Einspruch von

Vorwahl-Mikado

Renate Kromp © Bild: Ian Ehm/News

Sebastian Kurz macht in der K-Frage auf buddhistische Gelassenheit. Wann übernehmen Sie die ÖVP und gehen als Spitzenkandidat in die nächste Wahl? Seit Jahren die gleiche Antwort mit kleinen Variationen: Die Frage stelle sich doch gar nicht. Er habe wirklich viel Freude in und mit seinem Job als Außenminister.

Seine Parteifreunde schaffen diese buddhistische Übung nicht. Nahezu wöchentlich fällt einer quasi im Yoga-Kopfstand um und wünscht sich, dass Kurz, intern auch "unser Trumpfass" genannt, die Karten auf den Tisch legt. Die Partei übernimmt und bitte rasch in Neuwahlen geht. Allen Beteuerungen zum Trotz, dass die Regierung arbeiten soll, wartet jeder darauf, dass endlich einer die Reißleine zieht.

In der ÖVP ist die Versuchung bei einigen deshalb so groß, weil man das Gefühl in dieser Partei ja gar nicht mehr kennt, dass man ernsthaft mit einem Spitzenkandidaten an den ersten Platz bei einer Nationalratswahl denken darf. Jene Landeshauptleute, die 2018 in ihren Bundesländern wählen, wetzen so nervös auf der Stelle, weil ein Wahlsieger Kurz - geht man von einer vorgezogenen Nationalratswahl aus -auch ein bisschen Lametta für den eigenen Wahlkampf wäre.

Und so viel Machtpragmatiker wird man ja noch sein dürfen: Sticht das Trumpfass wider Erwarten doch nicht bei einer vorgezogenen Wahl, ist diese schon wieder so weit weg, dass man auf den Zauber des Vergessens bei den eigenen Wählern hoffen kann.

Auch in den anderen Parteien wird Kurz' Treiben scharf beobachtet. Für Christian Kern und Heinz-Christian Strache wäre er der ungleich härtere Gegner als ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner. Eva Glawischnig und Matthias Strolz würde sein Antreten ein gutes Stück in Richtung Bedeutungslosigkeit bringen.

Sebastian Kurz ist ein ausgebuffter Stratege. Jeder Schritt, jede Ansage von ihm wirken von langer Hand geplant. Fehler sind ihm bisher kaum passiert. Bei seinen Karriereschritten hat er offenbar immer mitbedacht, wohin ihn der übernächste Schritt führen soll. Jobs und Parteiämter, die ihn nicht weiterbringen, hat er bisher abgelehnt. Vielleicht sollten seine ungeduldigen Parteifreunde daher noch ein anderes Szenario mitdenken: Was, wenn die Umfragen, wenn es wirklich Richtung Neuwahl geht, für eine Kurz-ÖVP nicht den ersten Platz hergeben? Übernimmt er dann trotzdem?

Kurz selbst hat immer wieder erklärt, dass für ihn auch eine Karriere außerhalb der Politik erstrebenswert ist. Der 30-Jährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand. Das wäre ein Riesenkracher, so wie der Roman mit dem Hundertjährigen - nur für die ÖVP weniger lustig. Vielleicht sollten die Schwarzen ein bisschen netter zu Reinhold Mitterlehner sein.