Motor von

Der Griff nach den Sternen

Der VW Arteon will mondän und gleichzeitig alltagstauglich sein

Volkswagen © Bild: Volkswagen/Ingo Barenschee

Die Oberklasse und VW, das war bis dato ein Pas de deux ohne Happy End. Während Baureihen wie Golf, Passat oder Tiguan Selbstläufer in Sachen Verkaufserfolg sind, haperte es bei Phaeton und Passat CC nachhaltig. "Mehr Radstand und mehr Technik machen noch keinen Luxusliner", meinten die einen; andere hielten wiederum die Kompetenz in Sachen Kleinwagen für die gleichzeitige Produktion imageträchtiger Edelschlitten hinderlich. Dabei hatte sich der ehemalige VW-Vorstandsvorsitzende Ferdinand Piëch nichts sehnlicher gewünscht, als mit Audi A8, BMW 7er und Mercedes S-Klasse auf gleicher Augenhöhe dahinzubrausen.

Vielleicht schafft das aber der Arteon, der jetzt die Rolle des nobelsten Wolfsburgers übernimmt und dasselbe Unterfangen, jedoch mit kleinerer Infanterie, bewerkstelligen möchte. Das fängt schon bei der Karosserie an, die sich elegant geduckt "nur" auf 4,86 Meter streckt -im Vergleich zur vorauseilenden Konkurrenz aus Süddeutschland ist der Arteon ein Zwerg. Dafür streckt er seine Kotflügel selbstbewusst in die Breite, den mit Überholprestige adjustierten Kühlergrill in die Luft und unterstreicht mit rahmenlosen Türen seine augenscheinlichen Coupéambitionen. Beim Ein-und Aussteigen in den Fond spürt man das. Da wird mehr Gelenkigkeit abgefordert.

Volkswagen
© Volkswagen/Ingo Barenschee

Apropos zweite Sitzreihe: Hinten sitzt man wirklich ausgezeichnet, kann weder über zu wenig Kopf-noch Kniefreiheit meckern. Vorne fühlt man sich in einem Wechselbad der Gefühle: Einerseits wird man durch solide Materialauswahl und den feinen Touchscreen wie weiland im Phaeton verwöhnt, doch simple Hebel für Blinker und Scheibenwischer sowie das Headup-Display mit Plastikscheibe vermitteln blitzschnell pures Passat-Ambiente.

Was, zugegebenermaßen, keine Strafe ist. Ein Blick unter die Motorhaube zeigt ebenfalls, dass VW mit dem Arteon kleinere Brötchen backt. Statt - wie standesgemäß in der Upperclass - sechs oder acht Zylinder gibt es deren nur vier. Schnell stellt sich aber heraus, dass es dem von uns gewählten Zwei-Liter-TDI mit 240 PS an nichts fehlt: Er beschleunigt mit Verve, bringt die Kraft dank serienmäßigem Allrad sauber auf den Asphalt, und die Abgasnachbehandlung mit Harnstoff sollte für gesetzeskonformen Ausstoß sorgen.

Volkswagen
© Volkswagen/Ingo Barenschee

Zwei Reklamationen sind indes angebracht: Der Diesel klingt, vor allem im langsamen City-Einsatz, ordinär rau. Und das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe legt, nur bei eben dieser Gangart, die Gänge ruppig ein. Federung und Lenkung gefallen, was den Arteon in der Endabrechnung zu einem Passat mit Luxusklasse-Allüren adelt.

Daten

VW Arteon TDI 4Motion DSG

Preis: € 58.230,- (Highline)
Motor: 4 Zylinder, Turbodiesel, 1.968 ccm
Leistung: 240 PS (176 kW)
Spitze: 245 km/h 0-100: 6,5 Sek.
Verbrauch: 7,3 l/100 km
Emission: 193 g CO2/km
Fazit: Der Arteon ist zwar das neue VW-Flaggschiff, trägt aber nicht mehr so dick auf wie früher der Phaeton.