Vor WM-Finale liegen Nerven wieder blank:
Dennoch 'Matchball' für Hamilton in Shaghai

Doppelsieger Alonso bietet Ferrari Unterstützung an Renault-Pilot: "Wenn ich helfen kann, dann Massa"

Vor WM-Finale liegen Nerven wieder blank:
Dennoch 'Matchball' für Hamilton in Shaghai © Bild: APA/EPA/Okten

Im Finale der Formel-1-WM liegen wie im Vorjahr die Nerven blank. Vor allem bei den um den WM-Titel kämpfenden Lewis Hamilton und Felipe Massa, die beim Japan-GP am Fuße des Fuji-Vulkans Opfer ihrer Heißsporn-Mentalität wurden. Weil Ferrari-Pilot Massa aber mit viel Glück als 7. wenigstens zwei WM-Punkte ergatterte, liegt er mit 79 Zählern zwei Rennen vor Schluss nur noch fünf Punkte hinter McLaren-Pilot Hamilton (84).

Dass für Hamilton damit in Shanghai am kommenden Sonntag und in Brasilien (2.11.) die Luft ähnlich dünn werden kann wie im Vorjahr, ist ebenso ein Fakt wie dass der junge Engländer trotz aller Kritik an seiner ungestümen Fahrweise schon in China den Sack vorzeitig zu machen kann. 2007 hatte freilich der zwei Rennen vor Schluss schon 17 Zähler zurückliegende Kimi Räikkönen noch von Serienfehlern Hamiltons und McLarens profitiert und war zum überraschenden WM-Titel gestürmt.

Heißsporn Hamilton
Hamilton hatte zuletzt mehrmals versichert, dass ihm so etwas nie wieder passieren würde. Dennoch ruinierte der 23-Jährige Heißsporn in Fuji sein aus der Pole in Angriff genommenes Rennen gleich mit einem unbedachten Start. Zwar erhielt Massa für seine spätere rüde Attacke gegen Hamilton ebenfalls eine Durchfahrtsstrafe, mit Glück wegen der Zeitstrafe gegen Toro-Rosso-Pilot Bourdais ergatterte der Brasilianer aber noch zwei Punkte und rückte dem auf Platz zwölf punktlos ins Ziel gekommenen WM-Leader wieder näher. Sogar der 12 Punkte zurückliegende Pole Robert Kubica (BMW) hat nun noch WM-Chancen.

"Ich bin enttäuscht von Lewis. Er macht die gleichen Blödheiten wie im Vorjahr, dabei hätte ich nach Singapur gedacht, dass er aus dem Vorjahr gelernt hat", kritisierte auch Niki Lauda den Engländer wegen der Startattacke in Japan gegen Räikkönen. "Als die roten Lichter ausgingen, vernebelte sich sein Gehirn", spottete das englische Boulevard-Blatt "Daily Express". "Es war einfach ein zu großes Risiko", gab auch Hamilton zu, nahm sich hinsichtlich der späteren Attacke von Massa aber kein Blatt vor den Mund. "Er ist mir absichtlich ins Auto gefahren."

Hamilton kann sich zum jüngsten Weltmeister küren
Das nächste Drama winkt nun bereits am Sonntag in China. An Shanghai hat Hamilton nach dem Ausfall im Vorjahr aber ganz böse Erinnerungen. Er kann dort die WM-Führung verlieren, umgekehrt kann er schon in einer Woche mit 23 Jahren, 9 Monaten und 12 Tagen jüngster Weltmeister der Formel-1-Geschichte sein, wenn er mindestens sechs Punkte mehr als Massa holt.

Eine entscheidende Rolle im finalen WM-Kampf könnten die Renn-Stewarts spielen. Sie sind angesichts der vielen Vorfälle seit Wochen voll gefordert und viele ihrer nach wie vor auffällig oft gegen McLaren gerichtete Urteile stehen in der Kritik. "Rätselhaft, was da für Entscheidungen gefällt werden", schimpfte etwa McLaren-Chef Ron Dennis und auch Lauda schüttelte den Kopf. "Die Fahrer sind da, um Rennen zu gewinnen und wollen zeigen, was sie können. Die Strafe gegen Hamilton war völlig unnötig. Die gegen Massa kann ich verstehen, weil das WM-entscheidend gewesen sein könnte", sagte der dreifache Formel-1-Weltmeister in seiner RTL-Analyse.

Seriensieger Alonso kündigt Schützenhilfe für Massa an
Leicht wird es Hamilton in Shanghai und eventuell Brasilien jedenfalls nicht haben. Denn neben Räikkönen muss er nun auch noch gegen den momentanen Seriensieger Fernando Alonso ankämpfen. Der Spanier gewann Sonntag im Renault nach Singapur den zweiten GP in Folge und hatte eine Riesenfreude, danach zu verkünden, dass er im Finish Massa und nicht seinen gehassten Ex-Teamkollegen unterstützen werde.

"Wenn ich helfen kann, dann Massa", wurde der mit Ferrari liebäugelnde Spanier in "As" zitiert. Über seinen Sieg verlor er nur wenig Worte, nachdem auch er in Japan enorm von den Fehlern der Spitzenfahrer profitiert hatte. "In Singapur hatten wir mit dem Safety Car Glück, deshalb schmeckt der Sieg in Japan besser".

(apa/red)