Vom Theologen zum Evolutionsexperten: Darwins Todestag jährt sich zum 125. Mal

Evolutionstheorie ist bis heute weitgehend anerkannt Inspiration fand er durch die Vielfalt der Vogelwelt

Vom Theologen zum Evolutionsexperten: Darwins Todestag jährt sich zum 125. Mal

Die Grundlage für seine aus heutiger Sicht revolutionären Arbeiten zur Evolution der Organismen bekam der englische Forscher Charles Robert Darwin gleichsam in die Wiege gelegt. Sein Großvater Erasmus Darwin (1731 - 1802) war Mediziner und ein bekannter Naturwissenschafter, der bereits mit dem Gedanken spielte, dass alle Lebewesen von gemeinsamen Vorfahren abstammen. Darwins Todestag jährt sich nun zum 125. Mal.

Charles Darwin wurde am 12. Februar 1809 in Shrewsbury geboren. Bereits in jungen Jahren begann er sich für die Natur zu interessieren. 1825 fing er ein Medizinstudium in Edinburgh an, 1927 brach er ab und sattelte später auf Theologie um, wobei es ihn nach Cambridge verschlug. Mehr als die theologische Literatur interessierte ihn allerdings die Biologie, nichtsdestotrotz beendete er sein Studium mit einem Abschluss als Bakkalaureus.

1831 startete er dann zu einer fünfjährigen Weltreise mit dem Schiff "Beagle". Auf dieser Fahrt sammelte er jene Lebewesen und Fossilien, auf deren Grundlage er viele Jahre später seine Theorien entwickelte. Der Überlieferung nach sollen ihn bei der Aufarbeitung des gesammelten Materials vor allem die Exemplare der Galapagos-Inseln inspiriert haben. Im Falle der nach ihrem Beschreiber benannten Darwin-Finken auf den Galapagos-Inseln gehen die Wissenschafter bis heute davon aus, dass ursprünglich eine Art die abgelegenen Inseln erreichte.

Mangels sonstiger gefiederter Konkurrenz besiedelten die Tiere nach und nach alle ökologischen Nischen, es entstanden Arten, die sich auf Körnerfutter spezialisierten oder solche, welche vornehmlich Insekten erbeuteten. Selbst ein Spechtfink und ein nach Fledermausart Blut trinkender Fink sind vertreten. Die Darwin-Finken sind somit eine überschaubare Gruppe, welche Veränderung und Artbildung durch Spezialisierung widerspiegelt. Neben den Galapagos-Inseln besuchte die eigentlich zu Vermessungszwecken gestartete Expedition auf der "Beagle" auch die Kapverdischen Inseln, Tahiti, Neuseeland, Mauritius und Südafrika.

Ehe Darwin seine Ideen zusammenfasste und veröffentlichte, gründete er noch eine Familie. 1839 heiratete er sein Cousine Emma Wegdwood, die beiden bekamen zehn Kinder. Anfangs in London beheimatet, übersiedelte die Familie 1842 nach Downe in der Grafschaft Kent.

Inspiration durch die Vielfalt der Vogelwelt
Anfangs noch vom biblischen Schöpfungsglauben geprägt, soll Charles Darwin der Überlieferung nach vor allem durch die Vielfalt der Vogelwelt auf den Galapagos-Inseln und Ähnlichkeiten von gefundenen Fossilien mit lebenden Tieren auf die kontinuierliche Veränderlichkeit der Arten als Grundlage für seine Evolutionstheorie gekommen sein.

Theorie entstand gleichzeitig mit der von Wallace
Bereits in den 1840er Jahren ordnete und formulierte Darwin seine Gedanken schriftlich, es dauerte bis zur Veröffentlichung bis 1858. In der Zwischenzeit hatte Alfred Russel Wallace mit Wissen Darwins ähnliche Theorien formuliert und publiziert. Wallace und Darwin gelten daher heute für viele Wissenschaftshistoriker gemeinsam als Väter der Evolutionstheorie.

Die bis heute weitgehend anerkannte Theorie, die Darwin 1859 unter dem Titel "On the Origin of Species by Means of Natural Selection, or the Perservation of Favoured Races in the Struggle of Life" verfasste, legte den Grundstein für die so genannte Synthetische Evolutionstheorie. Im Zentrum steht die Aussage, dass Organismen auch einer Art einander nicht völlig gleichen und dass sich - je nach herrschenden Umweltbedingungen - die am besten angepassten Individuen durchsetzen.

Darwins (und Wallace') Theorie verursachte großes Aufsehen und wurde auch relativ rasch anerkannt, zumindest was die natürliche Auslese anging. Umstritten blieb jedoch die Ursache für die Unterschiede zwischen den Organismen. Darwin selbst war durchaus noch der Ansicht von Jean-Baptiste de Lamarck (1744 - 1829), dass sich Tiere im Verlaufe ihres Lebens verändern und dass diese Veränderungen auch an die Nachkommen weitergegeben werden. Das klassische Beispiel ist die Entstehung des langen Giraffenhalses. Nach lamarckistischer Sicht verlängerte sich der Hals eines Individuums durch das Strecken nach hoch hängenden Blättern und diese Verlängerung wurde auch an die Jungen vererbt.

Das heute Synthetische Evolutionstheorie genannte Konzept ist eine Erweiterung von Darwins Ansichten. Spätestens seit der modernen Genetik ist die Evolutionstheorie eine in der Fachwelt kaum angezweifelte Theorie. Im Gegensatz zu Lamarck und auch noch Darwins Meinung besagt die heute gängige Ansicht, dass sich erworbene Fähigkeiten nicht genetisch verankern und sich auch nicht weiter vererben. Der Sohn eines Bodybuilders wird in keiner Weise muskulöser sein als seine Altersgenossen - es sei denn, er trainiert wie Papa.

Voraussetzung für die Evolution ist vielmehr genetische Vielfalt, also Unterschiede auch zwischen den Individuen einer Art. Um beim Giraffen-Beispiel zu bleiben: In einer Giraffen-Population gab und gibt es stets Individuen mit unterschiedlich langen Hälsen. Zu bestimmten Zeiten, wenn etwa das Klima trockener wird und grüne Blätter nur noch auf hohen Bäumen zu finden sind, haben Langhälse einen Vorteil gegenüber Kollegen. Sie können mehr Blätter abrupfen als Kollegen, durch die zusätzliche Nahrung sind sie kräftiger und bekommen auch mehr Junge. Der Giraffenhals wurde so im Zuge der Evolution durchschnittlich immer länger.
(APA/red)