"War ein maximal lauwarmer Wahlkampf":
Bilanz des "Schattenboxens" um die Hofburg

Politologe Poier zieht nüchternes Wahlkampf-Fazit "Schlafwagen" Fischer, "gebrandmarkte" Rosenkranz

 "War ein maximal lauwarmer Wahlkampf":
Bilanz des "Schattenboxens" um die Hofburg © Bild: APA/NEWS.at

Morgen, Sonntag, ist es so weit: Österreich schreitet zur Bundespräsidentenwahl. Vom Wahlkampf um das höchste Amt im Staat bleibt allerdings wenig Spektakuläres in Erinnerung: „Das war ein maximal lauwarmer Wahlkampf“, fällt der Politologe Klaus Poier im Gespräch mit NEWS.at ein nüchternes Urteil. Eine echte Wahlauseinandersetzung zwischen Amtsinhaber Fischer und seinen Mitbewerbern Rosenkranz und Gehring habe letzlich gar nicht stattgefunden. Stattdessen sah sich das Wahlvolk mit einem „Geplänkel“ um schwarze Weißwähler, das NS-Verbotsgesetz und christlich-fundamentale Ansichten konfrontiert, sagt Poier.

Vor allem sei aber die "Kandidatensituation" daran schald, dass dieser Präsidentschaftswahlkampf so unspektakulär über die Bühne gegangen ist. Fischer habe sich vom Thron des Amtsinhabers nur selten in die Tiefen des Wahlkampf-Hickhacks hinab begeben und die Konfrontation mit „zwei extremen Kandidaten“, nicht nur im TV, vornehm vermieden: „Dann wird’s natürlich fad“, meint der Assistenzprofessor an der Uni Graz, der Fischers Wahlkampf eher mit einem „Schlafwagen“, denn mit einem Schnellzug vergleicht. Auch Gehrings und Rosenkranz’ Versuche, den Bundespräsidenten aus der Reserve zu locken, war kein Erfolg beschieden. Eher interessiert hätten des Einen „orthodoxe Ansichten“ und der Anderen Haltung zum NS-Verbotsgesetz.

"Nazi-Brandmarkung" gleich zu Beginn
Die Debatte um das Verbotsgesetz habe Rosenkranz gleich zu Beginn des Wahlkampfs „gebrandmarkt“ und ihr nachhaltigen Schaden im Wahlkampf zugefügt. „Vielleicht wären ihre Ansichten und ihre Vergangenheit aber ohnedies thematisiert worden“, gibt der Experte zu bedenken. Eine wirkliche Gefahr für Heinz Fischer wäre sie aber auf keinen Fall geworden, auch nicht mit Unterstützung der „Kronen Zeitung“, glaubt Poier. Die Performance des christlich-fundamentalen Kandidaten Gehring sieht er zwiegespalten: Auf der einen Seite habe dieser zwar standhafte Positionen bewiesen, „aus dem orthodoxen Eck ist er allerdings nicht herausgekommen“. Das könnte ihm Stimmen aus dem ÖVP-Lager gekostet haben.

Präsidentenwahl riss nicht vom Hocker
Auch bei den verschiedenen Wahlwerbemaßnahmen von Fischer, Gehring und Rosenkranz ortet Poier „keine zündenden Ideen“. Interessant sei gewesen, dass das Thema „Werte“ auf den Wahlplakaten im Vordergrund gestanden sei – was genau die Kandidaten darunter verstanden haben, blieben sie jedoch schuldig. Dass die Zuseherzahlen für die zahlreichen TV-Sendungen rund um die Bundespräsidentenwahl nicht gerade berauschend waren, sei ein weiteres Indiz dafür, dass das Rennen um die Hofburg die Österreicher nicht wirklich vom Hocker gerissen hat, folgert der Wissenschafter.

Die Symbolkraft der Weißwähler
Angesichts des lauen Wahlkampfs und des schier sicheren Wahlausgangs – Poier prophezeit Fischer einen Zuspruch von „plus/minus 80 Prozent“ – sei es auch nicht weiter verwunderlich, dass viele ÖsterreicherInnen ungültig wählen oder gar nicht erst den Weg zur Wahlurne antreten. „Eine hohe Zahl an ungültigen Stimmen hätte durchaus eine gewisse Symbolkraft. Vor allem wäre es eine Abstrafung für die ÖVP, die keinen Kandidaten aufgestellt hat, aber gleichzeitig über mehrere führende Funktionäre das Weißwählen propagiert hat.“

Zudem könnte die „Hetzkampagne gegen Weißwähler“ im Wahlkampf-Endspurt eine „Jetzt erst recht“-Stimmung erzeugen. „Die Demokratie in Österreich wird deshalb aber nicht auseinanderbrechen“, wagt der Politologe einen Blick auf die Zeit nach der Wahl. Das präsidiale Schattenboxen, das sich Fischer, Gehring und Rosenkranz in den letzten Wochen geliefert haben, wird dann wahrscheinlich schon vergessen sein.

(jt)

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Kommentare

@sensor Vor lauter Eifer gegen den "braunen Sumpf" vorzugehen wird leider vergessen, dass der "rote Sumpf" (und damit meine ich jene Ideologien die eine DDR und andere Länder ruiniert haben) wesentlich gefährlicher ist. Die NS-Ideologie wird in Mitteleuropa (Gott sei Dank!) nie wieder ein ernstzunehmendes Potential erreichen. Linksradikale gelten hingen als salonfähig. Sogar Nationalratsabgeordnete haben keine Hemmungen bei radikalisierenden Kundgebungen, bei denen so manches Auto und so manches Haus beschädigt, wird teilzunehmen. Übrigens frage ich sie - wer verhält sich den ruhiger und gesitteter bei diversen Veranstaltungen? Zum Beispiel Burschenschafter die in einen Ballsaal einziehen oder die natürlich sofort anwesenden linke Gegendemonstranten?

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Linke Demonstranten Wenn ich mir die Bilder und Berichte von den Anti-Rosenkranz Demonstrationen der linken Anarchisten ansehe kann ich nur beten, dass diese Leute nie allzugroße Macht in Österreich bekommen. Unser Land würde genauso vor die Hunde gehen wie die seinerzeitige DDR.

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Re: Linke Demonstranten Die Demonstartionen gegen Rosenkranz waren gegen den noch immer vorhandenen braunen Sumpf in Österreich gerichtet.
Fundamentalismus auf welcher Seite immer, ist allerdings abzulehnen. Die DDR ist eine Folge des Nationalsozialismus:
Die von Hitler überfallenen Länder haben sich gewehrt und den von Nazi-Deutschland vom Zaun gebrochenen verbrecherischen Krieg letztlich gewonnen. Die Teilung Deutschlands war eine dieser Kriegsfolgen. Staatsverbrecher von Stalins Gnaden konnten dort schalten und walten, bis das Land ruiniert war.

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