Von "Sputnik" zum Space-Touristen: Vor 50 Jahren begann das Weltraum-Zeitalter

UdSSR schossen am 1957 ersten Satelliten ins All PLUS: Alles über Jubiläum in Österreich & der Welt

Von "Sputnik" zum Space-Touristen: Vor 50 Jahren begann das Weltraum-Zeitalter

Mit dem Start des sowjetischen Satelliten "Sputnik" begann am 4. Oktober 1957 das Zeitalter der Raumfahrt. Anfangs aufsehenerregende und exklusive Prestige-Projekte zweier Supermächte, ist ein Großteil der unbemannten Raumflüge heute eine rein kommerzielle Angelegenheit. Selbst Reisen ins All kann man mittlerweile kaufen.

In der zweiten Hälfte der 50er Jahre zeichnete sich die Eroberung des Weltraums bereits ab. Erwartet wurde, dass die USA diesen ersten Schritt schaffen würden, doch die UdSSR entschied das Rennen ins All plötzlich und unerwartet für sich. "Sputnik", was wörtlich übersetzt "Weggefährte" heißt, war eine 83,6 Kilo schwere Metallkugel mit einem Durchmesser von 58 Zentimetern und vier Stabantennen. Enthalten war nur ein Funksender, der ein Kurzwellensignal (20 MHz und 40 MHz) ausstrahlte.

Sowjets hielten "Vater" des Satelliten geheim
Auf einer stark epileptischen Umlaufbahn zwischen rund 200 und 900 Kilometern Flughöhe umrundete "Sputnik" drei Monate lang die Erde, ehe er in der Erdatmosphäre verglühte. Das "Master Mind" hinter der sowjetischen Raumfahrt dieser Tage war Sergei Koroljow, dessen Identität im Westen erst nach seinem Tod 1966 bekanntwurde. Er entwickelte die ursprünglich als Interkontinentalrakete konzipierte Trägerrakete R-7, die auch den ersten Satelliten ins All beförderte.

"Sputnik" war nur der Anfang einer ganzen Reihe von raumfahrerischen Leistungen, mit denen die sowjetischen Wissenschafter und Ingenieure ihre US-amerikanischen Konkurrenten vor sich hertrieben. Nur einen Monat später schossen die Sowjets die Hündin Laika als erstes Lebewesen ins All, die tierische Heldin kehrte allerdings planmäßig nicht zur Erde zurück. Wohlbehalten landete dagegen Juri Gagarin nach seinem Start am 12. April 1961 als erster Mensch im Weltraum und fügte dem amerikanischen Selbstbewusstsein den nächsten Schlag zu.

USA waren von Sowjet-Erfolg schockiert
Der "Sputnik-Schock" in den USA saß tief. Zwar versuchten die USA, rund ein Monat nach dem "Sputnik"-Start nachzuziehen und selbst einen Satelliten ins All zu schießen, doch der Versuch scheiterte kläglich. Die Rakete explodierte, den USA blieben neben dem Schaden auch der Spott: der erste US-Satellit wurde "Kaputtnik" genannt. Dabei ging es nicht nur um ein Wettrennen der Ingenieure, sondern um handfeste militärische Aspekte. So zeigte die Sowjetunion mit dem Globus-umrundenden Sputnik, dass sie jederzeit auch mit Bomben bestückte Flugkörper zu jedem Punkt der Erde bringen könnte.

Deshalb setzten die USA alles daran, den Vorsprung der Sowjets aufzuholen. Durch Konzentration aller verfügbarer Mittel gelang es schließlich, wenngleich es bis 1969 dauert. Am 21. Juli setzten Neil Armstrong und Edwin Baldwin als erste Menschen einen Fuß auf den Mond.

Es folgte eine Reihe von Versuchen, dauerhafte Raumstationen zu errichten, durchaus unter medialer Beachtung, aber nicht mehr mit dem absoluten Sensationsnimbus wie die Ereignisse in den Jahren zuvor. 1971 starteten die Sowjets den Aufbau von "Saljut-1", 1973 folgte dann Skylab, zehn Jahre später das europäische Raumlabor "Spacelab". Für die Raumstation "Mir", die für Österreich durch den Weltraumausflug von Franz Viehböck im Jahr 1991 besondere Bedeutung erlangte, fiel der Startschuss 1986.

Annäherung der Supermächte startete im All
So emotional die ersten Jahre im Weltraum zwischen den damaligen Supermächten auch geführt wurden, im All gab es auch die ersten Annäherungen, lange vor dem Fall des Eisernen Vorhanges. So dockten im Jahr 1975 eine amerikanische Apollo und eine sowjetische Sojus-Kapsel aneinander an. 1995 besuchte erstmals ein Space-Shuttle die "Mir".

Ebenfalls noch während der Ära des Kalten Krieges begannen die Planungen für das große Projekt der Internationalen Raumstation (ISS). Baubeginn für die Station war 1998, das erste Modul war ein russisches.

Weltraumfahrt ist heute "Big Business"
Nachdem sich China im Jahr 2003 neben den Vereinigten Staaten und Russland als dritte Nation mit einem eigenen bemannten Raumfahrtprogramm zu Wort meldete, sind mittlerweile zahlreiche Staaten im Besitz von Raketen, die unbemannte Raumfahrzeuge und Satelliten ins All schießen können. Neben einer nach wie vor großen politisch-strategischen Komponente der Raumfahrt gewinnt deren Kommerzialisierung zunehmend an Bedeutung. Kommunikationssatelliten und deren Beförderung ins All sind heute bereits "Big Business".

Am April 2001 erreichte die Kommerzialisierung einen vorläufigen Höhepunkt, als der US-Millionär Dennis Tito als erster privater Weltraumtourist einen Kurzurlaub auf der "Mir" verbrachte. Die US-Firma Virgin Galactic will ab Ende 2009 für 200.000 US-Dollar (141.784 Euro) regelmäßig Ausflüge ins All anbieten.
(APA/red)