Warten auf Wrabetz: Bis 12 Uhr Mittag hat
SPÖ-naher Kandidat noch Zeit für Bewerbung

Würde Elmar Oberhauser zum Info-Direktor küren Kommt Zweikampf mit ORF-Chefin Monika Lindner?

Alle Karten auf den Tisch - heißt es heute im ORF. Punkt zwölf Uhr Mittag endet die Nachnominierungsfrist für die ORF-Wahl am 17. August. Damit beginnt die letzte Runde im Kampf um den Posten des ORF-Generaldirektors. Zuletzt deutete dabei alles auf einen Zweikampf zwischen der bürgerlichen ORF-Chefin Monika Lindner, die sich der Wiederwahl stellt, und dem SP-nahen Kaufmännischen ORF-Direktor Alexander Wrabetz hin. Dieser hat für Mittag eine Pressekonferenz angekündigt.

Stiftungsräte "basteln" demnach an einer "Patchwork-Koalition" für Wrabetz, die von SPÖ- und BZÖ-nahen sowie Grünen, Freiheitlichen und Unabhängigen Mitgliedern des Gremiums unterstützt werden könnte. Wrabetz stammt aus einer freiheitlichen Familie und gilt als SPÖ-nah. Die ÖVP bemüht sich unterdessen weiter um eine Mehrheit für ORF-Chefin Monika Lindner und wirbt für die bürgerliche Kandidatin ebenfalls um Stimmen quer durch die "Freundeskreise".

Wrabetz brächte Oberhauser als Informationsdirektor
Ein wichtiger Punkt für die Entscheidung der 35 Stiftungsräte ist dabei die Zusammensetzung der Direktorenteams. Informationen über mögliche Teamaufstellungen sickerten in den vergangenen Tagen durch. Auf dem Wrabetz-Ticket werden im Falle eines Antretens demnach derzeit folgende Namen gehandelt: ORF-Sportchef Elmar Oberhauser als Informationsdirektor, Programmdirektor Reinhard Scolik oder Programmplaner Wolfgang Lorenz (der bürgerliche Lorenz kandidiert ebenfalls für den Posten des Generaldirektors) als Programmdirektor, der Kärntner Landesdirektor Willy Mitsche als Hörfunkdirektor, der frühere Technische Direktor Peter Moosmann als Technikdirektor und ORF-ON-Chef Franz Manola als Onlinedirektor. Offen sei noch die Besetzung des Finanzdirektors. Bei Wrabetz soll es nicht zur Wiedereinführung des Generalsekretär kommen, heißt es.

Das kolportierte Team von Lindner: Der umstrittene ORF-Chefredakteur Werner Mück als Infodirektor, der frühere Ö3-Chef Bogdan Roscic oder Reinhard Scolik als Programmdirektor, ORF-NÖ-Chefredakteur Richard Grasl oder der burgenländische Landesintendant Karlheinz Papst als Hörfunkdirektor, Peter Moosmann als Technischer Direktor und Alexander Wrabetz oder - falls dieser tatsächlich für den ORF-Chef kandidiert - Flughafen Wien-Vorstand und ORF-Stiftungsrat Christian Domany als Kaufmännischer Direktor. Die bisherige Onlinedirektion würde Lindner ins Radio eingliedern. Als mögliche Generalsekretäre Lindners werden Richard Grasl oder die vor kurzem in den ORF zurückgekehrte Ex-News-Managerin Sissy Mayerhoffer genannt.

Unter Lorenz bliebe umstrittener Mück auf Posten
Bleibt noch das Direktorium von Wolfgang Lorenz, das folgendermaßen aussehen könnte: Werner Mück Informationsdirektor, Bogdan Roscic Programmdirektor, die Wiener ORF-Landesdirektorin Brigitte Wolf als Hörfunkdirektorin, der bisherige Technische Direktor Andreas Gall weiter in dieser Funktion und Alexander Wrabetz wie bisher als Finanzdirektor. Sissy Mayerhoffer gilt auch bei Lorenz als Anwärterin auf den Job des Generalsekretärs.

Monika Lindner und Wolfgang Lorenz gelten derzeit als die aussichtsreichsten Bewerber. Steigt Alexander Wrabetz ins Rennen ein, könnte sich in den nächsten Tagen bis zur Wahl ein spannender Dreikampf entwickeln.

Wrabetz zählte bis vor kurzem zu den Unterstützern von Lindner. Der Umstand, dass sie in ihrem Bewerbungskonzept dem Stiftungsrat unter dem Punkt "Zuständigkeitsverteilung" einen Kompetenz-Abzug aus der Kaufmännischen Direktion vorschlägt, könnte bei Wrabetz aber zu einem Umdenkprozess geführt haben, meinen ORF-Kenner. So sollen unter Lindner die bei der ORF-Enterprise angesiedelte ORF-Werbung sowie die Beteiligungsverwaltung nicht mehr zum Kaufmännischen Direktor ressortieren. Ein auf Buchhaltung und Controlling reduzierter Finanzdirektor wäre die Folge. Ein Wunsch der ÖVP, so die Lesart unter Stiftungsräten: Wenn Lindner schon den SP-nahen Wrabetz im Team wolle, dann soll er zumindest sein "Imperium" verlieren.

Wrabetz hätte nach Meinung etlicher Mitglieder des ORF-Aufsichtsgremiums gute Chancen gegen Lindner, seine Wahl wäre allerdings im Vorfeld der Nationalratswahl eine schwere Niederlage für die ÖVP. Umso mehr wirbt diese derzeit beim Noch-Koalitionspartner BZÖ um Unterstützung für Lindner. Im Raum stehe aber auch noch eine großkoalitionäre Lösung, bei der ÖVP und SPÖ für Lorenz als Generaldirektor stimmen könnten, wie es heißt.

Bisher neun Bewerber für ORF-Posten
Bis dato gibt es neun Bewerber für den Posten des ORF-Generaldirektors. Die Wahl erfolgt am 17. August in einer Sitzung des ORF-Stiftungsrats. Die ÖVP kann in dem nach parteipolitischen Machtverhältnissen besetzten Aufsichtsgremium auf 15 ihr nahe stehende Vertreter zählen, das BZÖ auf fünf, die SPÖ auf 11, Grüne und FPÖ haben je einen Vertreter, komplettiert wird die Runde durch zwei unabhängige Stiftungsräte. Für die Wahl zum ORF-Chef braucht es zumindest 18 Stimmen.

(apa/red)