WADA-Präsident mag neuen Doping-Codex:
Pound sieht gutes Fundament für Zukunft

Deutliche Erhöhung der Sperre für Doping-Ersttäter Mehr Felxibilität im Einzelfall - Kronzeugenregelung

WADA-Präsident mag neuen Doping-Codex:
Pound sieht gutes Fundament für Zukunft

WADA-Präsident Richard Pound ist überzeugt, dass der neue Welt-Anti-Doping-Code ein gutes Fundament für die Zukunft ist. "Ich bin glücklich damit", sagte der Kanadier, der seit 1999 an der Spitze der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) steht, in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Der neue WADA-Code ist besser als der von 2003. Wir haben gesehen, was funktioniert und was nicht." Der neue Kodex soll auf der Welt-Anti-Doping-Konferenz in Madrid verabschiedet werden. Zugleich wird in der spanischen Hauptstadt ein Nachfolger für Pound gewählt. Einziger Kandidat ist der Australier John Fahey.

Kernstücke des neuen Codex werden die Erhöhung der Sperre für Doping-Ersttäter bei ernsthaften Verstößen von zwei auf vier Jahre sowie mehr Flexibilität im Einzelfall sein. Künftig können auch besondere Umstände - zum Beispiel Nachweis einer unverschuldeten Einnahme verbotener Substanzen - berücksichtigt werden. Außerdem wird es eine Kronzeugenregelung geben. "Wenn man mit Behörden und Verbänden kooperiert, dann kann die Sperre um bis zu 75 Prozent erlassen werden. Wir wollen die Athleten damit ermuntern, es zu tun", so Pound. "Ein Geständnis, das aber nur aus Eigennutz, Egoismus oder zur Entschuldigung abgelegt wird, reicht nicht."

Umstrittene "Ein-Stunden-Regel"
Verteidigt wird von Pound die umstrittene "Ein-Stunden-Regel", bei der Athleten gegenüber den Doping-Kontrolleuren ein Vorschlagsrecht bekommen und selbst festlegen dürfen, zu welcher Stunde am Tag sie getestet werden wollen: "Wir hätten auch zehn oder zwölf Stunden Verfügbarkeit festlegen können, nun muss ein Sportler während einer Stunde anzutreffen sein. Das ist besser als vorher."

Große Fortschritte sind nach seiner Meinung seit Gründung der WADA vor acht Jahren in der Doping-Bekämpfung feststellbar. "Vor zehn Jahren gab es kein Interesse am Thema Doping, das war nicht auf dem Radar der Öffentlichkeit", sagte Pound. Man dürfe sich aber nicht auf den Lorbeeren des Erreichten ausruhen. "Die größte Herausforderung ist, im Kampf gegen Doping nicht nachzulassen, sich nicht entmutigen zu lassen", warnte er. "Nun müssen wir es noch besser machen: Bessere Tests, bessere Erziehung, bessere Untersuchungen."

Nachfolger für Pound gesucht
Die WADA-Exekutive wird unmittelbar nach Abschluss der Weltkonferenz einen Nachfolger für Pound wählen. Nach dem überraschenden Rückzug des französischen Ex-Sportministers Jean-Francois Lamour ist der weithin unbekannte australische Ex-Finanzminister Fahey einziger Kandidat. "Ich weiß nicht, wie man ihn einschätzen soll, keiner kennt ihn genau", meinte Pound, der Lamours Entscheidung als "unglücklich" und "nicht gut für Europa" bezeichnet.

Der 65-jährige Jurist selbst könnte sich eine Fortsetzung seiner Funktionärslaufbahn als Präsident des Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne vorstellen. "Es hätte eine gewisse Logik, da ich Rechtsanwalt bin. Und es wäre gut, wenn mir das Internationale Olympische Komitee eine Aufgabe gibt, von der ich etwas verstehe", erklärte Pound.