Spitzentöne von

Was man von den Clevelandern lernt

Heinz Sichrovsky © Bild: NEWS

Ein Glück, dass Franz Welser-Möst und sein Cleveland Orchestra in den Wiener Konzertsälen willkommene Gäste mit Heimatrecht sind. Der Abschied des Maestros aus der Wiener Staatsoper ist dem Haus nicht gut bekommen, und trotz Welser-Mösts fortgesetzt enger Verbindung mit den Philharmonikern und den Salzburger Festspielen vermisst man die ständige Präsenz eines großen Dirigenten mit Wissen und Gestaltungswillen. Zuletzt waren die Clevelander wieder im Musikverein zu Gast. Mahlers Sechste, von der Wunder berichtet werden, konnte ich nicht hören. Aber Janáčeks halbszenisch aufgeführtes Kammerspiel "Das schlaue Füchslein" geriet zu einer Demonstration, was Farbenreichtum und beseelte Präzision betrifft. Auf einer podiumshohen Wand im Orchesterhintergrund wurde die Geschichte in liebenswert gezeichneten Bildern erzählt, doch das wäre nicht nötig gewesen: Das Orchester ließ nicht das Geringste an Plastizität, Dramatik und psychologischer Feinarbeit vermissen.

Lehrreich ist auch der Blick in die Reihen der Musiker. Wie bei den Philharmonikern ist auch hier ein Generationenwechsel im Gang. Die Jungen hat allesamt Welser-Möst mit ausgewählt, und das merkt man an der Homogenität des Gebotenen. Bei den Wienern kann er diese Arbeit leider nicht mehr leisten. Aber, gottlob: In der neuen Direktion übernimmt der Weltdirigent Philippe Jordan die Aufbauarbeiten.

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