Walsh/May-Treanor klare Topfavoritinnen:
US-Beach-Volleyballerinnen kaum besiegbar

Experten rechnen mit erfolgreicher Titelverteidigung Bei Herren wollen Brasilianer zum 2. Mal Goldenes

Walsh/May-Treanor klare Topfavoritinnen:
US-Beach-Volleyballerinnen kaum besiegbar © Bild: Reuters/Barria

Das seit 1986 vom Volleyball-Weltverband FIVB als eigene Sportart anerkannte Beach-Volleyball steht ab Samstag bereits zum vierten Mal nach Atlanta 1996, Sydney 2000 und Athen 2004 auf dem olympischen Programm. Eindeutige Gold-Favoriten bei den Damen sind die US-Titelverteidigerinnen Kerri Walsh/Misty May-Treanor, bei den Herren scheint das Rennen um den obersten Podestplatz offener.

Walsh/May-Treanor spielen bereits die achte Saison miteinander und sehen das als eines ihrer Erfolgsgeheimnisse. "Diese Erfahrung hilft natürlich", meinte Walsh. "Und in diesen Jahren haben wir eine Menge gemeinsam durchgestanden. Oft wenn es eng wurde, haben wir dann doch noch gewonnen." Bei Olympia sind die Weltmeisterinnen von 2003, 2005 und 2007 noch ungeschlagen, sie haben in Athen ihre sieben Partien für sich entschieden.

Amerikanerinnen einstimmig zu Favoritinnen erklärt
Die Konkurrenz scheint schon vor Turnierbeginn zu resignieren und nur noch Silber und Bronze anzustreben. "Wir sollten uns alle zusammensetzen und austüfteln, wie man sie schlagen kann", meinte die Australierin Tamsin Barnett scherzhaft, aber mit einem ernsten Hintergrund. Die Griechin Vasiliki Karantasiou, Gegnerin des ÖVV-Duos Doris und Stefanie Schwaiger: "Walsh/May-Treanor - einen anderen Gold-Tipp wirst du nicht bekommen."

Alle neun bisher bei den Damen vergebenen olympische Beach-Volleyball-Medaillen gingen an Brasilien, die USA oder Australien, jedes dieser Länder holte einmal Gold. Am ehesten könnte diese Phalanx diesmal China durchbrechen. Die topgesetzten Tian Jia/Wang Jie und die auf Nummer vier gereihten Xue Chen/Zhang Xi haben das Zeug dazu, müssen aber dem Druck der Erwartungshaltung ihrer Landsleute standhalten.

Spiele ausverkauft
Die Turniere sind schon seit längerem ausverkauft, 12.200 Fans fasst das bisher größte Olympia-Stadion. Die Qualität des Chaoyang Parks am besten beurteilen kann die Australierin Natalie Cook, als einzige weibliche Athletin war sie bei allen vier bisherigen Auftritten im Zeichen der Fünf Ringe dabei. Das könnten 2020 auch die Schwaiger-Schwestern erreichen, diesmal sind sie aber das jüngste Team im Damen-Feld.

Pech hatte die Brasilianerin Juliana. Sie hatte sich im Juni beim Paris-Grand-Slam einen Kreuzbandriss zugezogen, wurde wieder fit, musste am Mittwoch in Peking aber endgültig w.o. geben. Sie wurde vom brasilianischen Verband zurückgezogen, nun spielt Ana Paula mit Larissa. Juliana/Larissa hatten heuer auf der World Tour zweimal triumphiert.

Brasilianer verteidigen Titel
Im Herren-Turnier sind die Brasilianer Ricardo/Emanuel Titelverteidiger. Auch der spanische Silber-Gewinner Pablo Herrera und der Athen-"Bronzene" Patrick Heuscher aus der Schweiz sind wieder dabei, allerdings jeweils mit anderen Partnern. Überhaupt sind gleich 58 aller 96 Aktiven Neulinge auf dem olympischen Parkett. So ja auch aus dem ÖVV-Lager die Schwaigers, Alexander Horst und Clemens Doppler.

"Druck fühle ich keinen", gab Emanuel am Mittwoch nach dem Training den Coolen. "Wir wissen, wie wir spielen müssen." Mit ihrem Triumph von Athen lösten sie die olympische US-Dominanz ab. Denn 1996 bzw. 2000 hatten die US-Duos Karch Kiraly/Kent Steffes bzw. Dain Blanton/Eric Fonoimoana den Titel geholt. Kiraly hatte 1984 und 1988 auch Hallen-Gold geholt, ist in Peking als TV-Kommentator mit von der Partie.

US-Weltmeister und chinesisches Duo die Herausforderer
Als ihre härtesten Rivalen schätzt das Brasilo-Duo die US-Weltmeister Todd Rogers/Phil Dalhausser und die chinesischen Lokalmatadore Xu Linyin/Wu Penggen ein. Emanuel/Ricardo spielt fast ebenso lange zusammen wie Walsh/May-Treanor, nämlich bereits die siebente Saison. Ricardo glaubt zudem im heißen Wetter einen Vorteil für sich und seinen Partner zu sehen: "Wir Brasilianer sind das doch gewöhnt. Ich jedenfalls mag die Hitze."

Erwähnenswert ist auch das Angola-Paar Morais Santos Abreu/Emanuel de Jesus Fernandes, sie sind 40 bzw. 41 Jahre alt. Unter den mit 1,85 m drei kleinsten männlichen Spielern ist dafür Horst, Doris Schwaiger ist mit 55 kg die Leichteste im Damen-Feld. Und neben dem Steirer Florian Gosch feiert mit Walsh noch eine Aktive während des Turniers Geburtstag. Die Turnier-Favoritin wird am Freitag nächster Woche (15. August) 30 Jahre alt.
(apa/red)