Von Berlins Siegessäule zur Käsetheke: Über McCains Abwesenheit & die 'Obamania'

news.at über "Beliebheitswettbewerbe in Europa" McCain im Buggy und Obama in der Downing Street

Von Berlins Siegessäule zur Käsetheke: Über McCains Abwesenheit & die 'Obamania' © Bild: Reuters

Der Noch-Nicht-Präsident Barack Obama ziert wie kein anderer die Titelblätter dieser Welt. Internationales Facewashing in krisengebeutelten Regionen und den Metropolen Europas, eine Rede vor der Berliner Siegessäule (fast! wie Kennedy) und alles mit einem 100-Dollar-Lächeln als hätte er den Wahlsieg bereits in der Tasche. Da bleibt nur zu fragen: Wo ist eigentlich John McCain?

Während Obama von Tel Aviv nach Paris und London jettete und artig Hände staatstragender Männer und Frauen schüttelte, wurden von McCain ganz andere Bilder ausgestrahlt. McCain in der Käsetheke eines Supermarkts, McCain am Beifahrersitz des Golfwägelchens von George Bush Sen. Keine Frage, dass es einigen amerikanischen TV-Sender ein kindliches Vergnügen bereitete, solche Bilder des Kontrasts auszustrahlen.

Die "kriecherischen Deutschen"
Doch bei aller Fairness ließen auch die Reaktionen des Republikaners auf die internationale Charmeoffensive des demokratischen Nebenbuhlers zu wünschen übrig. Als "kriecherisch" bezeichnete McCain-Sprecher Tucker Bounds das deutsche Volk, weil es zu bereitwillig jubelte. Der Senator aus Illinois ziehe einen "Haufen unterwürfiger Deutsche an", hieß es weiter. Keine sehr schlagfertige Kritik!

Härtere Bandagen
John Weaver, ehemaliger politischer Chefberater McCains bilanzierte die letzten Wahlkampftage des Republikaners kritisch: "Seien wir ehrlich, McCain hat die Woche schwer verloren. Eine weitere Woche wie diese kann er sich nicht leisten." Erwartet uns deswegen ein Wahlkampf-Fight mit härteren Bandagen? Eines ist klar: Auch wenn die wahre Schlacht noch längst nicht geschlagen ist und den 71-jährigen Senator aus Arizona nur wenige Prozentpünktchen von seinem Rivalen Obama trennen, ist Nervosität aus dem republikanischen Lager zu verspüren.

Aber man soll den Tag nicht vor dem Abend loben und in einem Punkt hat Randy Scheunemann, außenpolitischer Berater von McCain, sicherlich recht: "Er [Obama] mag den Beliebtheitswettbewerb in Europa gewinnen – doch die amerikanischen Wähler entscheiden die Wahlen."

(Muryati Vo)