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Waffenruhe in Syrien soll beginnen - Iran signalisiert Unterstützung

Mehrere Rebellengruppe zeigen sich kooperativ - Einflussreiche Gruppe lehnt Abkommen aber indirekt ab

Vor dem Beginn der geplanten Waffenruhe in Syrien am Montag hofft das Land auf einen möglichen Durchbruch im jahrelangen Bürgerkrieg. Der in der Region einflussreiche und mit dem syrischen Regime verbündete Iran will den Plan für eine Kampfpause unterstützen. "Der Iran war schon immer für eine Waffenruhe in Syrien, um humanitäre Hilfe für die Menschen zu ermöglichen", so ein Sprecher am Sonntag.

Nur sollten alle Seiten darauf achten, dass die Waffenruhe nicht von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ausgenutzt werde, um neue Kräfte zu rekrutieren und sich aufzurüsten, sagte Außenamtssprecher Bahram Ghassemi. Der Iran unterstützt die Regierung des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad militärisch.

Zur Zeit des Sonnenuntergangs am Montag (etwa 17.45 Uhr MESZ) sollen die Waffen in Syrien schweigen. US-Außenminister John Kerry und der russische Chefdiplomat Sergej Lawrow hatten einen entsprechenden Plan in der Nacht zum Samstag in Genf vorgestellt. Russland ist mit der syrischen Regierung verbündet, die USA unterstützen Rebellengruppen.

Die Kämpfe zwischen Regierungstreuen und Rebellen sollen mit der landesweiten Feuerpause enden. Falls die Waffenruhe sieben Tage hält, wollen Washington und Moskau gemeinsam gegen die Dschihadisten der IS-Miliz und der mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbundenen Fatah al-Sham (früher: Al-Nusra Front) vorgehen.

Die Waffenruhe fällt mit dem Beginn des islamischen Opferfestes zusammen. Die Übereinkunft könne ein "Wendepunkt" im syrischen Bürgerkrieg sein, sagte Kerry. Die amerikanisch-russischen Vereinbarungen würden endlich auch die Versorgung notleidender Menschen durch Hilfsorganisationen ermöglichen - vor allem im heftig umkämpften Aleppo.

In einer zunächst nicht unabhängig zu verifizierenden Videobotschaft lehnte die einflussreiche islamistische Miliz Ahrar al-Sham die Waffenruhe indirekt ab. Ein Sprecher sagte, die Feuerpause diene dazu, die Revolution militärisch zu schwächen. Er rief alle Rebellen im Süden des Landes auf, weiterzukämpfen. Die Gruppe ist neben den jihadistischen Fatah al-Sham die wichtigste Kraft des Rebellenbündnisses Jaish al-Fatah. Sie gibt sich pragmatischer und weniger radikal als der extremistische Al-Kaida-Ableger.

Mehrere syrische Rebellengruppen haben indes ihre Bereitschaft zur Einhaltung der von den USA und Russland ausgehandelten Waffenruhe signalisiert. Die Freie Syrische Armee, die diverse Gruppierungen der Aufständischen unter ihrem Dach bündelt, erklärte in einem Brief an die USA am Sonntag, sie werde "positiv kooperieren". Allerdings wird in dem Schreiben auch die Sorge geäußert, dass die Regierung in erster Linie von dem Abkommen profitieren könnte. Aus dem Text ging nicht explizit hervor, dass die Rebellen sich an die Abmachung halten werden. Zwei Aufständische sagten aber der Nachrichtenagentur Reuters, sie würden die Waffenruhe respektieren, wenn diese am Montagabend in Kraft tritt.

Die Türkei gilt als wichtige Unterstützerin der Miliz. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan will indes weiter gegen kurdische Milizen auch im Nachbarland Syrien vorgehen. Der syrische Ableger der kurdischen Arbeiterpartei PKK - die Volksschutzeinheiten YPG - werde genauso wie die PKK beseitigt werden. Die türkische Armee war mit von ihr unterstützten Rebellen am 24. August in Syrien einmarschiert und nahm zunächst die Grenzstadt Jarablus ein, die von der Terrormiliz IS geräumt wurde. Dann ging die Türkei auch gegen die YPG vor, die von den USA unterstützt werden

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