Wärmster April seit Messbeginn möglich: Österreich steuert auf Rekordtrockenheit zu

"Lage prekär": Bauern warten sehnsüchtig auf Regen<br>Warnung: Po-Ebene droht erneut katastrophale Dürre KLICKEN: Immer aktuell - so heiß bleibt der April!

Österreich steuert auf eine Rekordtrockenheit im April zu. In vielen Teilen des Landes hat es seit Wochen nicht mehr geregnet. Daran wird sich laut Prognosen auch in den kommenden Tagen wohl nichts ändern. Die bisherige Niederschlags-Bilanz für Eisenstadt im April: Null. In Linz waren es 0,1 Millimeter pro Quadratmeter. Bei den heimischen Bauern kommt langsam Nervosität auf: Die Winterweizenbestände brauchen schon dringend Feuchtigkeit von oben.

"In manchen Gegenden hat es seit Wochen überhaupt nicht geregnet. Diese Wetterlage ist sehr ungewöhnlich", analysierte Helmut Derka von der ZAMG in Wien im APA-Gespräch. Eine April-Bilanz möchte der Klimatologe allerdings noch nicht ziehen, denn der Monat dauert immerhin noch eine ganze Woche. Doch auch in dieser dürfte sich nicht allzu viel ändern: "Die Modelle versprechen in den kommenden Tagen keine ergiebigen Niederschläge."

Derka wagte dennoch eine Prognose: Sollte es nämlich tatsächlich bis zum 30. April nicht regnen, "kann das in manchen Gegenden auf den wärmsten April seit Messbeginn hinauslaufen". Viel Sonne und kein Niederschlag machen sich also auch auf der Temperaturskala bemerkbar. So liegen die beiden westlichsten Landeshauptstädte Bregenz und Innsbruck drei Grad über dem langjährigen Durchschnitt, Wien immerhin zwei Grad.

Bauern warten sehnsüchtig auf Regen
Wohl am sehnsüchtigsten auf Regen warten mittlerweile die Bauern, denn mit jedem regenlosen Tag reduzieren sich die Ertragserwartungen für die Ernte 2007. Die Winterweizenbestände sind bisher prächtig aufgelaufen, benötigten aber binnen der nächsten zehn Tage dringend ausgiebigen Regen, zeigten sich Pflanzenbauexperten der Landwirtschaftskammern besorgt. Jeder weitere regenlose Tag steigere in diesem Stadium zwar das Qualitätspotenzial, senke aber die Erträge, hieß es in einer Aussendung.

"Langsam wird die Lage prekär, die nächsten Tage entscheiden ein verdammt spannendes Jahr", so ein Pflanzenbauer. Auch das Sommergetreide bräuchte jetzt dringend Niederschläge, um drohende Engpässe in der Futtergetreide- und Grünfutterversorgung zu entschärfen. Vor allem die zum Großteil in der Karwoche gesäten und nun aufgelaufenen Zuckerrüben und der kürzlich angebaute Mais dürsten jetzt laut Experten gierig nach Wasser.

Grillverbot wegen Waldbrandgefahr in Innsbruck
Wegen akuter Waldbrandgefahr hat die Stadt Innsbruck ein Grillverbot erlassen. Die Maßnahme galt vorerst für das gesamte Areal des Spielplatzes Kranebitten. "Der angrenzende und inzwischen sehr trockene Wald stellt eine immense Gefahrenquelle dar", betonte Vizebürgermeister Christoph Platzgummer.

Aber auch darüber hinaus bestehe im Gemeindegebiet von Innsbruck ein latentes Wald- und Wiesenbrandrisiko. Die Bevölkerung wurde ersucht, mit offenem Feuer vorsichtig umzugehen. Auch Zigarettenstummel sollten nicht achtlos weggeworfen werden.

Po-Ebene droht erneut katastrophale Dürre
Der Po-Ebene in Oberitalien droht erneut eine katastrophale Dürre. Bereits jetzt im April liegt der Pegel des mit 652 Kilometern längsten Flusses Italiens sechs Meter unter normal. In der Region ist seit Wochen der Niederschlag ausgeblieben. Sollte es in nächster Zeit nicht regnen, ist mit Ernteausfällen zu rechnen. Aus der Po-Ebene stammt ein Drittel der italienischen Agrar-Produktion.

Fachleute befürchten eine schlimmere Dürre als im Sommer 2003. Damals lag der Wasserstand des Po bis zu 7,72 Meter unter normal. "Eine Rekorddürre wie 2003 hätte verheerende Folgen für die nationale Wirtschaft", erklärte ein Sprecher des italienischen Landwirtschaftsverbands Coldiretti. Der Wassermangel bedroht Mais- und Reisfelder sowie die Tierzucht.

Die Pegel der Nebenflüsse des Po sind ebenfalls gesunken. Lebensräume von Fischen, Fröschen und Vögeln sind in Gefahr, da Bauern das Wasser auf ihre Felder pumpen. Der Po droht zu einer Kloake zu werden. Nach Angaben von Anrainern flüchten sogar schon die Ratten aus den Uferbereichen. Niemand traue sich mehr, im Fluss zu fischen.

Umweltminister Alfonso Pecoraro Scanio hat einen Plan zum Wassersparen angekündigt. Die Versorgung mit Trinkwasser wird durch das veraltete Leitungssystem verschärft. Umweltschützer fordern dessen Erneuerung sowie Strafen für Wasserverschwender und -verschmutzer. (apa/red)