Leben von

Wagner, wie er besser
nicht klingen kann

Susanne Zobl über Wagners "Götterdämmerung" in München

Leben - Wagner, wie er besser
nicht klingen kann © Bild: Bayerische Staatsoper / Wilfried Hösl

Unter Generalmusikdirektor Kirill Petrenko geriet Richard Wagners "Götterdämmerung" im Repertoire zum musikalischen Großereignis in glanzvoller Besetzung. Andreas Kriegenburgs Inszenierung wird auch im dritten Jahr frisch und präzise umgesetzt. Verständlich, dass es Wiener Wagner-Fans da nach München zieht.

THEMEN:

Unter der Direktion Nikolaus Bachlers und dem Generalmusikdirektor Kirill Petrenko wurde die Bayerisch Staatsoper 2014 zum Opernhaus des Jahres gekürt. Gemessen an einer Repertoire-Aufführung wie Richard Wagners „Götterdämmerung“ unter Petrenko gebührt diesem Haus der Titel mindestens für weitere zehn Jahre. Wie hier das Repertoire gepflegt wird, mit Achtsamkeit Stimmen aufeinander abgestimmt sind, szenische Wagnisse, wie Andreas Kriegenburgs "Ring", umgesetzt werden, ist nicht nur für das Münchner Publikum von Belang, sondern auch für das Wiener Opernpublikum. Beim Besuch der "Götterdämmerung" vergangenen Samstag traf die Kritikerin auf zahlreiche Bekannte aus der Wiener Staatsoper. Die Aufführung zeigte, weshalb die Reisenden ganz auf ihre Rechnung kamen

© Bayerische Staatsoper / Wilfried Hösl

Faszinierendes Dirigat

Kiril Petrenkos Dirigat fasziniert schon bei der Nornen-Szene zu Beginn, und das willenlos heißen, denn die Spinnerei des Seils kann nicht selten sogar Wagner-Aficionados langwierig vorkommen.
Analytisch, transparent führt Petrenko das Orchester der Bayerischen Staatsoper, als webe er einen Klangteppich für sein Ensemble auf der Bühne. Und daran ändert sich bis zum letzten Takt nichts. Klar, schlank bringt er die Partitur zum Schweben. Bei Siegfrieds „Rheinfahrt“ im ersten Aufzug regiert die Leichtigkeit, das Wogen der Wellen wird spürbar. Jeder Akkord sitzt, präzise, eindeutig. Die wunderbarsten Klangfarben werden da erzeugt, kein Misston der Hörner trübt die Wahrnehmung. Und der Trauermarsch wird zu dem, was er ist. Kein Überheld wird da bombastisch zu Grabe getragen, sondern ein Mensch, ein junger Mann, der Ernst der Lage dringt aus dem Orchestergraben, klar und deutlich. Beim finalen Weltenbrand signalisiert Petrenko die Wende, das Alte geht auf dem Scheiterhaufen in Flammen auf, das Neue erhebt sich zart aus der Asche schimmert in den Farben des Rheins.

© Bayerische Staatsoper / Wilfried Hösl

Glaspalast

Harald B. Thor hat dazu das ideale Ambiente geschaffen. Sein Glaspalast lässt sich je nach Bedarf in den Rhein, in eine Firmenzentrale, die Burg der Gibichungen im zweiten Aufzug, und in einen Wald verwandeln. Präzise funktioniert auch die Lichtregie. Ein Clou sind die Aufzugbrücken, die sich über die Bühne spannen und die Figuren über das Geschehen stellen oder heranzoomen.
Andreas Kriegenburg zeigt die“Götterdämmerung“ als das Aufeinanderprallen zweier Welten. Brünnhilde und Siegfried hegen ihre Liebe in einem Bretterverschlag, während die Gibichungen, das Geschwisterpaar Gunther und Gutrune in einem gläsernen Palast aus Langeweile ihrer Lust, auch inzestuöser, frönen. Kapitalisten, denen noch ein gewisser Kick im Leben fehlt, den verspricht Hagen durch besondere Partner, den Held Siegfried und Brünnhilde. Und trotz der flotten Sichtweise schafft Kriegnburg den Turn zu Wagner. Wenn Brünnhilde am Ende die Welt der Götter in Brand setzt, verbrennt ein Scheiterhaufen aus alten Möbeln im Bühnenhintergrund. Das Alte soll also schön hinten bleiben, Hauptsache es brennt. Und das ist in jeder Hinsicht nachvollziehbar.

© Bayerische Staatsoper / Wilfried Hösl

Unübertrefflich stark - Brünnhilde

Getragen wird das Geschehen von einem vorzüglichen Ensemble von Singschauspielern. Petra Lang ist eine ideale Brünnhilde. Wortdeutlich bringt sie jede Phrase auch in den Höhen. Und wenn sie ihren Schwur „Helle Wehr, heilige Waffe“ tut, scheint die Kraft dieser Stimme nicht zu übertreffen. Über welches breite Spektrum an Klangfarben Lang verfügt, zeigt sie im Schlussmonolog. Lance Ryan gestaltet die Partie des Siegfried klug, auch wenn er kein Brüll-Tenor ist. Und das passt zu Kriegenburgs Inszenierung, denn Siegfried hat bei ihm mehr menschliche Züge als die eines strahlenden, mythischen Helden. Michaela Schuster war als Waltraute nie besser zu erleben. Markus Eiche gibt den Gunther als Lüstling in George-Clooney-Format und versteht es, auf Petrenkos Klangwellen zu surfen. Anna Gabler überzeugt stimmlich und darstellerisch als eine Art Paris-Hilton-Gutrune und als dritte Norn. Stimmlich macht Hans-Peter König den Hagen zum Ereignis. Darstellerisch erfüllt er die Partie wenn er wie J.R. Ewing aus Dallas agiert er seine Intrigen spinnt. Exzellent besetzt sind auch die Rheintöchter mit Eri Nakamura, Angela Brower und Okka von der Damerau, die neben Helena Zubanovich auch als Norn gefällt.
Nur das Beste lässt sich vom Chor der Bayersichen Staatsoper berichten. Jeden Takt, jeden Ton diese "Götterdämmerung" möchte man festhalten, ausrufen, „verweile doch, du bist so schön.“

Kommentare