Von der touristischen Landkarte gelöscht:
Nahe Osten bombt sich aus Tourismus-Boom

Auch die angrenzenden Länder sind betroffen Rund 460.000 Touristen besuchten 2006 den Libanon

Von der touristischen Landkarte gelöscht:
Nahe Osten bombt sich aus Tourismus-Boom

Der Boom im Tourismus des Nahen Osten wurde durch den Krieg im Libanon gestoppt. Neben dem Libanon, der diese Jahr mit bis zu 1,6 Millionen Besuchern gerechnet hat, sind auch die angrenzenden Länder Syrien, Jordanien sowie Israel in Mitleidenschaft gezogen. Der Traum vom touristischen Aufschwung ist für die betroffenen Länder vorerst ausgeträumt.

460.000 Touristen besuchten alleine in den ersten fünf Monaten 2006 den Libanon, was einer Steigerungsrate von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Nun wird es möglicherweise Jahre dauern, bis internationale Kreuzfahrtgesellschaften den Beiruter Hafen wieder ansteuern. Nicht zuletzt, weil eine Ölpest die Küstenstreifen des Libanon verschmutzt, ausgelöst durch den Beschuss der Öltanks an der libanesischen Küste durch israelische Kriegsschiffe. Die Auswirkungen werden wahrscheinlich auch die umliegenden Mittelmeerdestinationen wie Zypern oder die türkische Südküste nicht unberührt lassen.

Syrien - der Schurkenstaat
Aber auch die Nachbarländer trifft die neuerliche und in ihrer Dimension völlig überraschende Eskalation der Gewalt schwer.
Syrien wirbt dieses Jahr zum 5. Mal mit seinem "Seidenstraßen-Festival" um mehr ausländische Besucher und für ein positives Image, abseits der verschärften US-Definition als "Schurkenstaat" seit Beginn des Irak-Krieges 2003. Das libanesische Nachbarland bietet kulturellen Reichtum und Steuergeschenke, um ausländische Unternehmen und Investoren zu gewinnen. Diese sollen mithelfen die eigene touristische Infrastruktur weiterzuentwickeln. Vor allem den Ausbau der 4- und 5-Sterne-Hotellerie und die Erschließung der Küstenregionen will Syrien vorantreiben.

Jordanien - das Königreich
Jordanien hat sich im Vorjahr mit 2,8 Millionen Touristen langsam wieder an seine Besucherzahlen von vor dem 11. September 2001 angenähert. Das Königreich ist dabei, Milliarden in Tourismus-Projekte in Amman, am Toten Meer und in Aqaba am Roten Meer zu investieren.

Israel - setzt auf loyale Touristen
Israel selbst hat in diesem Jahr wieder mit einem Anziehen der Tourismusbranche gerechnet. 2,4 Millionen Touristen hat sich Israel dieses Jahr erwartet, nach den vergangenen dürren Jahren im Tourismusgeschäft ein Hoffnungsschimmer. "Wir sind vom Radarschirm des Tourismus in Zukunft verschwunden", so drastisch formulierte der Managing Director des israelischen Reiseveranstalters ZionTours, Mark Feldmann, in einem Artikel in der "Jerusalem Post" die Folgen des Libanonkrieges. Zwar setzt Israel weiter auf "loyale Touristen" aus Frankreich mit seiner großen jüdischen Gemeinde und auf orthodoxe US-Juden, aber diese können die ausbleibenden Reisenden aus Europa nicht wettmachen. Eine 50-prozentige Zunahme an russischen Urlaubern konnte Israel 2005 verzeichnen, und auch 70 Prozent mehr österreichische Besucher, so die Angaben des israelischen Tourismusministeriums.

Westjordanland - wartet auf Pilgerströme
Das besetzte Westjordanland hingegen hat durch den Bau der Mauer an christlichen Pilgerströmen nachhaltig eingebüßt, nicht zuletzt durch die damit verbundenen massiven Reiseeinschränkungen zu den heiligen christlichen Stätten. Betlehems 18, von christlichen Eignern geführte Hotels erreichten im Vorjahr nicht einmal eine Auslastung von 4 Prozent, im heurigen Jahr lag die Rate bei 9 Prozent, gab die "Arabische Hotelvereinigung" bekannt.
(APA/red)