Fakten von

Türken: "Wir werden alle verarmen"

Lebensmittelpreise und Lebenshaltungskosten explodieren seit zwei Jahren

Türken © Bild: istockphoto.com/Savas Keskiner

Die Türkei steuert einen gefährlichen politischen Kurs. Ein neuerliches Wahldebakel im November und steigende Sicherheitsrisiken könnte die Wirtschaft an die Wand fahren. Der massive Liraverfall gegenüber dem Dollar treibt Preise wie Schulden in die Höhe und verschreckt Investoren. Die Angst geht um.

Es gibt nichts zu befürchten", beschwichtigte Premierminister Ahmet Davutoglu vor Journalisten in Ankara. Nur sehr wenige Länder hätten vier aufeinanderfolgende Wahlen mit so geringem wirtschaftlichem Schaden überstanden wie die Türkei, soll Davutoglu laut der Zeitung "Hürriyet" erklärt haben. Der hohe Dollarkurs sei ein vorübergehendes Phänomen.

Der Preisverfall der Lira gegenüber dem Dollar beträgt seit Jahresbeginn 19 Prozent. Den beängstigend hohen Dollarkurs, der sich mittlerweile der 3-Lira-Grenze angenähert hat, kommentierte die Tageszeitung "Milliyet" am Donnerstag mit der Aussage, "wir werden alle gemeinsam verarmen".

Die Sorge der türkischen Verbraucher, dass der Preisanstieg an sie weitergereicht wird, ist berechtigt. Spätestens vor Winterbeginn werden die Haushalte die Teuerung zu spüren bekommen.

Die Exporte haben durch den hohen Dollarkurs bereits einen Schaden von rund acht Milliarden Dollar erlitten.

Jeder gestiegender Dollar-Cent heißt Milliarden-Verschuldung

Nach Angaben der staatlichen Statistikbehörde TUIK wird die Hälfte des Ausfuhrvolumens von Klein- und Mittelbetrieben erbracht. Wie lange deren Atem bei währungsbedingten Einkommenseinbußen und laufenden Kreditrückzahlungen reicht, bleibt dahingestellt. Die Zeitung "Haberturk" hat ausgerechnet, dass sich mit jedem Cent des steigenden Dollarkurses die Auslandsverschuldung der Türkei um 3,928 Mrd. Lira (1,22 Mrd. Euro) vergrößert. Der Anstieg der Auslandschulden habe allein in den vergangenen 36 Tagen knapp 114 Mrd. Lira betragen. Davon gehen über 80 Mrd. Lira auf das Konto von Privatunternehmen, heißt es dort.

Türken kostet Essen 30 Prozent des Gehalts

Mit steigenden Preisen für Energie und Verkehr steigt auch die Kerninflation. Im Juli betrug diese 6,8 Prozent. Ein durchschnittlicher türkischer Haushalt hat laut TUIK im Vorjahr weit mehr als die Hälfte des verfügbaren Einkommens für Wohnung inklusive Strom und Gas sowie für Verkehr und Essen ausgegeben. Bei den niedrigsten Einkommensschichten liegen die Ausgaben allein für Lebensmittel bei fast 30 Prozent.

Im Zeitraum Juli 2013 bis Juli 2015 sind die Preise für Lebensmittel in der Türkei laut der Behörde um 21 Prozent gestiegen, während nach Angaben der UN-Welternährungsorganisation FAO die Preise weltweit um 21 Prozent sanken. Der Preis für Reis - er ist unabdingbarer Bestandteil der türkischen Küche - ist innerhalb von zwei Jahren um 42 Prozent gestiegen. Der Preis für Olivenöl erhöhte sich innerhalb eines Jahres um mehr als 85 Prozent, Rindfleisch wurde um 28 Prozent teurer. Experten zufolge ist dafür neben der seit zwei Jahren anhaltenden Dürre im Land vor allem der Dollarkurs verantwortlich.

Kommentare

friesi38 melden

Kommen die jetzt auch alle zu uns ??? :)

christian95 melden

Warum nicht?
Schließlich ist "Multi-Kulti" eine Bereicherung. Jene Volksgruppen die sich in ihrer Heimat bekriegen leben bei uns friedlich nebeneinander. Ganz zufällig erwarten sich bestimmte Parteien dadurch neue Wähler.
Nur Einer ist dabei der Blöde: Das ist der Steuerzahler, der bezahlt das alles.

Österreich ist besser dran.
Da wird von Rot-Schwarz die Wirtschaft nicht an die Wand gefahren,
da verarmt die Bevölkerung nicht,
unser Geld wird nicht abgewertet sondern als Soidarität zu den Schuldenländenr geschickt.

populisten und diktatoren nicht mehr auf dem leim gehen!

Oliver-Berg
Oliver-Berg melden

Vielleicht merken die Türken bald, dass sie einem populistischen Schaumschläger, Erdogan, aufgesessen sind. Die ganze türkische Politik ist einfach völlig daneben. Erst wenn die Leute was im Geldbeutel deutlich spüren wachen die auf.

christian95 melden

Österreich ist anders!
Da gibt es keine so "populistischen Schaumschläger", da wird die Wirtschaft modernisiert und die Menschen haben immer mehr in ihren Geldbördeln (dank der Lohnpolitik von ÖGB (SPÖ) und Wirtschaftskammer ÖVP))....

Seite 1 von 1