Wahlbeteiligung ist "erwartbar niedrig":
Experten geben ÖVP und Grünen die Schuld

Analyse: "Kein gutes Ergebnis" für die Freiheitlichen Christen-Kandidat Gehring nutzt Außenseiter-Chance

Wahlbeteiligung ist "erwartbar niedrig":
Experten geben ÖVP und Grünen die Schuld © Bild: APA/Jäger

Die Wahlbeteiligung bei der Bundespräsidentenwahl ist erwartbar niedrig gewesen, so die Meinungsforscher. Hierfür sei einerseits die Nicht-Kandidatur von ÖVP und Grünen, andererseits der bereits bekannte Ausgang verantwortlich gewesen. Das Abschneiden der Freiheitlichen Kandidatin Barbara Rosenkranz sei "kein gutes Ergebnis" für die FPÖ, erklärte Politologe Peter Hajek.

"Das einzig interessante war ja, ob die Wahlbeteiligung über oder unter 50 Prozent liegt", so Wolfgang Bachmayer von OGM. Die Nichtkandidatur von Schwarz und Grün sowie die "uneinheitliche Linie" der ÖVP, was eine Empfehlung oder Weißwählen betrifft, ist für ihn für die geringe Teilnahme verantwortlich. Aber auch die roten und blauen Anhänger seien nur in bescheidenem Maße zu den Urnen geschritten. Die SPÖ-Wähler seien zu Hause geblieben, "weil alles klar war und keine Spannung zu erwarten war".

"Die Wahlbeteiligung ist wirklich sehr niedrig. Das hat schlicht mit dem Wahlkampf-Verlauf zu tun und dem erwartbaren Ausgang und der Kandidaten-Auswahl zu tun. Dementsprechend gab es nicht genug Motivation", stellte Hajek fest. Die Zahl der Weißwähler hielt sich laut Hajek und Politologe Peter Filzmaier "in Grenzen". Sie verglichen sie mit der Beteiligung bei Rudolf Kirchschlägers Wiederwahl. Auch jene, die keinen Kandidaten für wählbar hielten, dürften allerdings gleich zu Hause geblieben sein, meinten sie.

Konsequenzen bei der FPÖ?
Bei der FPÖ habe die eigene Kandidatin zum Teil nicht mobilisieren können, ihr Ergebnis dürfte etwas unterhalb der letzten Nationalratswahl liegen, so Bachmayer. Er rechnet infolge mit Konsequenzen bei den Freiheitlichen: "Parteichef Heinz-Christian Strache wird versuchen, aus dem rechtsextremen Eck raus in Richtung Mitte zu rücken. Es wird eine Diskussion ausbrechen, die den rechten Flügel schwächen wird."

Einig sind sich die Meinungsforscher, was das von Strache zu Beginn des Wahlkampfs ausgegebene Wahlziel von 35 Prozent für Rosenkranz betrifft. Dieses sei "absurd" gewesen, so Filzmaier. Hajek bezeichnete es als "ziemlichen Mühlstein" für die eigene Kandidatin: "Das ist eine Niederlage von Rosenkranz, der FPÖ und Strache." Denn auch der blaue Parteiobmann habe viel plakatiert, meinte Hajek. Eine Lehre, welche die Blauen daraus ziehen sollten ist: "Mit der deutlichen Rechtspositionierung sind keine Wähler zu gewinnen. Das sollten sie beherzigen." Filzmaier erwartet keine großen Auswirkungen für die Blauen: "Die FPÖ wird im Burgenland, der Steiermark und Wien trotzdem klar zulegen. Das einzige Problem, das sie sich selbst eingehandelt hat, ist das absurde Wahlziel."

Gehring nutzte seine Chance
Rudolf Gehring attestierten die Politologen einen Achtungserfolg. "Er wird morgen oder übermorgen eine Fußnote der Geschichte sein. Aber als völliger Außenseiter hat er seine Chance genutzt. Das ist ein persönlicher Erfolg, aber die politische Bedeutung hält sich in Grenzen", meinte Bachmayer. Auch Hajek erklärte: "Er hat für einen Außenseiterkandidaten ein sehr gutes Ergebnis eingefahren. Das hat aber auch mit der Gegnerschaft zu tun." Für Filzmaier erreichte Gehring ein "respektables Ergebnis": "Mit sehr wenig Aufwand erreichte er viel Aufmerksamkeit. Jede Werbeagentur würde jubeln über das Echo und die Medienpräsenz." Sein Wahlziel habe er auf jeden Fall erreicht.

(apa/red)

Kommentare

Experten Das die Wahlbeteiligung so niedrig war, liegt sicher nicht bei der ÖVP oder den Grünen wie es die "Experten" so gerne behaupten.
Da sich mancher Wähler eigentlich schon verarscht vorkommt, wenn irgendeine Wahl ansteht. Da wird gelogen und betrogen wo es nur geht, hauptsache das dumme Volk (Wähler) fällt darauf rein. Aber es gibt noch Hoffnung. Eigentlich sollte man die Wahlen auf alles beziehen. Lasst uns doch die Minister wählen für diverse Ämter. Mal sehen was dann die Experten vorraussagen, wer Finanz-, Gesundheits-, Verkehrs-,oder Verdeitungsminister wird. Der der am besten lügt, oder der der mit Fachwissen sich profiliert. Siehe Hr. Dr. Fischer, sicher nicht durch Volksnähe, sondern durch Brüsselhörigkeit. Mal sehen was er jetzt macht, fürs Volk oder wieder gegen das Volk.

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