Vor seiner wohl härtesten Sandplatzsaison:
Melzer muss Vorjahreserfolge verteidigen

Österreichs einziger Top-Ten-Spieler im Interview "Wichtig für uns, dass wir im Fernsehen präsent sind"

Vor seiner wohl härtesten Sandplatzsaison:
Melzer muss Vorjahreserfolge verteidigen © Bild: GEPA/Hauer

Jürgen Melzer hat sich heuer mit dem Achtelfinal-Einzug bei den Australian Open in den Top Ten etabliert. Zwar ist es für ihn danach bisher nicht nach Wunsch verlaufen, dennoch geht der 29-jährige Niederösterreicher optimistisch in die heuer besonders wichtige Sandplatz-Saison. Allein mit dem Halbfinale in Paris und dem Viertelfinale in Madrid im Vorjahr hat der Weltranglisten-Neunte und Sportler des Jahres 900 Punkte zu verteidigen.

Im Interview mit der APA spricht Melzer über diesen Druck, seine offene Rechnung mit Monte Carlo, den sensationellen Erfolgslauf von Novak Djokovic und Andi Haider-Maurer in den Top 100. Ob er beim wieder auf dem ATP-Kalender stehenden Heimturnier in Kitzbühel antreten wird, darauf wollte er sich noch nicht festlegen.

Frage: Sie haben vergangenen Freitag Ihrer Freundin Mirna Jukic bei den "Dancing Stars" zugeschaut. Haben Sie Lust bekommen, mit Mirna selbst das Tanzbein zu schwingen?
Jürgen Melzer: "Der Tanzpartner von Mirna hat uns angeboten, uns irgendwann einmal Stunden zu geben. Mal schauen, ob wir das dann machen."

Frage: Mit dem Rhythmus auf dem Platz hat es zuletzt in den USA noch nicht so geklappt. Hat der Davis Cup auf Sand da doch mehr gestört als geplant?
Melzer: "Auf alle Fälle war es nicht optimal für Indian Wells. Dort habe ich zu kämpfen gehabt. Ich habe dort nicht gut trainiert und nach der Form gesucht. In Miami war das anders. Da habe ich eigentlich gut trainiert und dann ein schlechtes Match gespielt. Das waren zwei komplett unterschiedliche Sachen."

Frage: In Monte Carlo beginnt für Sie die körperlich besonders anstrengende Sandplatz-Saison. Sind Sie wieder völlig fit?
Melzer: "Mein Ellbogen ist jetzt nicht 100 Prozent schmerzfrei, aber es ist besser als am Anfang des Jahres. Der Knöchel ist okay: Da habe ich ein bisserl Glück gehabt, dass ich getaped war."

Frage: Vor Ihnen liegt die vielleicht wichtigste Sand-Saison Ihrer Karriere: Wie verläuft denn die Umstellung auf Sand?
Melzer: "Die wichtigste Sand-Saison meiner Karriere - ich weiß nicht, ob ich das so unterschreiben würde, aber die Umstellung läuft ganz gut. Ich habe bis jetzt sehr gut trainiert, aber Training und Match sind immer zwei unterschiedliche Sachen. Vor allem in den ersten Partien auf Sand habe ich mir jedes Jahr eigentlich schwergetan. Wenn ich einmal drinnen bin, läuft es immer ganz gut. Es wird wichtig sein, am Anfang ein paar Matches zu gewinnen und Selbstvertrauen zu tanken."

Frage: Der erste Gegner ist nun nicht "Stallkollege" Dawydenko, sondern Robin Haase. Wie sind Ihre Erfahrungen mit ihm?
Melzer: "Wir haben einmal in Pörtschach gespielt und da habe ich gewonnen. Er serviert gut, hat eine sehr gute Vorhand, ist nicht unbedingt ein Bewegungstalent. Er versucht auch, das Spiel zu diktieren."

Frage: Mit Monte Carlo hätten Sie ja noch eine Rechnung offen (4 Teilnahmen, nur ein Sieg, Anm.).
Melzer: "Klar würde ich hier gerne gut spielen. Es macht Spaß, es ist echt ein tolles Turnier. Es ist halt schade, dass ich hier noch nicht gut gespielt habe."

Frage: Wie gehen Sie damit um, dass sie allein in Madrid und Paris 900 Punkte zu verteidigen haben?
Melzer: "Ich denke überhaupt nicht dran. Man muss seine Punkte über das Jahr hinweg gesehen machen. Ich mache mich nicht fertig deswegen. Es sind genügend Chancen da im ganzen Jahr. Ich habe mir keinen übermächtigen Druck auferlegt, dass ich jetzt in den nächsten Wochen 900 Punkte machen muss."

Frage: Was sagen Sie zum sensationellen Erfolgslauf von Novak Djokovic?
Melzer: "Er ist unglaublich. Er spielt wirklich auf einem Niveau, das im Moment kein anderer erreicht. Und das mit einer Konstanz, die ihresgleichen sucht. 26 Partien hintereinander ist sehr viel. Solche Serien kennt man nur von Nadal und Federer. Es ist natürlich für ihn super. Wir anderen müssen schauen, dass wir das irgendwie brechen."

Frage: Kann er Nadal bald an der Spitze ablösen?
Melzer: "Ich glaube schon, dass er, wenn er eine halbwegs gute Sandplatz-Saison spielt, um die Nummer 1 mitkämpft."

Frage: Etwas weiter hinten haben Sie mit Andreas Haider-Maurer endlich österreichische Gesellschaft in den Top 100 bekommen.
Melzer: "Na klar bin ich happy, dass es ihm gelungen ist. Er hat hart dafür gearbeitet und er gehört dort mit seinem Spiel auch hin."

Frage: Wird es dem neuen Turnierdirektor in Kitzbühel, Alexander Antonitsch, gelingen, Sie für Kitz zu verpflichten?
Melzer: "Das möchte ich im Moment nicht kommentieren."

Frage: Was sagen Sie zu seinem Engagement?
Melzer: "Es ist immer schön, jemand zu haben, der die Materie versteht. Ob er einen guten Job machen wird, werden wir dann wissen."

Frage: Und Ihre Turnierplanung für diese Zeit steht wirklich noch nicht?
Melzer: "Es steht noch nicht fest, ob ich Kitzbühel spiele oder nicht."

Frage: Der ORF überträgt nun auch dank Ihrer Erfolge wieder mehr Tennis. Freut Sie das?
Melzer: "Es ist sehr wichtig für uns, dass wir im Fernsehen präsent sind. Klar sind es die Erfolge von mir im letzten Jahr. Sie werden einfach schauen, dass sie meine Matches von den 1000er-Turnieren übertragen und eben auch die Finali. Das ist erfreulich, weil die Leute Tennis im Fernsehen schauen können und hoffentlich gute Partien sehen. Dann steigt das Interesse an unserem Sport wieder."

(apa/red)