W.E. von

Sinnloser Glamour

Madonnas zweite Regiearbeit kommt wie ein oberflächliches Popalbum daher

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Im Oscar-gekrönten Film "The King's Speech" hat die Liebesgeschichte von Edward VIII. und der US-Amerikanerin Wallis Simpson nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Die Abdankung Edwards und der damit verbundene Wechsel in der britischen Thronfolge bildeten den passenden Hintergrund für die schwierige Amtsübernahme durch König Georg VI. In der zweiten Regiearbeit von Popstar Madonna rückt die Geschichte von Wallis und Edward, kurz "W.E.", dagegen in den Mittelpunkt - und damit passenderweise die Welt des Geldes, der Mode, des Luxus und des Scheins.

Es ist wohl nur konsequent, wenn sich die unerreichbare Popkönigin der 90er Jahre der jugendlich anmutenden Sehnsucht nach der großen unsterblichen Liebe hingibt - und so könnte die Parallelhandlung des Films durchaus auch als Madonnas eigener Blickwinkel gedeutet werden. Eine gebildete und wohlhabende, aber privat enttäuschte Frau in New York im Jahr 1998 flüchtet sich in Tagträume und spürt eine magische Verbindung zu Wallis Simpson, deren Liebhaber Edward trotz des Standesunterschiedes zugunsten ihrer Liebe sogar auf den Thron verzichtet. So sind Teenagerträume gestrickt.

Kein Sinn
Ohne diese, zugegebenermaßen promipsychologisierende Krücke macht die Nebenhandlung in "W.E." aber eben keinen Sinn. Der triste Alltag von Wally (Abbie Cornish) 1998 wird in effekthascherischen Bildern gezeigt, ihr brutaler Ehemann ebenso wie die romantische Affäre mit einem russischen Immigranten meistens in Musikvideo-Optik und seltsam ausgewaschenen Farben. Wo genau die inhaltlichen Überschneidungen liegen sollen, wird auch bei wiederholter Analyse der platten Rahmenhandlung nicht klar - kein Wunder also, dass der Kritiker sich hier bald als Therapeut der Regisseurin wähnt.

Glanz und Glamour
In der Binnenhandlung, die sich größtenteils aus der subjektiven Erinnerung der Protagonistin erzählt, setzt Madonna, die auch am Drehbuch mitschrieb, dagegen auf Glanz und Glamour. In losen Episoden wird das gemeinsame Leben von Wallis und Edward rekapituliert, wie es stets in der Klatschpresse nachzuvollziehen war. Das populäre Paar im bunten Bilderreigen, zwischen Juwelen und Partys, zwischen Auseinandersetzungen und Verantwortung: Dass diese Ebene ebenfalls auf der Oberfläche bleibt und weder historisch noch politisch in die Tiefe geht, könnte man fast als konsequent erachten.

Ohne Konsequenz
Doch konsequent ist leider nicht viel in diesem Film, der in seinen verschiedenen Versatzstücken wie ein oberflächliches Popalbum wirkt, dessen einzelne Stücke manchmal durchaus faszinieren können, die aber in ihrer Gesamtheit nur eine hübsch gefilmte und aufwendig gestaltete Kostüm- und Ausstattungsorgie darstellen. Wie schon die erste Regiearbeit "Filth and Wisdom" ist "W.E." bei Kritikern und an den Kinokassen bisher durchgefallen - in Österreich können sich Fans nun selbst von den Regie-Qualitäten der 53-jährigen Sängerin überzeugen. In Hollywood wird sie so jedoch kaum Fuß fassen.