Warum kam es zur Katastrophe? Tödliche Luft-Kollision hinterlässt viele offene Fragen

8 Tote in Zell am See: Heli-Pilot hat Flugzeug gesehen<br>Glück im Unglück: Teile schlugen neben Ski-Piste ein PLUS: alle <b>BILDER</b> der Tragödie und VIDEO!

Warum kam es zur Katastrophe? Tödliche Luft-Kollision hinterlässt viele offene Fragen

Beim Zusammenstoß eines Lastenhubschraubers mit einem Sportflugzeug sind auf der Schmittenhöhe bei Zell am See im Salzburger Pinzgau acht Menschen - fünf Schweizer, ein Deutscher, ein Franzose und ein Osttiroler - ums Leben gekommen. Die beiden Fluggeräte waren im Gebiet der Schoberalm direkt aufeinander zugeflogen und zusammengeprallt. Die Ursache für das Unglück ist weiterhin völlig unklar.

Der Pilot des zweisitzigen Leichtflugzeuges vom Typ Katana DV20 war vom Flugplatz Zell am See aus gestartet. Ziel des Fluges des Osttirolers war Lienz. Kurz darauf meldete sich der Pilot des Transporthelikopters der Marke Super Puma der Schweizer Firma Helog von Kaprun aus und gab an, dass er den Luftraum Richtung Norden queren wolle. Im Hubschrauber befanden sich neben dem Piloten noch sechs weitere Angehörige des Schweizer Unternehmens, die in Berchtesgaden eine Baustelle besichtigen sollten.

Menschliches Versagen vermutet
Der Gerichtssachverständige Christian Ortner vermutet menschliches Versagen als Ursache. "Es sieht einmal eher nicht nach einer technischen Ursache, sondern nach einer mangelhaften Wahrnehmung der beiden Piloten wechselseitig aus", so Ortner im ORF-Radio.

Es sehe so aus, als ob die Flugzeuge direkt, also fast auf Frontalkurs miteinander kollidiert seien, sagte der Sachverständige. "Es hat den Hubschrauber, also die Kabine des Hubschraubers in zwei Teile geteilt."

Ortner bestätigte, dass der Hubschrauberpilot gegenüber dem Flugplatz Zell am See bestätigt habe, dass er den Sportflieger in Sicht hätte. "Wir nehmen an, dass sie sich dann aus den Augen verloren haben, und dass es dann passiert ist".

Osttiroler stieg kurz vor Absturz aus Unglücksmaschine
Glück im Unglück hatte ein Osttiroler: Er hat die Unglücksmaschine kurz vor dem Absturz verlassen. Er war mit dem wenig später tödlich verunglückten Piloten von Osttirol nach Zell am See geflogen. Der stellvertretende Flughafenleiter des Flughafens Lienz/Nikolsdorf, Helmut Walder, sollte von dort eigentlich ein Flugzeug nach Lienz überstellen. Für den Rückflug war er allerdings zu geschockt. Er nahm das Auto.

"Feuerball" schreckte Skiurlauber auf
Vier deutsche Urlauber aus Dortmund sonnten sich gerade vor der Schoberalm in der Nähe der Areitbahn in Zell am See, als plötzlich vor ihren Augen ein großer Feuerball aufging. Ein Tourist des Quartetts konnte den aufsteigenden Rauch noch auf seinem Handy festhalten, ehe die Trümmer hinter den Bäumen verschwanden.

Beim Zusammenstoß war der Helikopter in Flammen aufgegangen und in zwei Teile gerissen worden. "Da war auch noch ein Riesenglück dabei, denn Wrackteile kamen nicht weit entfernt von der Seilbahn zu liegen", sagte der Einsatzleiter der Bergrettung, Ludwig Kranabetter.

Für die Insassen der beiden Flugzeuge gab es keine Chance. Die Wrackteile lagen auf einem 20 Hektar großen Areal verstreut, teilweise am Rande der Piste, zum Teil in sehr unwegsamem Gelände. Sechs der acht Toten wurden in der Nähe der Fahrgastzelle des Hubschraubers gefunden.

Die Einsatzkräfte hatten das Gebiet großräumig abgesperrt. Überall lagen lose Zetteln, etwa Teile des Bordhandbuches herum. Im Lauf des Nachmittages strömten dann auch mehr und mehr Journalisten in die Nähe der Absturzstelle.

Auch 70 Bundesheer-Soldaten kamen zu Hilfe
Mit Pistenraupen wurden immer wieder neue Hilfskräfte zum Unglücksort gebracht, in Summe standen etwa 230 Helfer im Einsatz. darunter auch 70 Bundesheer-Soldaten, die bei der Suche nach allfälligen weiteren Opfer, der Bergung der Wrackteile und der Absicherung der Unfallstelle halfen.

Kurzfristig gab es dann auch noch radioaktiven Alarm, weil der Hubschrauber mit einem Eiswarngerät ausgestattet war, der Behälter, in dem sich das radioaktive Material befand, hatte aber dem Absturz stand gehalten.

Nach wie vor Rätselraten über Ursache
Angaben über die Unglücksursache sind weiter bloß Spekulationen. Die Frage, ob möglicherweise einer der Piloten einen Herzanfall erlitten hatte, weil die Flugzeuge ohne Hinweis auf ein Ausweichmanöver aufeinander zugeflogen sein sollen, soll bei der Obduktion der Leichen der beiden Piloten geklärt werden.

Landeshauptfrau Gabi Burgstaller, die ebenfalls am Unglücksort war, sprach den Angehörigen der Toten ihre Anteilnahme aus. Und Bezirkshauptfrau Rosmarie Drexler hat unter der Nummer 0043/664/220 79 65 eine Hotline eingerichtet.

Leichen geborgen und nach Salzburg überstellt
Die Leichen der Verunfallten wurden geborgen und werden nun zur Identifizierung in die Gerichtsmedizin nach Salzburg überstellt. Zumindest bei den beiden Piloten wird auch eine Obduktion durchgeführt, um mögliche Hinweise auf die Unglücksursache zu erfahren.

Der Geschäftsführer der Schweizer Firma Helog, welcher der abgestürzte Hubschrauber gehörte, Engelhard Pargätzi, erläuterte, dass es sich um einen Überstellungsflug nach Berchtesgaden zu Aufräumungsarbeiten nach dem Sturm gehandelt habe. Die Firmenangehörigen, die sich im verunglückten Helikopter befunden haben, seien noch recht jung gewesen, und zwar im Alter von 22 bis 37 Jahren.

Pilot galt als außerordentlich erfahren
Der Pilot selbst sei außerordentlich erfahren und kompetent gewesen und konnte auf rund 3.500 Flugstunden verweisen. Er habe die Gegend auch sehr gut gekannt, vor allem, weil er nach dem Windwurf im Jahr 2002 dort viele Einsätze geflogen sei, sagte Pargätzi. Der Lastenhubschrauber vom Typ Super Puma AS 332 C1 gelte als sehr zuverlässig.

Der Leiter des Landeskriminalamtes Salzburg, Oberst Albert Struber, sagte, dass sich zum Zeitpunkt des Zusammenstoßes nur relativ wenige Menschen auf der Piste der Areitbahn in unmittelbarer Nähe der Absturzstelle befunden hätten.

Das Areal im Ausmaß von rund 20 Hektar, auf dem die Trümmer verstreut liegen, wurde abgesperrt und wird über die Nacht von Polizei und Bundesheer bewacht. Die kleineren Wrackteile wurden zum Teil bereits eingesammelt, die größeren mussten liegen bleiben, bis die Sachverständigen und Erhebungsbeamten die Arbeit am Unglücksort abgeschlossen haben.

(apa/red)