Waleks Wanderlust

Ö3-Mikromann Tom Walek packt sein Mikrofon wieder in den Rucksack - gemeinsam mit Prominenten geht's in die Berge. Der passionierte Sportler verrät, wer schnauft, wer schwitzt, wer bremst. Und nennt eine seiner Lieblingstouren

von Heimat - Waleks Wanderlust © Bild: News Reich Sebastian

Seine längste Wanderung war im Dezember 2010: der Wettlauf zum Südpol, 400 Kilometer gradaus im ewigen Eis. "Das war schon ein bissl anstrengend", gibt der zähe 45-Jährige schmunzelnd zu. "Dagegen ist jeder Ironman, den ich gemacht habe, der Jolly-Kindercup." Nun ruft der Berg! Tom Walek ist wieder auf Österreichs schönsten Wanderwegen unterwegs. Begleitet wird er dabei von bekannten Persönlichkeiten. Die Sendung "Walek wandert" wird am 6., 13., 20. und 27. August und am 3. September jeweils von neun bis elf Uhr, während der Sommerpause von "Frühstück bei mir", im Hitradio Ö3 zu hören sein. Am ersten Sonntag geht es für Walek mit Austropop-Legende Rainhard Fendrich hoch hinaus. Davor gibt der zweifache Vater einen Einblick in vergangene Wandertage, inklusive kleiner Schlappen und großer Erkenntnisse.

Die erste Ausgabe von "Walek wandert" gab's im Sommer 2015 ...
Der erste Gast war Thomas Muster, die ehemalige Tennis-Nummer-eins. Wir haben uns ausgemacht, dass wir auf den Schöckl, den Hausberg der Grazer hinaufgehen. Treffpunkt war um 8:30 Uhr. Dann krieg ich einen Anruf. "Du, ich komm später. Ich hab grad das Auto zammg'haut." Ich: "Wie bitte?" Ja, er ist mit der Bodenplatte hängengeblieben, und ich soll ihn doch bitte holen. So hat die Wanderung begonnen.

Welche Wanderungen sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Letzten Sommer hat sich Gerhard Berger für unser Treffen sehr gut vorbereitet. Mit ihm bin ich durch das Kaisertal in Tirol marschiert. Den halben Weg ist er auch schon einmal mit seiner Familie gegangen. Er hat von der ersten bis zur letzten Hütte alles gewusst, jeden Weg gekannt und hat sich für unsere lange Runde den ganzen Tag Zeit genommen. Dem Gerhard hat unsere Hatscherei g'fallen.

»Die Luft ist mehreren ausgegangen, zum Beispiel Thomas Muster«

Ist schon einmal einem Promi die Luft ausgegangen?
Einem war sehr wichtig, dass er beim Gehen nicht total außer Atem ist: Der ehemalige Bundespräsident Heinz Fischer hat gesagt, er will im Radio nicht schnaufen. Deswegen sind wir einen Rundwanderweg in der Steiermark unweit seiner Sommerresidenz gegangen. Aber ja, die Luft ist doch mehreren ausgegangen, zum Beispiel Thomas Muster. Aber nur, weil er den Berg raufgelaufen ist wie ein Verrückter. Ich hab einmal angemerkt, dass das kein Wettrennen ist, sondern wir uns dabei unterhalten sollen. Dann meinte er, dass das wie eine Trainingseinheit für ihn sei. Den Muster musste ich öfters bremsen. Das war für ihn offenbar wie am Tennisplatz - er kriegt wenig Luft und aus. Das stört ihn gar nicht.

Wer gehört zu den Musterschülern auf dem Berg?
Am besten ausgerüstet war sicher Heinz Fischer. Er hatte Bergschuhe an, da hat man gesehen, die haben nicht erst einen Sommer hinter sich.

Dann sind sie wenigstens ausgelatscht und bequem.
Robert Palfrader hingegen hat sich als Wanderer verkleidet. Das hat er selbst gesagt. Wir sind einen Rundwanderweg gegangen, weil er meinte, mehr schafft er nicht. Wir haben grad einmal den Forstweg verlassen, da hat er schon geschwitzt.

Wer ist konditionsmäßig gut beieinander?
Tobias Moretti. Der ist ein Freak und macht viele Skitouren, oft und gern. Der weiß, wo er geht, und kennt sich da aus. Er liebt Tirol über alles und hat einen totalen Bezug zu der Gegend gehabt, wo wir gegangen sind. Tobias war bestimmt nicht das erste Mal da oben. Babsi Schett, die das halbe Jahr in Australien lebt, war auch total verliebt in Österreich und hat sich sehr gut am Berg ausgekannt. Bei unserer Wanderung hat's etwas geregnet, da meinte sie gleich "Mah, wie guat's do riacht!"

»Marcel Hirscher hat sich unterzuckert meinen Müsliriegel geschnorrt«

Ans Ziel oder auf eine Hütte haben Ihre Wanderpartner immer gefunden?
Marcel Hirscher hat sich gegen Ende der Wanderung einmal kurz vergangen, obwohl das sein Hausberg war. Aufgetaucht ist er mit Turnschuhen. Und nach der Halbzeit hat er sich meinen Müsliriegel geschnorrt, weil er nichts zu essen mithatte und unterzuckert war. Ich hab ihn gefragt: "Marcel, wie hast du dich eigentlich auf das vorbereitet?" Da meinte er: "Na, ich hab gedacht, wir sind in zwei Stunden oben." Hinunter sind wir dann über ein Geröllfeld gelaufen. Da hat er, glaub ich, gemerkt, dass das in den Turnschuhen für seine Knöchel nicht so angenehm war. Aber er ist zügig gelaufen - durchs Geröllfeld!

Ist bei Ihren privaten Wanderungen schon einmal etwas schiefgegangen?
Ich bin einmal mit einem Freund und einer damaligen Freundin von mir auf den Berg, und wir haben sie in einem brusthohen Latschenfeld, wo es nebelig geworden ist, verloren. Das war gar nicht lustig, obwohl sie eh die Berge kannte. Da wird einem erst bewusst, wie schnell das gehen kann, dass das Wetter umschlägt.

Die Dos and Don'ts auf dem Berg: Was ist zu beachten?
Wetter. Wetter. Wetter. Genau schauen, wie es angesagt ist, und auch Ortskundige fragen. Nie vergessen, wenn man auf den Gipfel hetzt, dass man kräftetechnisch auch wieder runter muss. Oben sein ist nur die halbe Miete. Oben ist man noch nicht da. Die Ausrüstung - vor allem die richtigen Schuhe sind wichtig. Und man muss sich kennen, damit man weiß, wie viel Proviant und ob man eine Kopfbedeckung benötigt. Wenn einem den ganzen Tag die Sonne auf den Schädel brennt, ist das wahrscheinlich unangenehm.

Was ist auf 2.000 Meter anders?
Es ist kein Wirbel. Es ist ruhig, und es gibt idealerweise keinen Handy-Empfang. Es ist ein Rauskommen aus der Zivilisation. Das Schöne ist, wenn die Wege schwieriger werden, sind es auch weniger Menschen, die sie gehen. Obendrauf gibt es noch einen schönen Ausblick.

Verraten Sie eine Ihrer Lieblingsrouten?
Zum Beispiel auf den Angerstein. Das ist eine Supertour, weil man variabel starten kann, die ich mit Marcel gegangen bin. Zuerst geht's durch den Wald oder etwas direkter - also gemütlich mit der Familie oder sportlich ambitioniert. Dann kann man auf der Stuhlalm Rast machen, die Marcels Eltern bewirtschaftet haben und wo Marcel einen Teil seiner Kindheit verbracht hat. Von der Hütte kann man auf den Angerstein ganz hinauf, der ist 2.100 Meter hoch. Man hat dort einen schönen Blick auf die Bischofsmütze, Richtung Annaberg und Richtung Lammertal und auf den Vorderen Gosausee in Oberösterreich. Zum Abschluss kann man im felsigen Bereich auch noch ein bissl kraxeln. Ohne Hüttenaufenthalt braucht man ca. vier Stunden. Ich empfehle auf jeden Fall geschlossene, knöchelhohe Schuhe, weil das Geröll, das hinunterfällt, könnte sonst ein leichtes Peeling auf den Knöcheln hinterlassen.

Haben Sie einen Wandertipp aus Ihrer Kindheit?
Ja, die Frauenmauerhöhle im Hochschwab-Gebiet. Da kann man im Eingang dieser Höhle übernachten. Das war mit 13 Jahren natürlich megaaufregend und spooky. Da empfiehlt es sich, entweder in die Höhle abzusteigen oder eine wunderschöne Route über den Hochschwab zu gehen.

Was macht für Sie die Faszination Berg aus?
Mir gefällt, dass man da auf sich gestellt ist und nicht der Safety-Gedanke alles beherrscht. Man darf selbst denken. Und eine traumhafte Gegend genießen.