Wahre Liebe im Weißen Haus: Hillary hegte
nie Zweifel an Bills tiefer Zuneigung zu ihr

"Eiserne Lady" plaudert in Talk-Show über Lewisnky Liefert sich mit Barack Obama bittersten Wahlkampf

Wahre Liebe im Weißen Haus: Hillary hegte
nie Zweifel an Bills tiefer Zuneigung zu ihr © Bild: REUTERS/Snyder

Zehn Jahre nach der Lewinsky-Affäre hat sich die damalige First Lady und jetzige US-Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton zur damaligen Eskapade ihres Mannes geäußert. "Ich habe niemals Bills Liebe zu mir angezweifelt", sagte die 60-Jährige in der Fernsehsendung "Tyra Banks Show". Sie habe auch niemals ihren Glauben und ihre Verantwortung gegenüber Tochter Chelsea "und unserer Großfamilie in Zweifel gezogen".

Aber wütend sei sie zunächst gewesen, bekannte die betrogene Ehefrau von damals, die sich - zur Kritik vieler Geschlechtsgenossinnen - dennoch entschied, ihren Mann nicht zum Teufel zu jagen. Denn, so Hillary Clinton in der Talkshow: "In der Hitze des Augenblicks sollte man wirklich keine Entscheidung fällen."

Treue Liebe zur "Eisernen Lady"
Am 21. Jänner ist es exakt ein Jahrzehnt her, dass die breite Öffentlichkeit erstmals von der Sexaffäre im Oval Office und Meineid- Ermittlungen gegen ihren Präsidenten erfuhr - der Beginn einer Saga, die das Land 13 Monate lang in Atem hielt. Bisher hat die Affäre zur Erleichterung der Clintons im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur keine Rolle gespielt. Aber natürlich lassen sich die Medien das unrühmliche "Jubiläum" nicht kommentarlos entgehen, erst recht nicht auf dem Höhepunkt des Vorwahlkampfes mit einem Bill Clinton, der heute mit glühenden Worten für seine Ehefrau ficht, sie auf der offenen Bühne bewundernd anblickt, sie umarmt und küsst. So entschloss sich Hillary Clinton denn wohl in einer Art Vorwärtsstrategie, nach jahrelangem Schweigen selbst wieder über damals zu sprechen und, wie Analytiker prompt vermuteten, dabei einmal mehr zu zeigen, dass die "Eiserne Lady" auch Gefühle hat.

Hillary geht in eine Talkshow
So erfuhren die Fernsehzuschauer, dass Hillary im ersten Moment durchaus mit dem Gedanken gespielt hat, ihren Mann in die Wüste zu schicken. Sie habe wirklich lange und hart nachdenken müssen, was richtig für sie selbst und für die Familie gewesen sei, schilderte sie in der Talkshow. Im ersten Augenblick sei man wirklich wütend, wirklich aufgebracht, "man ist enttäuscht - all das geht einem durch den Kopf". Kritikern, die ihr es immer noch übel nehmen, dass sie bei Bill blieb, hielt die Ex-First Lady entgegen, man müsse sich selbst treubleiben. "Du musst tun, was für Dich selbst richtig ist, und das mag nicht das sein, was all die anderen glauben."

Ist es richtig, dass Bill Clinton in diesem Wahlkampf so stark für seine Frau in den Ring steigt, ist seine Unterstützung möglicherweise eher ein Nachteil als ein Gewinn - diese Frage beschäftigt unterdessen die Medien und auch demokratische Wahlkampfstrategen selbst. Nicht nur wegen der Lewinsky-Affäre und anderer "Schlachten der Vergangenheit", wie es beispielsweise die "Washington Post" am Freitag formulierte. Sie weist darauf hin, dass Clinton zumindest anfangs in seinen Wahlkampfreden seine eigenen Erfolge stärker herausgestellt habe als die seiner Frau. Und wiederholt gab er auch eine Kostprobe seiner berüchtigten Temperamentsausbrüche - so im Umgang mit Journalisten, die es wagten, ihn und seine Frau direkt zu kritisieren.

Bills "First Lady" krebst um Barack
Hillary Clinton selbst sei im Wahlkampf deutlich bemüht, sich aus den Clinton-Zeiten im Weißen Haus die Erfolge wie die Schaffung von Millionen Arbeitsplätzen mit an die Fahne zu heften, stellt die "Washington Post" fest. Dagegen distanziere sie sich von unpopulären Entscheidungen wie der Schaffung der Nordamerikanischen Freihandelszone. "Hillary Clinton krebst weiterhin unter der Wolke ihres Ehemannes" stellte dazu die Zeitung "Reno Gazette-Journal" vor der Kandidatenkür am Samstag in Nevada fest und sprach sich für ihren Rivalen Barack Obama aus.

Der zitierte Gatte machte unterdessen Wahlkampf für seine Frau in Kalifornien. Er wolle von ganzem Herzen dazu beitragen, dass seine Frau die Chance erhalte, die ihm selbst gegeben worden sei, zitieren Medien Freunde der Clintons. Das beileibe nicht aus Schuldgefühl wegen der Lewinsky-Affäre oder als Wiedergutmachung: Bill sei einfach fest davon überzeugt, dass Hillary für den Job am besten sei. (APA/red)