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VW will US-Markt nicht aufgeben

Trotz des Abgasskandals will der Autokonzern seine Diesel-Offensive fortsetzen

Fakten - VW will US-Markt nicht aufgeben © Bild: Sean Gallup/Getty Images

Trotz des in den USA aufgedeckten Skandals um manipulierte Diesel-Abgaswerte will VW-Chef Matthias Müller den amerikanischen Markt für Diesel-Fahrzeuge nicht aufgeben. Es gebe keinen Grund für Volkswagen, nicht zu versuchen, die Diesel-Offensive in den USA fortzusetzen, sagte Müller in einem Interview wenige Tage vor der wichtigsten US-Automesse in Detroit.

Die Autoindustrie brauche die vergleichsweise schadstoffarme Diesel-Technologie mindestens bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts, um die Klimaschutzziele für Kohlendioxid (CO2) zu erreichen, sagte der Manager zur "Wirtschaftswoche". Denn erst dann sei mit starker Nachfrage nach emissionsfreien Elektroautos zu rechnen.

Oberstes Ziel des VW-Konzerns ist Müller zufolge nicht mehr der Kampf um die Marktführerschaft als größter Autohersteller der Welt vor Toyota und General Motors. "Ich werde sicher nicht die schiere Größe zum Selbstzweck erklären. Ob Nummer eins, zwei oder drei beim Volumen, das ist mir letztlich egal", sagte Müller.

Das Wolfsburger Unternehmen wolle künftig vielmehr profitabler als die Konkurrenz werden. Die schon angestoßene Neuausrichtung des Konzerns, durch die die zwölf Marken eigenständiger arbeiten sollen, wird nach den Worten Müllers zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen.

Milliardenklage

Am Dienstag war bekannt geworden, dass das US-Justizministerium wegen der Abgasmanipulationen eine Milliarden-Zivilklage gegen den VW-Konzern eingebracht hat. Das Ministerium teilte am Montag in Washington mit, es werfe dem Autokonzern die Verletzung des Umweltschutzgesetzes "Clean Air Act" vor. Rechnungen von Analysten sowie der Nachrichtenagentur Reuters zufolge könnte der Konzern zu gewaltigen Strafen verurteilt werden. Am Dienstag wurden Bußgeldsummen von bis zu 90 Milliarden Dollar kolportiert.

Der Konzern hat eingeräumt, dass bei knapp 600.000 seiner Dieselfahrzeuge in den USA die Abgasemissionen höher als erlaubt ausfallen. Theoretisch könnten laut Klageschrift pro Fahrzeug und Gesetzesverstoß 37.500 Dollar an Strafzahlung anfallen.

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