Vom Totengräber zum neuen Präsidenten: Tomislav Nikolic pflegt den Stolz der Serben

Serbische Radikale Partei als politische Heimat Von Wahlkampfberatern Zurückhaltung auferlegt

Vom Totengräber zum neuen Präsidenten: Tomislav Nikolic pflegt den Stolz der Serben © Bild: Reuters/Djurica

Der stellvertretende Vorsitzende der Serbischen Radikalen Partei (SRS), Tomislav Nikolic, steht im vierten Anlauf, seinem Traum näher als je zuvor zu kommen. Dieser Traum ist "Vater der Nation" zu werden. Er will neuer Präsident Serbiens werden. Er wolle die Veränderungen herbeiführen, die von den Bürgern angestrebt würden, beteuerte der für gewöhnlich in dunkelgrauen Anzügen auftretende Politiker immer wieder.

Nikolic will Veränderungen für sein Land herbeiführen. Was genau unter darunter verstanden wird, ist zu einem großen Teil seiner Anhängerschaft überlassen, denn der SRS-Spitzenpolitiker blieb in seinen bisherigen Vorschlägen wage. Er habe ein Programm, das den Kampf für ein unabhängiges Justizwesen enthält, auch die Korruption wolle er bekämpfen und auf jeden Fall zu einem Präsidenten aller Bürger Serbiens werden, so Nikolic. Zum Auftakt des Wahlkampfes legte er daher das Abzeichen mit einem Konterfei des SRS-Parteichefs, des Haager Angeklagten Vojislav Seselj, vom Revers ab.

Politische Karriere
Der im Februar 1952 im zentralserbischen Kragujevac geborene Bautechniker kann auf eine lange politische Karriere an der Seite Seseljs zurückblicken, die ihn in den späten 90er Jahren auch zum Bündnispartner des damaligen Staatschefs Slobodan Milosevic machte und ihm 1998 das Vize-Premieramt sicherte. Er hatte immer die politischen Ideen seines Ziehvaters geteilt und auf ein "Groß-Serbien" als höchstes Ziel seiner Partei geschworen.

Doch im Wahlkampf zeigte sich der Politiker, dem sein ehemaliger Aufgabenbereich als Chef einer Beerdigungsfirma in Kragujevac früher einmal den Namen "Totengräber" einbrachte, in einem anderen Gewand. Keine Schimpfwörter, keine Spur von der "Groß-Serbien-Idee", auch den Kosovo will der Nationalist nicht mehr mit den den Waffen verteidigen, wie er dies noch vor einigen Monaten versprach.

Souveränität Serbiens
Er wolle mit allen kooperieren, Serbien die Tür nach Ost und West öffnen. Allerdings wird die Zusammenarbeit mit der EU von ihrer Haltung zur Gebietseinheit und Souveränität Serbiens abhängen. Im Klartext: Sollte der Kosovo unabhängig und von der EU anerkannt werden, sieht Nikolic keine Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit. Diplomatische Beziehungen mit den EU-Staaten würde er allerdings nicht unterbrechen, sie lediglich auf ein niedrigeres Niveau senken.

Nikolic hatte es im Wahlkampf nicht leicht. Seine ehemalige Rhetorik ist manch einem potenziellen Anhänger in abschreckender Erinnerung. Als in den letzten Wahlkampftagen seine Auftritte vom Beraterteam, dazu soll auch eine US-Firma gehören, nicht mehr so genau geplant wurden, konnte man vom Präsidentschaftskandidaten auch manch eine Idee aus dem alten Repertoire der Radikalen hören. Unter anderem äßerte er den Wunsch, russische Raketen in Serbien aufzustellen, was von seinem Team daraufhin auf das energischste als böse Unterstellung des Herausforderers Boris Tadic bestritten wurde.

Neue Anhängerschaft
Jahrelang wurden die Sympathisanten des Nationalisten nur unter den sogenannten Verlierern des wirtschaftlichen Umbruchs vermutet. Seit der Parlamentswahl im Vorjahr ist jedoch klar, dass dazu immer häufiger auch kleinere Unternehmer gehören, die sich von Nikolic ein energischeres Vorgehen gegen Korruption erhoffen. Ihre Stimme für Nikolic gaben am 20. Jänner laut Meinungsforschern wohl einige ehemalige Wähler des demokratischen Parteienlagers ab - vor allem auch Anhänger des national-konservativen Premiers Vojislav Kostunica.

Einen besonderen Wert für den Präsidentschaftskandidaten hatte im Wahlkampf das Wort jenes Mannes, der von vielen Serben seit Jahren als "größter Freund" ihres Landes empfunden wird. "Wenn ich die serbische Staatsbürgerschaft besäße, würde ich heute in Serbien für Nikolic stimmen", soll Peter Handke bei einem Treffen mit Nikolic in der Vorwoche erklärt haben. An seiner Seite steht auch die vorjährige Song-Contest-Gewinnerin Marija Serifovic, die wegen ihres politischen Engagements womöglich auch noch Probleme als "EU-Botschafterin für interkulturellen Dialog" bekommt.

(apa/red)