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Wacker feiert 100. Geburtstag

Erfolg, Untergang, viele große Namen. Die Innsbrucker blicken zurück.

Hansi Müller mit dem FC Swarovski gegen Sturm Graz im Jahr 1988 © Bild: GEPA pictures/Pammer

Seinen hundertsten Geburtstag will der FC Wacker Innsbruck am Freitag mit einem Legendenspiel und der Jubiläumspartie gegen den Hamburger SV in seinem "Wohnzimmer" Tivoli groß feiern. Auch wenn es zuletzt sportlich nicht so lief und erst in letzter Minute der Klassenerhalt in der Bundesliga fixiert worden ist, die Schwarzgrünen sind Kult und das nicht nur im Westen Österreichs. Mit zehn Meistertiteln und sieben Cupsiegen ist der FC Wacker Innsbruck der erfolgreichste Bundesländer-Verein.

Dabei ist das Gründungsjahr des Innsbrucker Traditionsvereins und damit auch der diesjährige runde Geburtstag etwas umstritten. 1913 beschlossen die damaligen Gründungsmitglieder, einen Fußball-Verein zu gründen. Doch erst ein Jahr später gingen sie daran, dies auch offiziell zu besiegeln. Am 17. Dezember 1914 reichte der damalige Obmann Benedikt Hosp bei der k.u.k. Statthalterei die Statuten ein, die am 5. Jänner 1915 bewilligt wurden. Der Verein hieß Wacker Innsbruck mit den Farben schwarz (für Erde) und grün (für Rasen). Ältester Fußball-Club in Tirol ist jedoch der SV Innsbruck, der 1908 gegründet worden war.

In der 100-jährigen Geschichte war 37 Jahre lang nicht nur "Wacker" im Vereinsnamen, gar 16 Jahre war der Kultbegriff überhaupt verschwunden. So bereits 1922 als sich Wacker bei einer einjährigen Liaison mit Rapid Innsbruck FC Sturm nannte. Von 1986 bis 1992 nannte sich der Club FC Swarovski Tirol. Damals legte der Verein auch seine Farben ab und war offiziell blau-weiß. Von 1993 bis zum großen Crash 2002 war FC Tirol die offizielle Bezeichnung.

Tivoli-Premiere 1924
1924 wurde das erste Spiel am Innsbrucker Tivoli-Areal im Stadtteil Pradl ausgetragen, das fortan immer das "Wohnzimmer" der Schwarz-Grünen sein sollte. 1953 wurde das alte Tivoli-Stadion eröffnet und 2000 dann das neue Stadion, das 2008 auch drei EM-Endrundenspiele - zwei davon mit Europameister Spanien - erlebte.

Der erste nennenswerte Erfolg des Vereins war 1930 der Sieg im Tiroler Landescup. 1958 schaffte Wacker den Aufstieg in die Arlbergliga und 1964 dann den Aufstieg in die Staatsliga A (höchste österreichische Spielklasse). Nach zwei Vizemeistertiteln (1967, 1968) folgten schließlich die "goldenen Siebzigerjahre" in einer Spielgemeinschaft mit Wattens. 1971 unter Otto Baric wurde der erste österreichische Meistertitel mit einer legendären Freinacht in Innsbruck gefeiert. Es sollen noch vier weitere Folgen, dazu noch fünf Cupsiege in den Siebzigern.

Sieg gegen Real Madrid
Mit legendären Europacupschlachten gegen Real Madrid, wobei die Tiroler einen 1:0-Auswärtserfolg im Bernabeu-Stadion feierten, Mönchengladbach oder Celtic Glasgow wurden die Innsbrucker zu einem Kultverein. In Tirol hieß es fortan immer nur "Gemma Wacker schau'n".

Schließlich übernahm der Kristallkonzern Swarovski den Club und feierte 1989 und 1990 zwei weitere Meistertitel. Mit dem Erreichen des UEFA-Cup-Halbfinales 1987 (Aus gegen Göteborg) gelang auch der größte Erfolg der internationalen Vereinsgeschichte. Unter FC Tirol folgten schließlich von 2000 bis 2002 noch drei Meistertitel. Diese waren aber zu teuer erkauft. Die Obleute Othmar Bruckmüller und Martin Kerscher mussten den Verein in die Insolvenz schicken. Der 50-Millionen-Euro-Crash des FC Tirol beschäftigte noch jahrelang die Gerichte.

Wacker spielte schließlich zwei Jahre in einer neuerlichen Spielgemeinschaft mit Wattens, womit der Verein in der Regionalliga West weiter bestehen konnte. Der Durchmarsch gelang, und 2004 war Schwarz-Grün wieder in der Bundesliga vertreten. 2007 erfolgte die Rückbenennung auf FC Wacker Innsbruck, wobei die Mitglieder damals auch beschlossen, dass niemals mehr ein Sponsor im Vereinsnamen auftauchen dürfe.

Die großen Namen
Wacker war in seinen erfolgreichen Jahren auch eine heiß begehrte Adresse unter den Kickern: Es begann 1965 mit dem Wiener Franz Wolny, der in acht Jahren in 220 Pflichtspielen 84-mal für Wacker einnetzte. Unvergessen auch Buffy Ettmayer, der 1966 von Austria Wien an den Inn kam, oder Tormannlegende Friedl Koncilia in den 70er-Jahren. Es folgte schließlich die tschechische Tormaschine Vaclav Danek, der Argentinier Pipo Gorosito und der unvergessene Hansi Müller (siehe Bild). Der deutsche Fanliebling erlebte in Innsbruck seinen zweiten Frühling und prägte fünf Jahre lang bis zu seinem Karriereende das Spiel von Wacker (Swarovski).

Auch die Trainer bei Schwarz-Grün hatten hochkarätige Namen und viele schafften schließlich den Sprung zum Nationaltrainer. Sei es Leopold Stastny, Otto Baric oder Branko Elsner. Unter Felix Latzke kam Wacker 1987 bis ins UEFA-Cup-Halbfinale. Ihm folgte der legendäre Ernst Happel. Schließlich ließ Hans Krankl 1994/95 die "Nordkette erzittern". Und der heutige deutsche Teamchef Joachim Löw kämpfte als Innsbrucker Meistertrainer 2002 verbissen gegen den Crash. Auch die Ur-Innsbrucker Kurt Jara und Didi Constantini, die bei Wacker als Kicker groß wurden, saßen schließlich auf der Tiroler Betreuerbank.

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