"Von Heftklammer bis Jet: Alles schnorren":
Gery Keszlers Geschäftsmodell "Life Ball"!

1993 zahlten zwei Sponsoren gerade 10.000 Schilling 2007 bringen schon Models Gegenwert von 2 Mio. €

"Von Heftklammer bis Jet: Alles schnorren":
Gery Keszlers Geschäftsmodell "Life Ball"!

Mehr als 900 freiwillige Helfer dirigiert Christian Chytil Jahr für Jahr am Life Ball. Mit seiner Catering- und Event-Agentur impacts schaukelt er dort die gesamte Logistik, wobei er unbezahlt zum Beispiel 180 Kellner, 80 Köche und 30 Hostessen einsetzt. Bei den Einstellungsgesprächen kommt sich der 31-jährige bisweilen wie ein Psychologe vor. Gilt es doch zu erfragen, warum es sich die zahlreich anstürmenden Helferlein antun wollen, zwölf Stunden lang unentgeltlich Gläser abzuwaschen oder Kübel mit Eiswürfeln durchs Rathaus zu schleppen.

Geht es ihnen wirklich bloß um den Charity-Effekt der heuer am 26. Mai zum 15. Mal über die Bühne gehenden Veranstaltung für Aidskranke und HIV-Positive, oder will sich da einer bloß die 150 Euro Eintritt zu dem schillernden Spektakel ersparen? Dass die Arbeit dort kein Spaß ist, beweist schon der Vertrag, den die letztlich angeheuerten Freiwilligen unterschreiben müssen. Alkoholkonsum und Nichteinhaltung der Dienstzeiten ahndet Chytil mit 300 Euro Pönale.

Keszler: "Alles schnorren"
Rund um Unternehmer wie Chytil baut sich das von Gery Keszler erfundene erstaunliche Geschäftsmodell Life Ball auf, das Keszler so beschreibt: "Alles schnorren, von der Heftklammer bis zum Business-Jet." Vom Handyhersteller Motorola, der zugunsten des Veranstalters Aids Life 500 eigene Life-Ball-Telefone verkauft, über die Bäckerei Ströck, die Brot und Mehlspeisen liefert, bis zur Hotelgruppe Starwood, die mehr als 300 Hotelzimmer für Models und Promis wie Sharon Stone zur Verfügung stellt, ist der Life Ball ein riesiges Tauschgeschäft: Ware und Dienstleistungen gegen Renommee und öffentliche Präsenz.

Ein hochkomplexes, in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten natürlich gewachsenes System, das gewaltig boomt. Beim ersten Life Ball, 1993, brachten Palmers und OMV als einzige Sponsoren gerade einmal 10.000 Schilling auf. Zuvor hatte Keszler bei 500 Unternehmen mittels Bettelbriefs um eine Unterstützung angefragt. "Ich habe damals bei einer Werbeagentur einen Image-Folder anfertigen lassen." Doch ohne Image, resümiert er heute, machte auch der Folder keinen Sinn.

Boeing 767 von Austrian und Red Bull
Heuer entsprechen schon die mit der AUA aus aller Welt eingeflogenen, gratis auftretenden Laufstegschönheiten einem Gegenwert von zwei Millionen Euro. Eine eigene Boeing 767, zur Verfügung gestellt von Austrian und Red Bull, bringt sie bei Bedarf direkt vom New Yorker JFK-Flughafen per Sonderflug in die Donaumetropole. Aus dem Minderheitenprogramm wurde ein Fixpunkt im gesellschaftlichen Leben. Politiker jeglicher Couleur mischen sich unters bunte Volk. Keszler berichtet: "Heuer hat sich sogar Dompfarrer Anton Faber als Gast angemeldet."

In Summe, so Keszlers Prognose, wird heuer der erfolgreichste Life Ball aller Zeiten über die Bühne gehen. Anders ausgedrückt: Wenn am 26. Mai Weltstar Sharon Stone oder Popsternchen Kelly Osbourne über den roten Teppich vor dem Wiener Rathaus stöckeln, werden ihnen mehr als 40.000 Zaungäste zujubeln. Innerhalb der Absperrung für zahlende Besucher warten dann noch 4.000 Ballbesucher, die das Glück hatten, eine der raren Karten zu ergattern.

Life Ball 2007 in Zahlen
Tickets (via SMS) 47.500
Bar (in Metern) 280
Kabel (km) 2.500
Eiswürfel (kg) 20.000
Gläser 40.000
Gastro-Equipment (Tonnen) 300
Technikerstunden 350
Securities 300
Stahl (Aufbau/Tonnen) 300
Gastrobetriebe 50
Topmodels 150
VIP-Plätze 650
Mitarbeiter 2.000
Besucher 45.000
Gitter (Laufmeter) 1.000
Scheinwerfer 310
KW Licht 230.000
TV-Teams 60
Journalisten 500
Life-Ball-Handys 500
Sponsoren 250
Köche 80
Kellner 180
Reinerlös '06 € 1,08 Mio.
HIV-Neuinfektionen '06 442

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