Was soll nur aus Afghanistan werden?
Neue Hinweise auf Manipulation der Wahlen

Republikaner drängen auf Aufstockung der Truppen Widerstand gegen Einsatz wächst unter Demokraten

Was soll nur aus Afghanistan werden?
Neue Hinweise auf Manipulation der Wahlen © Bild: Reuters/Masood

Afghanistan wird politisch wie militärisch zu einer immer größeren Belastung für die internationale Gemeinschaft: Während neue Manipulationsvorwürfe im Zusammenhang mit der Präsidentenwahl im August erhoben wurden, verschärft sich der Druck auf US-Präsident Barack Obama, eine Entscheidung über die Entsendung weiterer Soldaten in das zerrissene Land zu treffen. Unterdessen vergeht dort kein Tag ohne Blutvergießen: Bei einem Anschlag auf ihr Auto wurden in der Provinz Herat ein spanischer Soldat getötet und fünf weitere verletzt, in der Provinz Ghazni tötete eine von Aufständischen auf einen Bus abgefeuerte Rakete zwei Menschen und verletzte weitere 25.

Bei einem Treffen mit hochrangigen Kongressabgeordneten drängten die oppositionellen Republikaner Präsident Obama zu einer raschen Aufstockung der US-Truppen am Hindukusch. Die Demokraten, unter denen der Widerstand gegen den Einsatz wächst, mahnten hingegen zur Geduld. Obama selbst kündigte nach Angaben eines Gesprächsteilnehmers eine Entscheidung an, die nicht alle Seiten zufriedenstellen werde.

Bei dem Treffen im Präsidialamt wollte Obama die Meinungen der Spitzenpolitiker einholen. Sein alter Wahlkampf-Rivale John McCain warnte ihn dabei vor Halbherzigkeit. Der republikanische Senator forderte von Obama, auf den US-und NATO-Befehlshaber in Afghanistan, General Stanley McChrystal, zu hören. Dieser hatte die Lage in dem Land vergangene Woche als ernst beurteilt und vor einer Ausweitung des Aufstands gewarnt. McChrystal strebt eine Aufstockung der Truppen um bis zu 40.000 Mann an.

Die demokratische Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, sprach dagegen von Meinungsverschiedenheiten bei dem 90-minütigen Gespräch. Zugleich bat Obamas Partei um Nachsicht. "Wir alle sind uns der Schwere der Entscheidung, die der Präsident treffen muss, bewusst", sagte der Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid.

Hinweise auf Manipulation verdichten sich
Gleichzeitig verdichten sind die Hinweise darauf, dass bei den Präsidentschaftswahlen in großem Stil manipuliert wurde. Wie die "Washington Post" unter Berufung auf ein UNO-Geheimpapier berichtete, beträgt die Differenz zwischen ausgezählten und tatsächlich abgegebenen Stimmen in mehreren Provinzen über 100.000. Besonders deutlich seien diese Unterschiede in einigen Provinzen, die von Amtsinhaber Hamid Karzai gewonnen worden seien, berichtete die Zeitung. Laut dem vorläufigen Ergebnis gewann Karzai die Wahl mit 54,6 Prozent der Stimmen; sein schärfster Herausforderer Abdullah Abdullah kam auf knapp 28 Prozent.
(apa/red)