Vor Rückzug von Wiener Börse: Krach um BA-CA-Abfindungsangebot und Polen-Deal

Kleinaktionäre könnten Prüfverfahren erwirken Erklärtes Ziel sind 200 statt 129,40 Euro je Aktie

Vor Rückzug von Wiener Börse: Krach um BA-CA-Abfindungsangebot und Polen-Deal

Der geplante Rückzug der Bank Austria Creditanstalt von der Wiener Börse wird nach zunehmendem Druck der Kleinaktionäre ein Fall für die Übernahmekommission. Wie aus einer Mitteilung in der "Wiener Zeitung" hervorgeht, hat die Kommission auf Antrag der größten Kleinaktionärsgruppe, des britischen Hedgefonds Polygon, ein Prüfverfahren eingeleitet.

Die Vorwürfe richten sich vor allem dagegen, dass die BA-CA ihre frühere Polen-Tochter BPH zu billig an UniCredit abgegeben haben soll. Die Bank Austria nennt die Prüfung einen "Formalakt".

Unterdessen hat auch eine zweite Aktionärsgruppe rund um den Chefanalysten des Austria Börsenbrief, Alexander Proschofsky, mit rechtlichen Schritten gedroht, sollte das Abfindungsangebot für die Kleinaktionäre nicht angehoben werden. Sie kritisiert vor allem, dass die BA-CA erst vor wenigen Wochen das von UniCredit eingebrachte Mittel- und Osteuropageschäft unnötigerweise mit eigenen Aktien zu einem zu niedrigen Kurs bezahlt und so den Streubesitz verwässert habe, dass die stillen Reserven zu niedrig bewertet worden seien und dass die dem Angebot zu Grunde liegende Ertragsplanung zu unambitioniert bzw. die Diskontierung zu großzügig ausgefallen sei.

Nach der Abfindung soll die heimischen Großbank von der Wiener Börse verschwinden. Der italienische Mutterkonzern UniCredit hat den verbliebenen Kleinaktionären Ende März 129,40 Euro je Aktie geboten. Kleinaktionärsvertreter Rasinger hatten den fairen Wert zuletzt mit mindestens 140 Euro beziffert. Polygon verlangt über 171 Euro je Aktie. Proschofsky sieht die "realistischen Wert der Aktie bei 200 Euro". Er hofft auf eine Einigung bei der BA-CA-Hauptversammlung am 3. Mai. Zuletzt hat die Bank Austria-Aktie bei 139,80 Euro notiert. (apa/red)