Walfänger und -schützer heillos zerstritten: Kein Ergebnis bei Diskussionen in Alaska

"Jäger" Japan findet Walfangverbot längst überholt Ausweitung des Schutzes gilt als äußerst unrealistisch

Nie zuvor in seinen 21 Jahren stand das weltweite Walfangverbot stärker auf der Kippe: In Anchorage stehen sich Befürworter und Gegner des Jagdverbots auf Meeressäuger in fast gleich starken Blöcken gegenüber. Zum Auftakt der 59. Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) waren die 76 Mitgliedsländer nach Angaben eines Greenpeace-Beobachters "heillos zerstritten".

Die Walfangnationen mit Japan an der Spitze behaupten, dass das 1986 eingeführte Jagdmoratorium wegen der - angeblich - regenerierten Walbestände überholt ist. Dagegen argumentieren die Walschützer, viele Großwalarten hätten sich noch lange nicht erholt und die illegale Jagd habe ihre Bestände in den vergangenen Jahren sogar noch weiter abgebaut.

Bei der letzten Konferenz 2006 in dem karibischen Inselstaat St. Kitts war es den Walfangnationen zum ersten Mal gelungen, ihre Gegner mit einer Stimme auszustechen. Allerdings erzielten sie nur die einfache Mehrheit. Um das Moratorium aufzuheben, das alle Quoten zum kommerziellen Fang offiziell auf Null setzt, ist aber eine Dreiviertelmehrheit notwendig.

In Anchorage hoffen die walschutzorientierten Europäer, ihre Stimmenmehrheit dank neuer Mitglieder wie Griechenland, Slowenien, Zypern und Kroatien wieder zurückzugewinnen. Dennoch gilt es als fast ausgeschlossen, dass die Walschützer lang angestrebte Ziele wie die Ausweitung der Konvention auf alle 80 Walarten - statt derzeit auf die 13 Großwalarten - durchsetzen können.

Vielmehr sei zu befürchten, dass die Walfänger die Fangquoten für die Inuits und Eskimos blockieren, sagt der Meeresbiologe Thilo Maack von Greenpeace. Diese Quoten werden alle fünf Jahre neu fest gelegt. Sie erlauben den Ureinwohnern an der Küste von Alaska und Kanada sowie Grönlands und Russlands, Wale nach der Tradition ihrer Vorfahren zum eigenen Verzehr zu fangen.

Japan, das bereits mehr als 1.000 Wale pro Jahr offiziell für "Forschungszwecke" tötet, dürfte in Alaska beantragen, einigen seiner Küstengemeinden die Waljagd nach alter Tradition ebenfalls zu erlauben.

(apa/red)