Waffenruhe hielt nur wenige Stunden:
17 Tote bei neuer Gewalteskalation in Gaza

Palästinensergruppen wollen aber weiter verhandeln Hamas von Treffen des Nahost-Quartetts enttäuscht

Waffenruhe hielt nur wenige Stunden:
17 Tote bei neuer Gewalteskalation in Gaza

Die am Freitag vereinbarte Waffenruhe zwischen den rivalisierenden Palästinensergruppen im Gazastreifen ist bereits nach wenigen Stunden wieder gebrochen worden. Samstag Nacht traf eine Granate das von der radikal-islamischen Hamas geführte Innenministerium in Gaza, eine weitere Mörsergranate schlug in einer Einrichtung von Sicherheitskräften ein, die Palästinenserpräsident Abbas unterstützen.

Berichte über Opfer lagen zunächst nicht vor. Die Fatah von Abbas hatte sich nach einer Gewalteskalation mit mindestens 17 Toten mit der in den Palästinensergebieten regierenden Hamas auf eine Waffenruhe verständigt.

Ungeachtet internationaler Friedensaufrufe hatten sich zuvor Hamas - und Fatah-Anhänger schwere Kämpfe in Gaza geliefert. Dabei griffen Hamas-Kämpfer unter anderem ein Gelände der Fatah-nahen Präsidentengarde an. Außerdem wurden zwei Universitäten in Brand gesteckt.

Der Waffenruhe war ein Telefonat des Hamas-Führers Khaled Meshaal mit Abbas vorausgegangen. Abbas und Meshaal werden sich auf Vermittlung Saudi-Arabiens voraussichtlich am Dienstag in Mekka treffen. Beiden war es im Jänner in Damaskus nicht gelungen, sich auf eine Regierung der nationalen Einheit zu verständigen.

Hamas von Treffen des Nahost-Quartetts enttäuscht
Für die palästinensische Hamas-Regierung wird das so genannte Nahost-Quartett zu sehr von den USA dominiert. Die Ergebnisse des jüngsten Treffens von Vertretern der Vereinigten Staaten, Russlands, der Europäischen Union und der UNO in Washington würden vollständig mit der amerikanischen Position übereinstimmen und nicht zur Stabilität in der Region beitragen, hieß es in einer Erklärung des palästinensischen Außenministeriums. Stattdessen würde "das Leid der Palästinenser nur verstärkt". "Die Ergebnisse waren für unser Volk enttäuschend", stellte das von dem Hamas-Politiker Mahmoud al-Zahar geleitete Ministerium fest.

Bei dem Treffen in Washington hatte das seit 2002 bestehende Quartett einen neuen Anlauf zur Lösung des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern vereinbart. Ziel ist ein unabhängiger palästinensischer Staat. Unterstützt wurde ein US-Vorschlag, wonach versucht werden soll, die Friedensgespräche durch Präsident Mahmoud Abbas wieder anzustoßen. Allerdings gab das Quartett indirekt zu verstehen, dass es beim Boykott der palästinensischen Regierung bleiben werde, solange die Hamas der Gewalt nicht explizit abschwöre und Israel nicht anerkenne.

Russland hatte sich dafür eingesetzt, die Finanzsanktionen aufzuheben, die USA waren aber dagegen. Vor diesem Hintergrund fand die Hamas-Regierung lobende Worte für den russischen Außenminister Sergej Lawrow. Russland bewege sich in die richtige Richtung, hieß es in der Erklärung des Ministeriums in Gaza. Moskau hatte von Anfang an vor einer Isolierung der palästinensischen Regierung gewarnt und den in Syrien lebenden Hamas-Politbürochef Khaled Mashaal demonstrativ eingeladen. Russland habe - anders als die USA und die EU - die Hamas nie als "terroristische Organisation" bezeichnet, hatte Präsident Wladimir Putin betont.

(apa)