Landtagswahlen 2015 von

Steiermark: Voves tritt zurück

Hermann Schützenhöfer übernimmt Amt des Landeshauptmanns. Keine Halbzeitlösung.

Landtagswahlen 2015 - Steiermark: Voves tritt zurück © Bild: APA/Scheriau

Ein - gelinde gesagt - ungewöhnliches Nachwahl-Ergebnis haben die steirischen Koalitionsverhandlungen gebracht. Zwar setzen SPÖ und ÖVP ihre "Reformpartnerschaft" fort, doch stellt die Volkspartei als kleinere Partnerin mit Hermann Schützenhöfer die kommenden fünf Jahre den Landeshauptmann. Die logische Folge: Amtsinhaber Franz Voves tritt ab.

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Die Wahl vom 31. Mai hatte für die Koalitionspartner mit einem Desaster geendet. Die beiden ehemaligen Großparteien verloren fast neun Prozentpunkte und rutschten auf unter 30 Prozent. Die SPÖ behauptete mit 29,3 Prozent immerhin knapp Platz eins vor der ÖVP mit 28,5 Prozent.

Genützt hat das den Sozialdemokraten nichts, denn die Volkspartei spielte ganz offen die schwarz-blaue Karte. Unter diesem Eindruck knickte die SPÖ in den Verhandlungen mit der Volkspartei ein und bestand nicht einmal auf einer Halbzeit-Lösung.

Landeshauptleute in der Steiermark
© APA/Hirsch

So konnte Schützenhofer in einer gemeinsamen Pressekonferenz der Koalitionspartner Mittwochnachmittag verkünden, dass die SPÖ sich entschlossen habe, ihn für fünf Jahre zum Landeshauptmann zu wählen. Dabei habe er persönlich ja gar keine Ambitionen mehr gehabt, gab sich der 63-Jährige demütig.

Totalumbau in der SPÖ

An seiner Seite wird in den kommenden Jahren allerdings nicht mehr der fast gleichaltrige Voves stehen, sondern mit dem erst 35-Jährigen Michael Schickhofer vergleichsweise ein Jüngling. Nicht wirklich überraschend tritt der bisherige Bildungslandesrat und ehemalige Büro-Mitarbeiter von Voves dessen Nachfolge in der SPÖ an und übernimmt auch das Finanzressort und den Posten des Landeshauptmann-Stellvertreters.

Überhaupt leiten die Sozialdemokraten einen fast kompletten Personalwechsel ein. Mit Soziallandesrat Siegfried Schrittwieser, der in den politischen Ruhestand geht, und Bettina Vollath, die vom Finanzressort ins Landtagspräsidium wechselt, verlassen neben Voves auch die beiden anderen bisherigen großen Kaliber in der SPÖ die Landesregierung. Prominenter Neuling ist der Leiter der SPÖ-Europadelegation Jörg Leichtfried als Verkehrslandesrat. Die Zweite Landtagspräsidentin Ursula Lackner wechselt ebenfalls auf die Regierungsbank als Bildungslandesrätin, Doris Kampus übernimmt das Sozialressort.

Voves selbst, der ja schon vor der Wahl gesagt hatte, unter 30 Prozent nicht weitermachen zu wollen, machte die Ankündigung mit Zeitverzögerung wahr und zeigte sich ob seines Abschieds gefasst. Es sei sicherlich der spannendste und herausforderndste Abschnitt seines Lebens gewesen. Nun sei ihm vor allem wichtig gewesen, "dass das Projekt Reformpartnerschaft auf zehn Jahre seine Fortsetzung finden kann".

Gemischte Reaktionen

Schützenhöfer konnte sich angesichts seines Avancements Voves gegenüber gütig zeigen und meinte, die zehn Jahre unter diesem seien für die Steiermark gut gewesen. Dass man nicht Schwarz-Blau angegangen sei, begründete der designierte Landeshauptmann damit, dass es nicht ratsam sei, "in einer solchen Zeit der Umbrüche die Mehrheitspartei von der Regierung auszuschließen". Der FPÖ bot Schützenhöfer, der sein Team übrigens unverändert lässt, eine konstruktive Zusammenarbeit an. Deren Landeschef Mario Kunasek hatte freilich schon unmittelbar vor der Bekanntgabe von Schwarz-Rot von "Verrat am Wähler" gesprochen.

Während man sich in der ÖVP landauf, landab darüber freute, wieder einen sechsten Landeshauptmann zu stellen, kannte die Begeisterung bei der SPÖ ihre Grenzen. Kanzler Werner Faymann nannte es "bedauerlich", dass es nicht gelungen sei, die ÖVP davon zu überzeugen, dass der Erste den Landeshauptmann zu stellen habe. Aber er stehe "hinter den Entscheidungen, die eine Landesorganisation trifft." Wirklich einmischen in die steirischen Dinge wollte sich die meisten anderen SP-Landesorganisationen auch nicht. Die Reaktionen reichten aber von "verwunderlich" bis "nicht nachvollziehbar". Am schärfsten reagierte der Salzburger Landesvorsitzende Walter Steidl, der von einem selbst verschuldeten Eigentor von Landeshauptmann Voves sprach.

Kommentare

giuseppeverdi melden

Ich habe für das Bild da oben einen Titel. Er lautet: "Die Umarmung durch Judas!"

christian95 melden

Die SPÖ begann mit der Ausgrenzung und wird nun selber immer wieder ausgegrenzt.
Unter Faymann verliert die SPÖ jede Wahl und opfert nun auch einen Landeshauptmann. Faymann war der letzte SPÖ Bundeskanzler. Was in den Ländern funktioniert geht doch im Bund auch. Oder glaubt jemand diese machthungrige ÖVP wird sich ändern?

Nudlsupp melden

Wenn die ÖVP so Falotten sind, und die SPÖ so böse ausgrenzt, dann wäre es doch von der FPÖ mehr als konsequent, auf keinen Fall mit einer dieser schäbigen Parteien eine Koalition einzugehen und moralisch standhaft zu bleiben. Aber auf die Posten will dann selbst die FPÖ nicht verzichten oder?

giuseppeverdi melden

Richtig! So wie die Roten im-BK-Amt, die Schwarzen in der Steiermark. Alle sind sie gleich. Nur für Nudelsupp sind die Roten und die Schwarzen aber auch die Grünen alles Heilsbringer! Armer "Gutmensch"!

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Lieber Verdi, ich kann halt noch kritisch denken, und bin kein Sektenmitglied dieses blauen Anbetungsvereines. Die FPÖ ist die einzige Partei, die alle anderen attackiert, die alle andersdenkenden permanent einer Kampfrethorik aussetzt, die permanent ausgrenzt, aber selbst immer am lautesten schreit, selbst man sie nur moderat kritisiert.

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Mit wem will die FPÖ denn jemals koalieren, wenn Rot, Schwarz und Grün alle so unfähig, unredlich und faul sind? DIe FPÖ würde sich ja selbst verraten, wenn diese eine Koalition eingeht, nur um an die hochdotierten Versorgungsposten zu kommen.

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Die FPÖ erwartet, daß sich das gesamte Land, alle Parteien und alle Institiutionen bedingungslos der Linie der FPÖ unterordnen, jeder der sich dagegen stellt, wird persönlich diffamiert, die FPÖ selbst aber, ist nicht willens und in der Lage auch auf die anderen ein paar Schritte zuzugehen. Nein, viel lieber wird permanent mit diesen "braunen" Tabubrüchen kokettiert, damit im Nachgang.....

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sofort professionell der "Opfer-Modus" der vom Rotfunk und der links-linken Presse verfolgten armen Freiheitlichen verfallen. Es gibt keine Partei die mehr Menschen ausgrenzt als die FPÖ, und keine Partei die mehr über Ausgrenzung jammert wie die FPÖ. Ist das die Pippi Langstrumpf-Partei...ich mache mir die Welt, so wie sie mir gefällt?

higgs70

Faymann bei der Krone unterstellen und Voves ersetzt ihn als Kanzler, dann hätte das Kasperltheater zumindest etwas Positives.

Die ÖVP Trickserein sind jedenfalls unter aller Sau, auch wenn Voves sich die Suppe mit seinem Rücktrittsversprechen vor der Wahl selbst versalzen hat. Extrem unklug, wenn man für den Fall des Falles im Hintergrund niemand anderen aufzubieten hat als eine NLP-Quatschgurke wie Schickhofer.
Trotz dieses Fehlers könnte ich als Nicht-Sozialdemokrat mit Voves als Kanzler gut leben, geradlinige Politiker seines Schlages sind in Österreich mittlerweile selten und Faymann ist ohnehin angezählt.

JETZT GIBTS NUR EINES! für die Wien wahl nachdenken wirklich nachdenken , und wenn jeder das ehrlich grundehrlich macht kann darf es keinen roten mehr geben!!

ich sehe gerade den neuen spömann von der Steiermark! ein Wahnsinn kann keine Frage beantworten ( zu Blöd keine Ahnung) ?? Denke im Urania kaspertheater nemmes den nicht einmal auf!

Die fpö ist wieder mal dafür verantwortlich, dass die övp als grosser verlierer der gewinner wird. Mit Grausen denken wir alle daran zurück, als schüssel ald dritter kanzler wurde, obwohl auch damals die spö gewonnen hatte. Wer soll diesen schritt von voves nur verstehen? Kurios!

Ist irgendwie logisch, dass die zweitplatzierte Partei den Landeshauptmann stellt.

Oder???

Das nennt man Erpressung! Diese Bundes SPÖ Spitze (Schieder u. Faymann) gehen jetzt entgültig in die Geschichte als größte Irrlichter aller Zeiten der SPÖ ein. Frau Burgstaller wurde auch wie ein nasser Fetzen fallen gelassen, obwohl die Salzburger ÖVP in die Spekulationen verwickelt war. Voves zu opfern (einer wenigen Lichtgestalten in der Politik) ist und war ein schwerer Fehler Herr FAYMANN !!!!!!!!!

So oder so : Den beiden Großkopferten hat die FPÖ doch indirekt das Fürchten gelehrt und das finde ich gut so, auch dann, wenn sie nicht direkt mitregiert wie im Lande der Burgen ! - und warm anziehen werden sich SPÖ und ÖVP trotzdem müssen in den nächsten Jahren !
Es gibt dann wieder eine Wahl ! .....

Was schert diese Bonzen der Wähler ?

christian95 melden

Nach dem Motto: "Egal wie viel wir noch verlieren, wir machen weiter wie bisher".

drowhunter melden

es ist schon sehr interessant, 60% wählen diese beiden und ihr seid mal grundsätzlich dagegen.

Argus1966 melden

Und die Meinung der anderen 40 % der Wähler kann man deshalb einfach ignorieren?

giuseppeverdi melden

@Argus1966 nur damit sie nicht falsch denken: Ich mag Voves sehr, weil er gradlinig ist. Aber haben Sie schon einmal was davon gehört, dass in einer Demokratie IMMER die Mehrheit recht hat, auch wenn Sie NICHT recht hat? Sonst bitte noch einmal das Schulfach "politische Bildung" besuchen!

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