bundesräte werden alle vier Jahre von der Vereinigten Bundesversammlung gewählt, die aus den beiden Parlamentskammern - Nationalrat und Ständerat - besteht. Seit 2003 gilt folgender Schlüssel für die Zusammensetzung des Bundesrates: Die Freisinnig-Demokratische Partei (FDP), die Sozialdemokratische Partei (SP) und die Schweizerische Volkspartei (SVP) stellen je zwei Bundesräte, die Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) einen.

"Hitzeschlacht von Lausanne"
In Sachen Fußball sticht in der gemeinsamen Geschichte die "Hitzeschlacht von Lausanne" bei der Weltmeisterschaft 1954 hervor. Österreich siegte nach einem frühen 0:3-Rückstand noch 7:5. Zur Legende wurde das Spiel auch durch ein Detail am Rande: ÖFB-Tormann Kurt Schmied erlitt eine Heliosis (Sonnenstich) und konnte sich nach dem Match nur noch an Bruchteile erinnern.

Österreich erreichte mit diesem Sieg das Semifinale und letztlich mit Rang drei die beste Platzierung eines ÖFB-Teams in der bisherigen WM-Geschichte. Das vorläufig letzte Spiel gewann Österreich am 11. Oktober des Vorjahres in Innsbruck in aller Freundschaft 2:1. Im Übrigen sind die sportlichen Berührungspunkte eher alpiner Ski-Natur. Wobei da in den vergangenen Jahren in der Regel eher die ÖSV-Asse die Nasen vorn hatten.

(apa/red)