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Nix ist fix

Anna Gasteiger © Bild: News/Ricardo Herrgott

Bei der letzten US-Wahl erlebte die Meinungsforschung eine ihrer bittersten Stunden. Fast alle 20 größten amerikanischen Meinungsforschungsinstitute hatten einen Sieg von Hillary Clinton prognostiziert. Dass und wie sehr sie irrten, beweisen seitdem beinahe täglich die Tweets von @real-DonaldTrump. In Österreich sorgte die Bundespräsidentenwahl 2016 für Diskussionen. FPÖ-Kandidat Norbert Hofer kam völlig überraschend auf 35 Prozent, obwohl ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Alexander Van der Bellen und Irmgard Griss vorausgesagt worden war.

Ein Jahr später präsentierte der Verband der Markt-und Meinungsforschungsinstitute Österreichs (VdMI) neue Qualitätsrichtlinien: Wahlumfragen sollen demnach eine Mindeststichprobengröße von 800 Befragten aufweisen, eine Art "Beipackzettel" alle relevanten Daten mitliefern. Mehr eine Botschaft an die Medien als an die Branche, meint Meinungsforscher Peter Hajek. Und dass es "in die richtige Richtung" gehe.

Dennoch veröffentlichte eine Tageszeitung jüngst eine Umfrage mit 600er-Sample; nach Meinung vieler eine Chuzpe. Aber selbst wenn seriös erstellt, können Umfragen ein Eigenleben entwickeln, also Einfluss nehmen: Positive Umfragen bewirken positive Medienberichte, die wiederum positive Umfrageergebnisse generieren und so weiter. Oder Umfragen dienen als politischer Spielball. Man denke an den geschickt inszenierten Zweikampf um Wien 2015, Michael Häupl gegen Heinz Christian Strache, der eigentlich kein solcher war.

Immer wieder wird über eine freiwillige Selbstbeschränkung diskutiert. Sollen, wie etwa in Frankreich, kurz vor einer Wahl keine Umfragen mehr veröffentlicht werden? Eine heikle Frage, findet Sora-Forscher Christoph Hofinger. Es könnte ein irreführendes Stimmungsbild zurückbleiben, wenn keine neuen Umfragen erstellt werden. Sinnlos, meint Wolfgang Bachmayer von OGM, weil von den Parteien in Auftrag gegebene Umfragen ohnehin ihren Weg in die Medien fänden - dann halt mit entsprechendem Spin.

So bleibt das Spiel spannend. Die traditionell unterdeklarierten FPÖ-Wähler meinen die Meinungsforscher mittlerweile gut im Griff zu haben, die traditionell überdeklarierten Grünen könnten in aktuellen Umfragen realistisch abgebildet sein. Ob Sebastian Kurz' stabiles Umfragehoch hält, was es verspricht, wird man am 15. Oktober sehen.

Es sind noch acht Wochen. Es ist noch nix fix. Diese Vorhersagen zumindest stimmen ganz sicher.