Von schwarzer Zerrissenheit & verpassten Chancen

Manchmal ist es einfach die Angst vor dem Ungewissen, die uns treibt. Anstatt das Neue zu wagen, verharren wir in den vermeintlich sicheren Bahnen“, beschreibt ein ÖVP-Insider die schwarze Zerrissenheit. Das Herz vieler Funktionäre ist für einen anderen Spitzenmann entflammt: „Natürlich wissen wir, dass der Sepp Pröll mehr zu bieten hätte und mehr Wähler ansprechen würde. Aber für einen Wechsel ist es zu spät“, trauert ein VP-Mann der „verpassten Chance“ nach. Der anfänglichen Neuwahl-Euphorie ist Ernüchterung gewichen. „Wir haben den richtigen Zeitpunkt verpasst“, sagt ein VP-Stratege bitter, der es vorgezogen hätte, wenn man den „fleißigen, aber farblosen“ Parteichef Wilhelm Molterer unmittelbar nach dem angekündigten Wechsel von Alfred Gusenbauer zu Werner Faymann durch Pröll ersetzt hätte. Aber die „Angst vor öffentlichem Wirbel“ war zu groß.

Das Objekt des Begehrens, eben jener Pröll, setzt auf Loyalität. Er werde Molterer mit ganzem Herzen und Elan unterstützen, versicherte er frustrierten Schwarzen. Der VP-Vizechef, dem das Schicksal eines ewigen Kronprinzen droht, hat freilich allen Grund zur Entspanntheit. Im Unterschied zu seinem roten Pendant – Faymann, der vom roten Kronprinzen zum Chef aufgestiegen ist – trägt er kein volles Risiko: Sollte Molterer Nummer eins werden, wird Pröll für seine Unterstützung mit höheren Weihen (Finanzminister) bedacht. Sollte der VP-Chef hingegen verlieren, werden die Schwarzen sich daran erinnern, für wen ihr Herz – wirklich – geschlagen hatte. Bloß, ob der Verschmähte dann noch Lust darauf hat, die VP-Sehnsüchte zu stillen?