Wahltagsbefragung in der Steiermark:
SPÖ litt an Spätfolgen der Wirtschaftskrise

Landeshauptmann-Bonus rettet den ersten Platz Islam und Stiftungen spielten nur eine geringe Rolle

Wahltagsbefragung in der Steiermark:
SPÖ litt an Spätfolgen der Wirtschaftskrise © Bild: APA/Schlager

Die Verluste der SPÖ bei der steirischen Landtagswahl sind eine "Spätfolge der Wirtschaftskrise": Denn die von der Krise Betroffenen wählten zu 25 Prozent die FPÖ und nur zu 35 Prozent die SPÖ, ergab die ISA/SORA Wahltagsbefragung im Auftrag des ORF. Dass die Verluste nicht größer ausfielen, verdankt die SPÖ dem Landeshauptmannbonus und damit ihrem Spitzenkandidaten Franz Voves, erläuterte Günther Ogris von SORA gegenüber der APA. Ungewöhnlich hohe Werte schaffte hier auch die neue KPÖ-Spitzenkandidatin Claudia Klimt-Weithaler.

Wenig Bedeutung für die Wählerentscheidung hatten laut der Umfrage die Themen FPÖ-Umgang mit dem Islam (15 Prozent) und Debatte um SPÖ-Stiftungen (14 Prozent). Sie rangieren unter zwölf abgefragten Punkten ganz hinten. Für die FPÖ-Wähler war es aber mit Abstand - nämlich zu 71 Prozent - der wichtigste Grund für ihre Wahl, dass die FPÖ gegen Zuwanderung auftritt.

Zuwanderung kein Hauptgrund
Insgesamt war die Zuwanderung aber das viert-unwichtigste Thema (nur 31 Prozent), dahinter lag noch die Budgetdebatte (20 Prozent). Am wichtigsten für die Entscheidung der Steirer waren laut der Umfrage die Themen Gesundheit/Spitäler (55 Prozent), Schule/Bildung (53) und Sicherheit (52).

Die Arbeitslosigkeit war für 47 Prozent sehr wichtig (Rang vier, gleichauf mit Pensionen und Steuern) - und die Auswirkungen der Krise hatten großen Einfluss auf die Wahl. Denn die von Personalabbau, Kurzarbeit und/oder Lohnkürzungen betroffenen Steirer wählten deutlich anders als die nicht betroffenen: Ein Viertel von ihnen entschied sich für Blau, 35 Prozent für rot, 27 Prozent für schwarz, acht Prozent für das BZÖ, drei für die KPÖ und zwei für die Grünen.

Die nicht Betroffenen wählten überwiegend (39 Prozent) die ÖVP, zu 36 Prozent die SPÖ - und nur zu sechs Prozent die FPÖ. Da schnitten die Grünen mit sieben Prozent noch besser ab, KPÖ und BZÖ kamen auf je fünf Prozent.

Voves rettet Platz eins
Dass die SPÖ den ersten Platz vermutlich doch wird halten können, liegt am Spitzenkandidaten: Dass Voves Landeshauptmann bleiben soll, war mit 71 Prozent der mit Abstand wichtigste Grund für die Entscheidung der SPÖ-Wähler und 46 Prozent wählten die SPÖ, weil sie der Spitzenkandidat besonders ansprach.

Als würdige Nachfolgerin der KPÖ-Legende Ernest Kaltenegger erwies sich - trotz der Verluste - Claudia Klimt-Weithaler: 54 Prozent nannten sie als wichtigen Grund für ihre Pro-KPÖ-Entscheidung - und damit ist sie eine sehr beliebte Spitzenkandidatin.

Hermann Schützenhöfer motivierte nur 27 Prozent der ÖVP-Wähler - aber 53 Prozent wählten schwarz, weil die ÖVP wieder den Landeshauptmann stellen sollte. Für die Blau-Wähler war Spitzenkandidat Gerhard Kurzmann mit ebenfalls 27 Prozent auch nicht allzu wichtig. Gerald Grosz nannten 28 Prozent der BZÖ-Wähler als wichtiges Wahl-Motiv. Am unwichtigsten war der Spitzenkandidat (mit 14 Prozent) für die Grün-Wähler - mussten sie doch mitten im Wahlkampf erleben, dass Werner Kogler für den zurückgetretenen Kabarettisten Jörg-Martin Willnauer einsprang.

FPÖ eine Partei für Männer
Keine Überraschungen brachte die Analyse des Wahlergebnisses nach Wählergruppen: Bei den unter 30-Jährigen liegen SPÖ (33 Prozent) und ÖVP (32) klar vor der FPÖ - die mit 16 Prozent bei ihnen aber etwas überdurchschnittlich abschnitt. SPÖ und ÖVP sind in ihren Kernwählerschichten stark: 46 Prozent der Arbeiter wählten die SPÖ (16 die FPÖ), die ÖVP hat klare Mehrheiten bei den Selbstständigen (62 Prozent) und Bauern. Die FPÖ erwies sich einmal mehr als die Partei für Männer: Zehn Prozent der Steirer und nur sechs Prozent der Steirerinnen wählten blau.

(apa/red)