Walchhofer gewinnt den Abfahrts-Klassiker
in Gröden: Maier erneut schwer geschlagen

Zweiter Saisonsieg für "Walchi" in der dritten Abfahrt Rest des österreichischen Herren-Teams weit zurück

Walchhofer gewinnt den Abfahrts-Klassiker
in Gröden: Maier erneut schwer geschlagen

Michael Walchhofer hat sich endlich seinen Traum vom ersten Abfahrtssieg in Gröden erfüllt. Nach vier zweiten Plätzen beim Klassiker auf der Saslong schlug der 32-jährige Salzburger diesmal voll zu und feierte seinen 13. Weltcup-Triumph. Walchhofer gewann vor dem Schweizer Didier Cuche, der zuvor den Super-G in Gröden gewonnen hatte, und dem US-amerikanischen Überraschungsmann Scott Macartney.

"Bei der Einfahrt zur Ciaslat musste ich sogar bremsen, sonst wäre es sich nicht mehr ausgegangen", berichtete der Abfahrts-Weltmeister 2003 über seinen Husarenritt knapp am Limit. "Walchhofer hat voll riskiert, das war eine sensationelle Fahrt", meinte Alpinchef Hans Pum. Und ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel erklärte zufrieden grinsend: "Damit ist uns die Revanche für Freitag gelungen, jetzt steht es 4:4."

Gemeint ist damit das neu entflammte Duell der Ski-Erzrivalen Österreich und Schweiz, beide Herren-Teams halten nun bei vier Saisonerfolgen. Zwei davon gehen auf das Konto von Walchhofer, der am 30. November auch in Beaver Creek siegreich gewesen war. Walchhofer, Abfahrts-Weltcup-Sieger 2005 und 2006, hat damit nicht nur seine Führung im Abfahrts-Weltcup ausgebaut, sondern auch seine Klassiker-Sammlung komplettiert.

"Habe Druck schon gespürt"
"Ich habe den Druck schon gespürt. Mir war bewusst, wie wichtig der Sieg bei diesem Klassiker für mich ist", gestand Walchhofer, der zuvor bereits die Abfahrts-Klassiker in Kitzbühel, Wengen, Garmisch, Val d'Isere und Bormio gewonnen hatte. "Ich habe hart für diesen Sieg gekämpft und freue mich jetzt sehr", so Walchhofer weiter.

Beim neuerlichen Versuch den Gröden-Fluch zu besiegen, vertraute Walchhofer auf seine Atomic-Latten vom ersten Training am Mittwoch. In diesem Training hatte der Salzburger die Konkurrenz geschockt und gleich 1,33 Sekunden Vorsprung herausgefahren. "Der Ski war wahnsinnig schnell", bedankte sich "Walchi" bei seinen Serviceleuten. Dass während der Fahrt Walchhofers der Queen-Titel "I want it all" aus den Lautsprechern dröhnte, passte nur zu gut zur Leistung des Hoteliers aus Zauchensee.

Kröll zeigt auf
Eine beachtliche Leistung zeigte auch Klaus Kröll, der trotz Krankheit Neunter und damit zweitbester Österreicher wurde. Seit zwei Tagen hatte der Steirer mit einer Magengrippe zu kämpfen, hinzu kam starker Husten. "Als ich mir am Start die Schuhe zugemacht habe, ist mir die Luft weggeblieben. Ich dachte, dass ich es niemals bis ins Ziel schaffe", berichtete Kröll über sein schwieriges Rennen, über das er sich dann aber freuen durfte: "Endlich ein brauchbares Ergebnis."

Zufrieden durfte auch Andreas Buder als Zehnter sein, doch der Niederösterreicher merkte an: "Um hier ganz vorne zu sein, muss man sehr viel Selbstvertrauen haben. Und dieser Schub Selbstvertrauen fehlte mir in der Ciaslat. Ich hätte noch mehr Dampf machen können." Die Punkte für den Weltcup sah Buder als "schönes Weihnachtsgeschenk".

Enttäuschung für Maier
Für Hermann Maier, der trotz 53 Weltcup-Erfolgen noch nie in Gröden gewonnen hat, verlief die Abfahrt enttäuschend - Rang 23. "Es war das erwartet schwierige Rennen", meinte der Salzburger, der vor allem im oberen Teil viel Zeit verlor. "Es war irgendwie eigenartig, weil ich im Training voll dabei war. Aber hier in Gröden muss einfach sehr viel zusammenpassen, damit man schnell ist." So wie bei Walchhofer, über dessen Sieg Maier alles andere als überrascht war: "Er war der ganz große Favorit für dieses Rennen."

Steven Nymans Versuch der Titelverteidigung dauerte nicht einmal fünf Sekunden und wurde zur Lachnummer. Der US-Boy, 2006 Überraschungssieger der Abfahrt, katapultierte sich aus dem Starthaus, stieg sich jedoch auf die Ski und landete mit dem Bauch im Schnee.

Endergebnis
1. Michael Walchhofer AUT 1:56,70
2. Didier Cuche SUI +0,18
3. Scott Macartney USA +0,56
4. Erik Guay CAN +0,84
5. Ambrosi Hoffmann SUI +0,92
6. Manuel Osborne-Paradis CAN +0,97
7. Andrej Jerman SLO +1,13
8. Bode Miller USA +1,15
9. Klaus Kröll AUT +1,26
10. Andreas Buder AUT +1,28
11. Hans Olsson SWE +1,37
12. Didier Defago SUI +1,42
13. Christoph Gruber AUT +1,54
14. Kurt Sulzenbacher ITA +1,59
15. Marco Büchel LIE +1,90
16. Peter Fill ITA +1,92
17. Johannes Stehle GER +1,96
17. Werner Heel ITA +1,96
19. Beni Hofer SUI +1,99
20. Guillermo Fayed FRA +2,02
21. Pierre-Emmanuel Dalcin FRA +2,07
22. Adrien Theaux FRA +2,11
23. Hermann Maier AUT +2,12
24. Mario Scheiber AUT +2,19
25. Andreas Strodl GER +2,29
26. Konrad Hari SUI +2,37
27. Craig Branch AUS +2,46
28. Tobias Grünenfelder SUI +2,48
29. Johan Clarey FRA +2,58
30. Stephan Keppler GER +2,60

(apa/red)