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Amoklauf in Vorarlberg:
Wer war der Täter?

27-Jähriger kam aus Vorarlberger Neonaziszene und war bereits einschlägig bekannt

Amoklauf in Vorarlberg © Bild: APA/Ronald Vlach

Der 27-jährige Mann, der bei seinem Amoklauf in Nenzing (Bezirk Bludenz) am Sonntag zwei Menschen getötet und zwölf verletzt hat, war polizeilich kein unbeschriebenes Blatt. Neben acht Vorstrafen gehörte er bis 2013 dem Skinhead-Neonazi-Netzwerk "Blood and Honour" an. Die Schüsse feuerte er mit einem serbischen Kalaschnikow-Nachbau ab, im Auto fand die Polizei ein zweites baugleiches Modell.

"Es handelt sich dabei um eine Kriegswaffe, die in Österreich verboten ist", sagte Chefinspektor Norbert Schwendinger bei der Pressekonferenz in Bregenz. Die Polizei stellte am Tatort ein leeres Munitionsgehäuse sicher, das 30 Patronen fasst.

Geschossen hatte er vom Parkplatz aus im Beisein seiner Lebensgefährtin. Die Frau, mit der der 27-Jährige ein 17 Monate altes Kind hat, stand unmittelbar neben dem Mann, als dieser auf die Menschenmenge im Barbereich zielte. Laut Schwendinger flüchtete sie und meldete sich kurz darauf bei der Polizei und gab die Identität des Amokläufers bekannt. Sie sei psychisch sehr angeschlagen gewesen, konnte aber als erste einvernommen werden.

Seit 2010 nicht mehr aufgefallen

Seit 2010 sei der Mann - er arbeitete als Installateur - nicht mehr aufgefallen, sagte der Stellvertretende Leiter des Landeskriminalamts, Stefan Schlosser. Zwischen 2005 und 2010 wurde er acht Mal rechtskräftig verurteilt. Es handelte sich dabei um die Delikte Körperverletzung und gefährliche Drohung, ebenso hatte er gegen das Waffengesetz verstoßen. Seit 2004 bestand gegen ihn ein Waffenverbot.

Amoklauf in Vorarlberg
© APA/Ronald Vlach

2005 überfiel er mit anderen Neonazis aus dem Umfeld der Vorarlberger "Blood and Honour"-Szene ein Punkkonzert in Bludenz. Die Täter waren mit Baseballschlägern, Pfeffersprays und Gaspistolen bewaffnet. Nach einigen Attacken nahm die Polizei sie fest und zeigte sie wegen Körperverletzung an.

Das steckt hinter "Blood and Honour"

Ein Exkurs: Das Skinhead-Neonazi-Netzwerk "Blood and Honour" wurde in den 80er-Jahren vom Sänger der britischen Nazi-Band Screwdriver, Ian Stuart Donaldson, gegründet. Überall auf der Welt entstanden seither "Blood and Honour"-Divisionen, die wiederum in Sektionen unterteilt sind. In Österreich existiert unter anderem eine Gruppierung in Vorarlberg.

Amoklauf in Vorarlberg
© APA/Ronald Vlach

Gleichsam der bewaffnete Arm von "Blood and Honour" war "Combat 18" (18 steht für den ersten bzw. den achten Buchstaben des Alphabets und ist somit ein Code für die Initialen Adolf Hitlers, Anm.). Auf das Konto der Gruppe gingen in Großbritannien mehrere Anschläge. 2003 wurde in Schleswig-Holstein eine Zelle gleichen Namens ausgehoben.

Die Vorarlberger Sektion verfügt schon seit längerem über gute Kontakten ins Ausland. Mehrere Gewalttaten dürften auf das Konto des Netzwerks in Vorarlberg gehen. 2009 gab es eine Massenschlägerei zwischen Mitgliedern des Motorradclubs "Outsider" und Nazi-Skinheads mit einem Toten und mehreren Schwerverletzten. Dreh- und Angelpunkt der Sektion war vor einigen Jahren die rechtsextreme Skinhead-Band Tollschock. Der kürzlich verstorbene Rechtsextremismus-Experte Wolfgang Purtscheller sagte 2007: "Die Vorarlberger haben konspirativ organisierte Konzerte mit bis zu 1.000 Besuchern auf die Beine gestellt."

Gewaltakte in Spielfeld

Die Plattform "Stoppt die Rechten" beobachtete nun eine Neuorganisation der Vorarlberger Szene. Im November sollen Vorarlberger Neonazis an Demonstrationen in Spielfeld beteiligt gewesen sein und dort auch gewalttätige Aktionen gesetzt haben. Im Februar nahmen sie laut "Stoppt die Rechten" an den "Lichter für Österreich"-Kundgebungen von Asylgegnern in Dornbirn teil.

Amoklauf in Vorarlberg
© APA/Ronald Vlach

Anfang März gab es in Vorarlberg laut Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) ein Konzert der ungarischen Neonazi-Band "Indulat". Dieses hätte eigentlich in Thüringen über die Bühne gehen sollen, wurde dort aber angeblich von den Behörden unterbunden. Ungarische "Blood and Honour"-Aktivisten berichteten danach im Web, dass sie auf dem Weg nach Vorarlberg in Braunau am Inn einen Stopp machen, "damit wir das Geburtshaus unseres Führers besuchen" - mit Foto. In Vorarlberg gab es neben einem "Kameradschaftsabend" auch einen "kleinen Schießwettkampf, wo wir mit den österreichischen und Schweizer Kameraden unsere Fähigkeiten gemessen haben". Ob auch Gregor S. daran teilnahm, ist unbekannt.

Rechte Gesinnung an Facebook-Konto erkennbar

Dass der 27-Jährige Teil dieser Szene war, ist allerdings evident. Seine Gesinnung ist auch an seinem Facebook-Konto erkennbar. Unter "Freunden" findet man laut "Stoppt die Rechten" fast alle Größen der Vorarlberger Neonazi-Szene. Unter "Gefällt mir" sind unter anderem die Holocaust-Leugner Ursula Haverbeck und Horst Mahler, die mittlerweile unbetreute Facebook-Seite der Neonazi-Plattform "alpen-donau.info", Teilorganisationen der "Europäischen Aktion" und die "Nationale Front" vermerkt.

Amoklauf in Vorarlberg
© APA/Ronald Vlach

Das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) warnte unterdessen am Montag erneut vor einem dramatischen Anstieg rechtsextremer Straftaten und forderte einen Aktionsplan: " Wie viele Tote brauchen wir in Österreich noch, bis endlich ein Nationaler Aktionsplan gegen Rechtsextremismus in die Tat umgesetzt wird?", fragte Willi Mernyi, Vorsitzender des MKÖ.

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