Von Zauberfußball keine Spur: Ideenloses Brasilien schläfert Kroatien ein und siegt 1:0

Kaka-Traumtor als Highlight - Ronaldo ausgepfiffen Kroatiens Abwehr zieht Ronaldinho & Co die Zähne

Titelverteidiger Brasilien hat seine "Hexa-Mission" bei der WM mit einem mehr als schmeichelhaften 1:0-(1:0)-Sieg über Kroatien begonnen. Dank eines Treffers von Kaka (44.) schaffte der Topfavorit in Berlin den Pflichtsieg und setzte sich damit auf Platz zwei der Gruppe F, in der überraschend Außenseiter Australien nach dem 3:1-Sieg gegen Japan die Führung innehat.

Wie von Trainer Carlos Alberto Parreira, der die "Selecao" bereits 1994 in den USA zum WM-Triumph geführt hat, angekündigt, zeigte sein Superstar-Ensemble im Auftaktmatch "keine Luxusvorstellung". Doch mit so einem biederen Glückssieg hatten nicht einmal die ärgsten Pessimisten gerechnet. Am Ende durfte sich der fünffache Weltmeister bei Tormann Dida bedanken, die deutsche Hauptstadt mit drei Punkten im Gepäck verlassen zu dürfen. Vor allem in der Abwehr wurden die von Kritikern befürchteten Mängel deutlich sichtbar, und der übergewichtige Ronaldo bot eine absolut indiskutable Leistung und wurde bei seiner Auswechslung (69.) mit Pfiffen bedacht.

Pfeifkonzert für lustlosen Ronaldo
Doch der Reihe nach: Bei Gänsehaut-Atmosphäre vor 73.000 Zuschauern im aus allen Nähten platzenden Olympiastadion diktierten die Südamerikaner zunächst die Partie, wobei trotz ihrer klaren Überlegenheit in den ersten 45 Minuten hochkarätige Chancen der mit Vorschusslorbeeren überhäuften Ballkünstler ausblieben.

Lediglich Weitschuss-Granaten von Roberto Carlos sorgten für Aufsehen: Die erste aus mehr als 30 Metern "entschärfte" Tormann Stipe Pletikosa, die zweite "schoss" dann über das Tor (15./16.). Dazwischen zeichnete sich der kroatische Goalie auch noch bei einem Ronaldinho-Schuss aus (15.). Erst ein herrlicher Weitschuss von Kaka aus rund 20 Metern brachte die Führung für den fünffachen Weltmeister.

Kroatien bemüht sich, Brasilien legt den Leerlauf ein
Die Kroaten, die zwar mit Abwehr-Organisator Robert Kovac im Zentrum hinten gut standen, aber vorne nicht einen einzigen Torschuss vor der Pause verzeichneten, mussten deshalb in Hälfte zwei ihren Verteidigungsriegel auflösen. Und prompt kam das Team von Ex-Rapidler Zlatko Kranjcar, das ab Minute 41 ohne den nach einem Zweikampf mit Adriano angeschlagenen Kapitän und Neo-Salzburger Niko Kovac auskommen musste, zu seiner ersten Chance durch Prso, bei dessen Schuss aus spitzem Winkel Dida arge Probleme hatte und anschließend Lucio mit dem Kopf zur Ecke klärte (50.).

Auch einen wahren Hammer von Ivan Klasnic bändigte Dida erst im Nachfassen (54.). Eine weitere Glanzparade des Milan-Schlussmanns folgte bei einem Babic-Schuss (70.). Auch Pletikosa hatte seine guten Momente nach dem Wechsel, etwa bei einem Ronaldinho-Kopfball nach Cafu-Flanke (62.). Die Vorentscheidung ließ aber Adriano in Minute 74 aus, als er nach Robinho-Pass aus kurzer Distanz kläglich am Tor vorbeischoss.

Ein Fan stellt Ronaldos Laufleistung in den Schatten
In der Schlussphase schaffte es ein Klasnic-Fan vorbei an den Sicherkräften auf das Spielfeld zu gelangen und verneigte sich vor dem überragenden Prso, dessen Team sich an diesem Abend nicht nur einen Punkt verdient gehabt hätte.

Brasilien - Kroatien 1:0 (1:0)
Berlin, Olympiastadion, 73.000 Zuschauer, SR Archundia (Mexiko)

Tor: 1:0 (44.) Kaka

Brasilien: Dida - Cafu, Juan, Lucio, Roberto Carlos - Kaka, Emerson, Ze Roberto, Ronaldinho - Ronaldo (69. Robinho), Adriano

Kroatien: Pletikosa - Simic, R. Kovac, Simunic - Srna, Tudor, N. Kovac (41. Leko), Babic - Kranjcar - Klasnic (56. Olic), Prso

Gelbe Karten: Emerson bzw. N. Kovac, R. Kovac, Tudor

(apa/red)