Walchhofer zwingt die Stelvio in die Knie:
ÖSV-Star gewinnt den Abfahrtshit in Bormio

Zurbriggen und Innerhofer landen auf den Plätzen Baumann wird 10., Kröll & Scheiber ausgeschieden

Walchhofer zwingt die Stelvio in die Knie:
ÖSV-Star gewinnt den Abfahrtshit in Bormio

Michael Walchhofer befindet sich auf seiner Abschiedstour im alpinen Ski-Weltcup weiter in absoluter Topform. Der 35-jährige Salzburger triumphierte in der Abfahrt in Bormio knapp vor dem Schweizer Silvan Zurbriggen und feierte damit bereits seinen dritten Saisonsieg nach der Abfahrt in Lake Louise und dem Super-G in Gröden. Dritter wurde der Südtiroler Christof Innerhofer.

"Gerade da zu gewinnen, ist schon ein Traum. Diese Strecke gilt als eine der technischsten Abfahrten, wenn nicht sogar als die technischste. Für mich als Gleiter ist es genial, da dreimal gewonnen zu haben", betonte Walchhofer, der zum Jahresausklang 2006 gleich zweimal auf der berühmt-berüchtigten "Stelvio"-Eispiste triumphiert hatte. "Es ist vielleicht schon der Elan, es zum Abschluss noch einmal allen zeigen zu wollen. Ich habe aber auch etwas beim Material probiert und die richtige Entscheidung getroffen, die Ski waren perfekt."

Unmittelbar nach seiner Fahrt war der Hotelier aus Zauchensee jedoch ein wenig überrascht gewesen, dass der Einser hinter seiner Zeit auf der Anzeigetafel aufgeschienen war. "Ich konnte es anfänglich gar nicht ganz glauben. Die Kraft war nicht das Problem, aber es hat mir der letzte Biss gefehlt. Ich konnte mich nicht zu hundert Prozent überwinden, weil es für mich wichtig war, auch sicher hier herunterzukommen. Vor allem im Zielhang war ich mit den Gedanken nicht so bei der Sache, das wirkt sich gleich aus", gestand der mit 35 Jahren und acht Monaten älteste Sieger einer Weltcup-Abfahrt.

Kröll und Scheiber scheiden aus
Die ÖSV-Mitfavoriten Klaus Kröll und Mario Scheiber, die im Abschlusstraining vorangelegen waren, schieden aus. Vor allem Scheiber ärgerte sich, weil er ohne Torfehler wohl endlich seinen langersehnten ersten Weltcupsieg gefeiert hätte. Walchhofer fühlte deshalb trotz des Rummels um seinen 18. Weltcupsieg, dem 13. in der Königsdisziplin, mit Scheiber mit: "Ich hätte es dem 'Scheibsl' brutal vergönnt, doch blöderweise hat er vor dem Ziel einen Fehler gehabt."

"'Vollschas'" lautete der erste Kommentar des schwer enttäuschten Osttirolers. "Ich habe alles probiert, ein super Gefühl gehabt und gewusst, dass ich sehr schnell unterwegs war. Aber im Finish ist mir ein bisschen die Kraft ausgegangen. Ich bin deshalb unten zu gerade gewesen und dann auch noch kurz hinten drauf gesessen. Deshalb hatte ich keine Chance mehr gehabt, dass ich das Tor noch erwische", schilderte Scheiber den entscheidenden Moment, der ihn seinen Debüterfolg gekostet hatte.

Kröll kam auf dem Weg zu einem Spitzenplatz dagegen nach einem Fahrfehler zu Sturz. Sein "Bauchfleck" erinnerte an jenen von Hans Grugger im Jahr 2005. Der Steirer kam aber im Gegensatz zu seinem Salzburger Teamkollegen, der diesmal 19. wurde, ohne schwerere Verletzung davon. "Mir tun nur die Knie und Adduktoren weh", erklärte Kröll mit blutigem Gesicht im Zielraum der 3.270 m langen Stelvio.

Trotz dieser Ausfälle landete neben Triumphator Walchhofer mit Georg Streitberger als Fünftem noch ein weiterer Österreicher im Spitzenfeld. "Ich bin voll zufrieden heute mit dem Ergebnis. Im Training bin ich ja nicht so ins Fahren gekommen. Doch heute habe ich alles riskiert, nur am Ende ist mir etwas die Kraft ausgegangen. Deshalb war die Landung beim letzten Sprung nicht optimal, aber da war ich Gott sei Dank fast schon im Ziel", erklärte der Salzburger.

Zurbriggen führt im Gesamtweltcup
Im Gesamtweltcup führt nun Zurbriggen mit 395 Punkten einen Zähler vor Walchhofer. "Ich hätte nie im Leben gedacht, das ich hier Zweiter werden könnte", gab der Schweizer zu Protokoll. Zu seiner angeblichen "Sex-Affäre" im Hotel in Lake Louise wollte Zurbriggen nur noch einen Satz sagen: "Ich hoffe, dass das jetzt nach meinem Communique vorbei ist. Denn so eine Situation ist schon sehr schwierig, wenn man sich auf so ein anspruchsvolles Rennen wir hier voll konzentrieren muss."

(apa/red)