"War ein echt tolles Gefühl": Prödl spielte beim Sensations-Sieg gegen Bayern durch

ÖFB-Kicker überzeugte als rechter Außenverteidiger Blicke der Bremer schon Richtung DFB-Cup gerichtet

"War ein echt tolles Gefühl": Prödl spielte beim Sensations-Sieg gegen Bayern durch © Bild: APA/EPA/Jaspersen

Österreichs Fußball-Teamspieler Sebastian Prödl wird den 20. September 2008 noch lange in Erinnerung behalten. Der 21-jährige Abwehrspieler war ein Teil jener Mannschaft von Werder Bremen, die Meister Bayern München in der Allianz-Arena mit 5:2 abgeschossen hat. "Es war geil, ein echt tolles Gefühl", sagte Prödl nach dem Triumph. Zeit zum Feiern gab es anschließend aber keine.

Für den ÖFB-Jungstar war es aber auch aus einem anderen Grund eine besondere Partie, kam er doch zum ersten Mal überhaupt auf der rechten Abwehrseite in einer Viererkette zum Einsatz. Und Prödl war auch erst durch den krankheitsbedingten Ausfall von DFB-Teamspieler Clemens Fritz in die Startformation gerückt. "Ich habe erst vor dem Mittagessen erfahren, dass ich rechts spielen werde", berichtete der Ex-Grazer. Und das ausgerechnet im Topspiel auswärts bei den Bayern. "Ich war sehr glücklich, dass ich in so einem Stadion, vor so einer Kulisse und tollen Atmosphäre spielen darf."

Innenverteidiger macht auf Außenbahn gute Figur
Mit der Umstellung auf die neue Position habe der gelernte Innenverteidiger keine gröberen Probleme gehabt, immerhin hatte er ja bereits im ÖFB-Team bei der EURO im Spiel gegen Kroatien (0:1) - damals allerdings in einer Dreierkette - auf der rechten Abwehrseite gespielt. "Das ist zumindest ähnlich", wies Prödl hin. Mit seiner eigenen Leistung war der 21-Jährige zufrieden, Lob bekam er auch von Deutschlands Ex-Teamstürmer Fredi Bobic, der auf ATV positiv anmerkte: "Sebastian hat eine gute Partie über rechts gemacht, den Sieg kann er sich ins Album heften."

Seine Zukunft sieht Prödl aber trotz durchaus ansprechender Leistung ganz klar in der Innenverteidigung, auch wenn dort derzeit mit DFB-Teamspieler Per Mertesacker und dem Brasilianer Naldo zwei wohl übermächtige Spieler in der Bremer-Rangordnung vor ihm stehen. "Wenn der Trainer andere Stärken bei mir sieht oder mich woanders braucht, erfülle ich die Aufgaben natürlich gerne. Grundsätzlich bin ich aber schon Innenverteidiger, das ist meine Stammposition", erklärte Prödl.

Kein Problem mit drohender Rolle als "Joker"
Mit seiner Rolle als "Joker", die ihm in Zukunft öfter drohen könnte, hat der 15-fache Teamspieler kein Problem. "Es gibt als 21-jähriger Österreicher härtere Bankerl zu drücken, als jene in Bremen", betonte Prödl. Langfristig gesehen soll es aber schon mit einem Stammplatz klappen. "Ich gebe mich mit meiner Rolle als Nummer-3-Innenverteidiger nicht zufrieden, mache mir aber gleichzeitig auch keinen Druck", sagte der 1,94 m große Abwehrspieler.

Im Match bei den Bayern hatten die Bremer endlich auch wieder an vorderster Front vollauf überzeugt - im Gegensatz zum enttäuschenden 0:0 gegen Anorthosis Famagusta zum Auftakt der Champions-League-Gruppenphase, das Prödl nur von der Bank aus mitverfolgen durfte. "Wir haben eine hervorragende Leistung geboten. Unser Spiel und unsere gute Einstellung wurden belohnt. Der Sieg war auch in dieser Höhe verdient", jubelte Prödl. Chefcoach Thomas Schaaf hatte den Vizemeister gut auf die Klinsmann-Truppe eingestellt. "Wir haben den Fokus aber vor allem auf unser Offensivspiel gelegt", sagte Prödl und fügte hinzu: "So einen Sieg hätte sich niemand erwartet. Heute haben wir sehr gut bewiesen, dass wir ein Team sind."

Vorbereitungen für DFB-Cup
Nach der Partie blieb keine Zeit, um den historischen Erfolg etwa auf dem Münchner Oktoberfest zu feiern ("Die Sektkorken haben nicht geknallt"), der Blick der Bremer, die unmittelbar nach der Partie wieder in die Heimat reisten, ist bereits auf die nächsten "schwierigen" Aufgaben gerichtet. Schon am Dienstag gastieren Prödl und Co. in der zweiten Runde des DFB-Cups beim Drittligisten Erzgebirge Aue.

Am Samstag steigt schließlich das große "Österreicherduell" mit dem starken Aufsteiger 1899 Hoffenheim (Ramazan Öczan und Andreas Ibertsberger) im Weser-Stadion. Danach warten mit Inter Mailand (Champions League/1. Oktober/"Der härteste Brocken, aber wenn wir auf unsere Qualitäten schauen ist alles möglich") und Stuttgart (Meisterschaft/4. Oktober) zwei schwierige Auswärtsreisen auf die Bremer. "Wir dürfen uns jetzt nicht auf den Lorbeeren ausruhen, müssen versuchen in den nächsten Spielen an die Leistung anzuknüpfen", ist sich der zweifache ÖFB-Teamtorschütze bewusst.

Harnik bisher nur mit Kurzeinsatz
Für Prödl begann die Saison jedenfalls nach Wunsch: In den fünf Meisterschaftsspielen stand er begünstigt durch die Verletzung von Mertesacker viermal in der Anfangself und wurde nur einmal (bei der 2:3-Niederlage in Gladbach in der 70. Minute) ausgetauscht. Einzig den 3:0-Heimsieg gegen Cottbus musste er von der Bank aus verfolgen. Auch im nationalen Cup war er beim Erstrunden-9:3-Sieg gegen Nordhorn in der Innenverteidigung zum Zug gekommen. Ganz anders sieht die Situation derzeit für den zweiten Österreicher im Werder-Dress aus, Offensivspieler Martin Harnik brachte es bisher nur auf einen Kurzeinsatz beim Auswärtsspiel in Gladbach (70. Minute für Prödl), stand aber immerhin bei allen Meisterschaftsspielen zumindest im Kader.

(apa/red)