Von Pasta, Pizza und Muttersöhnchen:
Italien bleibt unser geliebtes Urlaubsland

Viele wunderbare Urlaubsklischees über Bella Italia Katholisches Land mit fest verankertem Aberglauben

Von Pasta, Pizza und Muttersöhnchen:
Italien bleibt unser geliebtes Urlaubsland © Bild: Reuters/Pignatelli

Ob eitle Papagalle, die braun gebrannt am Strand herumstolzieren, oder sanfte Schmusesänger, die unter der Fuchtel der "Mamma" stehen - nicht gerade schmeichelhafte Klischees über "Bella Italia" sind schnell gefunden und spätestens seit Rainhard Fendrichs "Strada Del Sole" und der Kernbotschaft "I steh' auf's Gänsehäufl, auf Italien pfeif I" fest im Österreicher verankert. Der Stiefel am Mittelmeer zählt allerdings nach wie vor zu den beliebtesten Urlaubsländern der Alpenrepublik und auch so manches Vorurteil schwindet bei näherer Betrachtung.

Vor allem hinter dem Begriff Papagallo - ein stolzer Gockel auf der Suche nach erotischen Abenteuern mit Urlauberinnen - dürfte sich ein nicht mehr haltbares Vorurteil verbergen. Statt unbremsbarer Selbstüberschätzung und Aufreißtouren am Strand zeigte eine kürzliche Umfrage in Italien ein Bild, das man auf den ersten Blick wohl eher den Österreichern zuschreiben würde: 65 Prozent der Männer fühlen sich in der Badehose überhaupt nicht wohl, 62 Prozent halten sich für schüchtern und 65 Prozent beschrieben sich als unsicher.

Papagalli oder doch Mammoni?
Nicht wegweisen lässt sich jedoch der Eindruck, dass es zu viele Muttersöhnchen "Mammoni" gibt: Vier Millionen Italiener zwischen 25 und 34 Jahren leben noch bei ihren Eltern, 69 Prozent davon sind Männer. Einen fixen Job erhalten sie durchschnittlich erst mit 38 Jahren. Eine weitere erschreckende Zahl: 83 Prozent der Singles wohnen bei ihren Familien.

Mit "Bella Italia" werden aber auch jede Menge angenehme Klischees, vom guten Kaffee über das Essen bis hin zur temperamentvollen Feierlaune, verbunden. Als Nationalspeise gilt, wie sollte es anders sein, die "Pasta". Sie kommt täglich mindestens einmal auf den Tisch, existiert in zahllosen Variationen und macht, so die Italiener, "stark, gesund, glücklich und zufrieden". Das Herz der Südländer schlägt natürlich auch für die Pizza. Die "Margherita" belegt mit Tomaten und Käse gilt als die "Originalversion". Um diese zu bewahren, haben ihre Erfinder, die Neapolitaner, sogar einen Verein zur Verteidigung der "authentischen Pizza" gegründet.

Absolute Heiligtümer Caffe und Pasta
So locker die Mentalität der Italiener erscheint, so streng wird die Esskultur gehandhabt: Genaue Regeln, wie bestimmte Gerichte verspeist werden müssen und welche Pasta mit welcher Soße gegessen werden darf, ergänzen die Tischmanieren. Absolut verpönt ist es beispielsweise, einen Cappuccino nach 11.00 Uhr zu trinken. Touristen, die am Nachmittag eine Tasse bestellen, müssen mit absolutem Unverständnis rechnen. Kaffee ist vom Speiseplan nicht wegzudenken und wird in verschiedensten Variationen angeboten. Der absolute Favorit ist der klassische Espresso kurz "caffe" genannt.

Beim Feiern greifen Italiener allerdings auch gerne zu einem Gläschen Sekt oder Spritz, ein Mixgetränk aus Wein oder Prosecco, Soda und dem Likör Aperol. Angestoßen wird mit einem kurzen "Cin Cin" oder dem eher unter Jüngeren verbreiteten "Chi no bussa no gussa", das sinngemäß dem österreichischen "Ex oder nie mehr Sex" entspricht. Nicht nur im betrunkenen Zustand singen Italiener das Lied, das neben der Nationalhymne das ganze Land vereint: "Nel blu dipinto di blu". Vor genau 50 Jahren gewann der Song, der vom blauen Himmel, dem Fliegen und Singen erzählt, das Schlager-Festival in San Remo. Auch in Österreich ist er, dank der Textzeile "Volare, oh oh - Cantare, oh oh oh oh", nicht ganz unbekannt.

Vespas und Hupkonzerte
Aggressives Verhalten im Straßenverkehr samt lauten Hupkonzerten sowie Vespas, die durch überfüllte Straßen drängeln, zählen ebenso wie modebewusstes Auftreten zu den typischen Italien-Klischees. Auf keinen Fall vergessen darf man in dem sehr katholischen Land das Thema Aberglaube, das auch bei Fußballspielen eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt: Um ihre Mannschaft für einen Sieg so richtig "scharf" zu machen und Unglück fernzuhalten, tragen vor allem Süditaliener eine kleine rote Pfefferschote als Talisman bei sich. Das "Cornettiello", ein kleines Hörnchen aus Plastik oder Koralle, wird um den Hals oder als Schlüsselanhänger getragen.

Geht es nach dem Aberglauben, hatte Italien bereits bei der Auslosung der EM-Spieltage absolutes Pech: Am 17. Juni steht ein Match gegen Frankreich auf dem Plan. Genau jenes Datum oder besser gesagt die Zahl 17 steht für Unglück. "Buona Fortuna" - "Viel Glück" - sollte man einem italienischen Fan übrigens auf keinen Fall wünschen, denn das bringt angeblich nur Unglück. Österreichern kommt angesichts dieser Befürchtungen wohl vor allem ein Asterix-Zitat in den Sinn: "Die spinnen die Römer ..."
(apa/red)