Vor erster Parlamentssitzung: Neue
Welle der Gewalt erschüttert den Irak

Mindestens 80 Tote - Gespräche unter US-Vermittlung

Vor der ersten Sitzung des neuen irakischen Parlaments erschüttert eine weitere Gewaltwelle das Land. Die Polizei teilte am Dienstag mit, binnen 24 Stunden seien mindestens 80 Menschen erschossen aufgefunden worden - die meisten von ihnen an Händen und Füßen gefesselt. Das Innenministerium verhängte zum konstituierenden Treffen des Parlaments am Donnerstag ein Fahrverbot.

Schwierigkeiten bei der Regierungsbildung hatten die Sitzung verzögert. Das Parlament wurde bereits vor drei Monaten gewählt. Die Führer der größten ethnischen und religiösen Gruppen nahmen am Dienstag Beratungen auf, um die Blockade zu überwinden. An den Gesprächen nahm auch US-Botschafter Zalmay Khalilzad teil. Nach dem Zusammentreten des Parlaments müssen die Abgeordneten binnen 60 Tagen den Präsidenten bestimmen und die Nominierung eines Ministerpräsidenten bestätigen.

Das Fahrverbot gilt in Bagdad von Mittwochmorgen bis Donnerstagnachmittag, wie das Innenministerium mitteilte. Das Parlament will am Donnerstagmorgen zusammenkommen.

Die Polizei entdeckte in der irakischen Hauptstadt am Dienstag in einem verlassenen Kleinbus die Leichen von 15 Männern. Die Opfer waren an Händen und Füßen gefesselt, sie wiesen Schusswunden an Kopf und Brust auf, wie ein Sprecher des Ministeriums erklärte. Das Fahrzeug wurde am Vormittag an der Straße von Amarija nach Ghasalija entdeckt, zwei überwiegend von Sunniten bewohnten Vierteln im Westen Bagdads. In der Nähe waren erst in der vergangenen Woche 18 Leichen in einem Kleinbus entdeckt worden.

Kurz danach wurden in einem mehrheitlich schiitischen Stadtteil die Leichen von 17 Männern gefunden, die nur mit Unterwäsche bekleidet auf einem Feld lagen und teilweise verscharrt waren. Mindestens 40 weitere Tote wurden in den vergangenen 24 Stunden in Bagdad entdeckt. Es handelte sich um die zweite Welle von Massentötungen seit dem Anschlag auf ein schiitisches Heiligtum im vergangenen Monat.

(apa)