Walchhofer & Co. wollen es endlich wissen: Doppelte Chance für ÖSV-Abfahrer in Bormio

Vereiste, verkürzte Maschinenschnee-Waschrumpel Fahren unsere Ski-Stars den ersten Sieg nach Hause?

Die anspruchsvolle Stelvio-Piste in Bormio ist der Schauplatz, auf dem Österreichs Ski-Herren vor dem Jahreswechsel aus der seit 28. Jänner dauernden Abfahrts-Sieglosigkeit fahren können. Heute und am Freitag (jeweils 11.45 Uhr LIVE auf NETWORLD.at) stehen auf der WM-Strecke von 2005 zwei - etwas verkürzte - Weltcup-Abfahrten auf dem Programm, die erste ist Ersatz für Val d'Isere. Inklusive Olympia sind Österreichs Speed-Herren seit bereits fünf Abfahrten und insgesamt zehn Speed-Rennen sieglos.

Die Schneelosigkeit in Mitteleuropa hat auch im Valtellina seine Spuren hinterlassen. Nur dank der 90 Helfer und der zahlreichen Schneekanonen konnte die Abfahrt rennfertig gemacht werden. Aber selbst 200.000 Kubikmeter Maschinenschnee waren letztlich wegen des wärmsten Herbstes seit rund 530 Jahren in dieser Region nicht genug. Zwei Schlüsselstellen - die Traverse vor dem St.-Peters-Sprung sowie drei Kurven vor dem Ziel - mussten mit Wasser vereist werden. Gefahren wird vom Reservestart und damit auf leicht verkürzter Strecke, auf der aber jede Bodenwelle durchkommt.

Die Hoffnung, dass Österreichs Herren auf der eisigen "Waschrumpel" von Bormio auf die Siegerstraße zurückfinden - letzter ÖSV-Abfahrtssieger war Hermann Maier am 28. Jänner 2006 in Garmisch - sind groß. "Wenn es schwierig ist, ist es uns nur recht", sagt etwa Abfahrts-Coach Walter Hubmann, der von speziellen Problemen nichts wissen will. "Die Teilzeiten beweisen, dass wir dabei sind. Wir müssen es nur einmal von oben bis unten zusammenkriegen."

Giger: "Sind in allen Disziplinen schnell"
Auch Cheftrainer Toni Giger hat bei den Analysen über Weihnachten nur eine neue Erkenntnis bezüglich seiner seit insgesamt 13 Rennen sieglosen Herren gewonnen. "Wir sind in allen Disziplinen schnell. Wir sollten allerdings von der Linie her nicht so viel riskieren, sondern eher auf das vertrauen, was wir können", bezog sich Giger speziell auf Routinier Michael Walchhofer, der zuletzt immer wieder bemerkenswerte Probleme hatte.

Während Romed Baumann Bormio auslässt, ist Doppel-Olympiasieger Benjamin Raich wieder dabei. Der nach 14 Rennen nur auf Platz sieben liegende Weltcup-Titelverteidiger hatte zuletzt die Abfahrt in Gröden ausgelassen, um sein Technik-Training zu forcieren. Giger: "Das passt jetzt. Er ist in Slalom und Riesentorlauf superschnell unterwegs, jetzt gibt es wieder im Speed-Bereich was zu arbeiten."

Neue Zeiten im Skizirkus
Dass neue Zeiten angebrochen sind, wollte aber auch Giger nicht verhehlen. "Die Konkurrenz kommt mit gestärktem Rücken nach Bormio. Bode Miller, Didier Cuche, Marco Büchel, sie alle werden wieder sehr stark sein. Die Zeiten, als wir in Bormio Drei- und Vierfachsiege gefeiert haben, sind Geschichte. Das waren historische Ergebnisse, jetzt haben wir eine neue Ausgangsposition." Die Verkürzung stört Giger nicht: "Bormio ist immer super anspruchsvoll."

Zwei Läufer kommen mit besonderen Erinnerungen nach Bormio. Weltcup-Leader Millers "Einskifahrt" bei der WM ist immer noch in bester Erinnerung. Hans Grugger kehrt hingegen auf die Strecke zurück, auf der er im Vorjahr bei seinem fürchterlichen Sturz und der Hüftluxation seine Olympia-Hoffnungen begraben musste.

Der Salzburger hat sich gezielt wieder herangetastet, hat speziell wegen des Bormio-Sturzes viele Geradaus-Fahrten in hohem Tempo absolviert. "Aber das ist nur ein Teil. Man darf auch die mentale Vorbereitung auf so etwas nicht vergessen, denn so einen Sturz kann man nicht einfach abhaken", weiß Giger. "Für den Hans wird Bormio sicher eine spezielle Herausforderung."

ÖSV-Mannschaft für die 2 Weltcup-Abfahrten in Bormio:
Andreas Buder, Christoph Gruber, Hans Grugger, Klaus Kröll, Hermann Maier, Benjamin Raich, Mario Scheiber, Georg Streitberger, Fritz Strobl, Michael Walchhofer.
Ersatz: Norbert Holzknecht, Thomas Graggaber

(apa)